Szenen einer Ehe

Autor:
Redaktion

Präzise Sektion einer Paarbeziehung

Schlosstheater Celle: Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ in einer Inszenierung von Caro Thum

Wie ist es nach zehn Jahren um eine Ehe bestellt? Marianne (Tanja Kübler) und Johan (Dirk Böther) präsentieren sich als ideales Ehepaar. Nun gut, die erotische Anziehung hat spürbar nachgelassen – das erwartet man kaum anders. Der Alltag dominiert jede Minute, die Freizeit ist verplant. Man lebt eben „eingekastelt“, aber vorzeigbar.

Doch gleich ist eine Abweichung wahrzunehmen: Mariannes zunächst zaghafte Versuche, aus dem Trott auszubrechen, werden von Johan geduldig lächelnd sabotiert. Er hat sich längst auf dem Weg gemacht in ein neues Leben, gemeinsam mit seiner jungen Geliebten Paula: „Seit vier Jahren will ich dich loswerden.“ Nach diesem Geständnis kommt Tempo in die Zerrüttung der bürgerlichen Idylle. Die Regisseurin Caro Thum nimmt beherzt das Skalpell in die Hand. Akribisch und konzentriert setzt sie das Messer an den verwundbarsten Stellen an und löst erbarmungslos Schicht für Schicht von der Fassade einer Ehe.

„Ich will weg von allem hier!“ lautet das Credo des zutiefst verunsicherten Johan. Das Publikum leidet hörbar mit Marianne mit, als der nette, eloquente Ehemann harsch wird und seiner Gattin geradezu brutal seinen Überdruss entgegen brüllt. Sein niederschmetterndes Fazit: „Wir sind an Sauerstoffmangel gestorben.“ Die verlassene Marianne krempelt ihr Leben um, auch sichtbar gemacht im sparsam inszenierten Bühnenbild (Bühne und Kostüme: Marsha Grinsberg). Doch die Wandlung der anpassungsfähigen Marianne zur selbst bestimmten, starken Frau schien weniger in Thums Fokus zu liegen als die emotionale Reise der Ehepartner.

Fast zwingend scheint im jahrelangen Trennungs- und Wiederfindungsprozess die Eskalation bis zum fast befreienden Gewaltausbruch zwischen den beiden.

Die Vorlage von Ingmar Bergman, ursprünglich eine sechsteilige Fernsehserie, war in Schweden 1973 ein Straßenfeger und avancierte als Film zum Welterfolg.

Wer den Streifen kennt, vermisst vielleicht Peter und Katarina, die als Gäste durch die Demontage ihrer Ehe vor den Freunden die Diskussion um die eigene Befindlichkeit auslösen. Aber Thum gelingt es auch im Zweipersonenstück, das Wesentliche offen zu legen. Was den „gefühlsmäßigen Analphabeten“ – so die Selbstdiagnose Johans – über die Jahre bleibt, ist die Bindung an sich. Marianne, die anfangs noch unsicher Zufriedenheit zur Agenda des Glücks erklärte, resümiert nun selbstbewusst: „Für Glück gibt es keine Regeln.“

Alles in allem ein lohnender Theaterabend. Das Publikum honorierte die Leistung von Kübler und Böther, souverän den Spannungsbogen zu halten, mit anerkennendem Applaus.

http://www.schlosstheater-celle.de/de/programm/premieren14-15/szenen-einer-ehe.html

Text: Margitta True

Fotos: Schlosstheater/Benjamin Westhoff

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