Webhosting ohne böse Überraschungen - xt:commerce, Template, Hosting und SEO - FIETZ.MEDIEN GmbH

Schlosstheater – Im Westen nichts Neues

Autor:
Redaktion

Verrat an einer ganzen Generation

Schlosstheater Celle. „Im Westen nichts Neues“ in einer Bühnenfassung von Michael Klammer.

Von Margitta True

Schon beim Betreten der jüngst eingeweihten Halle 19 werden die Zuschauer mit dem Thema Krieg konfrontiert. Der Nebel, in dem sie ihre Plätze suchen, erinnert an die erste Massenvernichtungswaffe, die dem Ersten Weltkrieg eine damals neue Dimension des Grauens verlieh. Die Industrialisierung des Tötens bleibt auch in den kommenden anderthalb Stunden ein Thema.

Michael Klammer hat sich den 1929 erschienenen Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque vorgenommen und ausdrücklich auch für junge Menschen ab 16 Jahren inszeniert. Folgerichtig geht es in seiner Bühnenfassung weniger um Schützengrabenszenen. Er setzt vielmehr die Auswirkungen des Kriegsgeschehens auf vier junge Soldaten in Szene: den Erzähler Paul und seine ehemaligen Klassenkameraden, die eben noch die Schulbank drückten.

Während die jungen Männer längst desillusioniert die Durchhalteparolen in den Briefen ihres Lehrers Kantorek zur Kenntnis nehmen, sind sie an der Front immer noch zu Pennäler-Scherzen und Blödsinn fähig. Das entspannt das Publikum, doch der eine oder andere Lacher bleibt bald wieder im Halse stecken. Zu gegenwärtig sind die sinnlosen Opfer und der Verrat an eine ganze Generation mit den großmäuligen Versprechen von Heldentum und Ehre.

Die insgesamt gelungene Inszenierung hakelt hier und da ein wenig. Die Bühnenausstattung ist gekonnt minimalistisch (Bühne und Kostüm: Maria Mose), das Spiel mit dem Licht gibt und nimmt dem Geschehen auf der Bühne gezielt die Konturen, aber die Musiksequenzen scheinen mitunter etwas lang. Die Tiermasken erschließen sich dem Publikum möglicherweise ebenso wenig wie das Hinzuholen zweier Zuschauerinnen auf die Bühne. Letzteres sorgt nur für eine Unterbrechung, die wieder glatt gespielt werden muss.

Ganz anders dagegen wirkt das Agieren zwischen den Zuschauerreihen. Frontkoller, Heimweh, die Unfähigkeit, sich eine Zukunft vorzustellen – all dies wird nahbar und ergreift. Und es gibt Glanzmomente wie jene Szene, in der Paul auf die Mutter seines verstorbenen Kameraden Kemmerich trifft: im harten Kontrast von Licht und Schatten die absolute Trostlosigkeit. Nach Pauls Ernüchterung im Heimaturlaub lässt Klammer die Rückkehr an die Front fast wie eine Heimkehr erscheinen und das ist umso aufwühlender.

Den Schauspielern Bastian Beyer (Paul), Philip Leenders (Stanislaus Katcinsky), Lukas von der Lühe (Albert Kropp) und Rasmus Max Wirth (Tjaden) gelingt es gleichzeitig mit Leichtigkeit und Tiefe auf die Bühne zu bringen, was die Lebensgeister der Soldaten zusammenhält: Kameradschaft und stillschweigendes Verständnis füreinander. Innerlich wie äußerlich weit entfernt von Elternhaus, Freunden und Lehrern, distanzieren sie sich von den kriegsbegeisterten Stammtischrunden daheim und wagen es, den Krieg an sich infrage zu stellen: „Warum macht man kein Ende?“

Das Publikum reagierte auf die Premiere mit Begeisterung – zu Recht. Bleibt zu hoffen, dass sich die Schulen dieses Stücks annehmen, zu dem das Schlosstheater übrigens eine Materialmappe zur Verfügung stellt.

Fotos: Benjamin Westhoff

 

Themen:
Halle 19

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hauptnavigation