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Weinkeller, Postmeister von Hinüber

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EIN TREFFPUNKT FÜR KENNER

Celles rustikaler Gewölbekeller „Postmeister von Hinüber“ in der Zöllnerstraße

Mitten in der historischen Altstadt von Celle versteckt sich ein gastronomischer Geheimtipp, ein atmosphärisches, herzliches Weinlokal, das auch der „Gault Milliau“ besonders lobt: der Gewölbekeller „Postmeister von Hinüber“, betrieben von Thomas Krafthöfer und Corinna Räker – ein uriges Plätzchen, in dem sich die eingefleischte Celler Szene trifft.

Celle

Weiß Gott, Celle ist nicht der Nabel der Welt. Etwas abseits gelegen, zwischen Lüneburg, Braunschweig und Hannover mit den Aushängeschildern Celler Schloss und Landgestüt kämpft die ehemalige Herzogsresidenz an der Aller darum, neben dem pittoresken Fachwerkerbe auch jungdynamisch zu bleiben. Kulturell stellt die 80.000-Einwohner-Stadt viel auf die Beine. Wer Abwechslung in der Gastronomie sucht, muss da schon länger suchen. Eine Lokalität jedoch hat sich zu einem echten Geheimtipp entpuppt, über die Stadtgrenzen hinaus.

Restaurant

Urig und versteckt liegen sie da, die bacchischen Gewölbe, mitten in der historischen Altstadt, in der Fußgängerzone, Ecke Heiliges Kreuz und Zöllnerstraße. Hinter einem metallenen Tor führen steinerne Treppenstufen hinab in den Weinkeller „Postmeister von Hinüber“. Betritt man die gesellige kleine Stube, tanzen einem schon herrlichste Düfte entgegen. Die gemütlichen Nischen des rustikalen Gewölbekellers laden ein zum privaten Verweilen in vertrauter Atmosphäre, mit herzlicher Gastlichkeit. Immer wieder hierher aber kommen die Gäste aufgrund der gehobenen Küche mit guten Weinen aus aller Welt und frischen saisonalen, bodenständigen Gerichten.

Auch der aktuelle Gault Millau lobt den „Postmeister“ „als Weinstube mit besonders angenehmer Atmosphäre“. 2009 wurde er von den Lesern des „Varta-Führers“ zum Lieblingsrestaurant in Niedersachsen gewählt. Wichtig ist vor allem, wie die Lokalität, die Corinna Räker und Thomas Krafthöfer mit viel Liebe und Herzblut betreiben, die Celler selbst anspricht. Und da verwundert es kaum, dass Jung und Alt, Schauspieler des Schlosstheaters wie zufällig hereinspazierende Gäste der Herzogstadt sich hier gleichermaßen wohl fühlen und die Seele baumeln lassen. Sogar Ilja Richter war schon hier. Thomas Fritsch hat seinen Seidenschal vergessen. „Ein Freund von uns hat ihn ihm nach Hamburg gebracht“, lächelt Corinna Räker.

Historisches

Hier im Haus Zöllnerstrasse 25 befand sich zwischen 1706 und 1740 die Poststation, das Domizil des Christian Carl Hinüber, Postmeister zu Celle, der, 1694 geboren, bis 1734 lebte. Er war ein Enkel des Hans Hinüber (1618 – 1680), Postmeister zu Hannover, der zusammen mit seinem Vetter Rütger Hinüber (um 1600 – 1665) Postmeister zu Hildesheim, das Postwesen in den Hannoverschen Landen auf- und ausgebaut hat. Die Familie von Hinüber, die 1765/1775 geadelt wurde, war noch viele Generationen, bis ins 19. Jahrhundert, im Hannoverschen Postwesen tätig, erst unter Stechinelli, der von Herzog Johann Friedrich 1678 zum Generalpostmeister ernannt wurde, dann seit 1682 unter dessen Nachfolger, den Grafen von Platen. Sie bekleideten teilweise hohe Positionen, nachdem die Post 1736 unter König Georg II in staatliche Verwaltung überführt wurde.

Später dann diente der Ort in der Tiefe als Kohlenkeller, bis der Celler Gastwirt Jean André Priol ihn 1986 als Weinkeller „Postmeister von Hinüber“ eröffnete. Seinerzeit durften sich Gäste gegen 10 DM an der Gewölbedecke über dem Tresen mit Namen verewigen. „Wir haben den Weinkeller 1996 vom Vorbesitzer übernommen und dann allmählich die Speisen ausgebaut“, erzählt Thomas Krafthöfer. Der gelernte Koch stammt gebürtig aus Kevelaer, Niederrhein. Drei Jahre arbeitete er in Interlaken, in der Schweiz, um in der gehobenen Küche Erfahrungen zu sammeln.

Thomas Krafthöfer und Corinna Räker

„1991 hat es mich schließlich nach Celle verschlagen, ins L’Auberge nach Boye“, braucht es Krafthöfer aber nicht bereuen. Nicht nur machte er dort die Bekanntschaft mit Jean André Priol, sondern vor allem lernte er die ausgebildete Restaurantfachfrau Corinna Räker kennen. In ihr fand er die Frau fürs Leben. Beide lieben die Arbeit im Weinlokal, Fahrten in die Weinberge, die Toskana und Ausflüge in die heimischen Wälder zur Auswahl ihrer Zutaten. „Viele unserer Zutaten beziehen wir frisch aus Frankreich und aus der Region“, sagt Corinna Räker. Da sei zum Beispiel ein winzig kleiner Geflügellieferant im Elsaß, der Wachteln, Enten oder Perlhühner anbietet. Zu deutschen Winzern habe man ein sehr gutes Verhältnis. So stehen auch des Öfteren Weinproben an wie vom Rheingauer Weingut Baron zu Knyphausen an. Im Juni diesen Jahres (2013) lädt der Weinkeller wieder einen Winzer aus Südafrika ein.

Philospphie

„Die Kräuter züchten wir in unserem Garten“. Oder das Paar sucht selbst. „Im Frühjahr fahren wie gern mal zum Elm/Deister, um Bärlauch und Holunderblüten zu pflücken“, liebt Corianna Räker diesen Mix aus Arbeit und Privatem. „Wir finden es gut, Heimisches zu verkochen.“ Äpfel bekommt man von den Nachbarn, Birnen von einer Freundin mit Schrebergarten. Während sie dies erzählt, tänzeln aus der Küche verführerische Düfte. „Mein Mann bereitet gerade die Ente vor.“ Selbst gebackenes Brot und hausgemachtes Entenschmalz – was will man mehr. „Wir wollen solide und ehrlich kochen, keinen Schnickschnack. Eigentlich machen wir es ganz einfach und normal“, klingt es bescheiden. „Schischi machen die anderen“, stimmt ihr Mann zu.

Speisen

Das Gästebuch ist dann auch voll des Lobes. Noch im Nachhinein schwärmen Besucher von der Kartoffelsuppe mit Lauch und geräucherter Gänsebrust, Carpaccio von roter Bete mit Riesengarnelen im Kateifiteig oder von gebratener Blutwurst mit Steckrübenpüree und glasierten Quitten. Nicht zu vergessen das hausgemachte Eis.

Gäste-Info

Der Weinkeller „Postmeister von Hinüber“ in der Zöllnerstrasse 25 in Celle von Thomas Krafthöfer& Corinna Räker hat dienstags bis sonnabends ab 18 Uhr geöffnet (Küche bis 22.30 Uhr), sonnabends auch von 12 bis 14 Uhr. Sonntag und Montag sind Ruhetage. Fon: 05141 28444.

Text: Aneka Schult

Fotos: Martin Jehnichen

 

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