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Rudern auf der Aller

Autor:
Redaktion

In Celle mehr, als einfach nur eine Sportart

Von Arno Boes

Rudern als Sportart definiert sich heute in der Öffentlichkeit vor allem durch die olympischen Erfolge des Deutschlandachters, durch packende Duelle zwischen Peter-Michael Kolbe und dem Finnen Pertii Karppinnen im Einer, aber auch durch vielseitige Möglichkeiten im Breiten- und Freizeitsport. Rund 500 Vereine bestehen in der Bundesrepublik, überall, wo man Wasserflächen findet, haben sich meist die Rudervereine mit eigenen Bootshäusern und Anlagen niedergelassen. So auch in Celle, das mit der Aller ein passendes Revier für diesen Wassersport bietet.

Die Geschichte der Celle’schen Vereine

Die Protagonisten des Sports mögen darüber streiten, aber Rudern gehört wohl zu den ältesten Sportarten, die in unserer Gesellschaft Anerkennung gefunden haben. Rudern als Fortbewegung auf dem Wasser betrieb man schon vor vielen Tausend Jahren, zum Sport wurde sie aber erst, als Ende des 18. Jahrhunderts im wasserreichen Süden Englands die dortigen Fährleute um die Wette fuhren. Schnell entwickelten sich daraus organisierte Wettfahrten, und als 1829 erstmals die Studenten der Universitäten aus Oxford und Cambridge ihren bis heute ausgetragenen Achter-Wettstreit vereinbarten, waren Regatten in England längst in das Freizeitvergnügen der distinguierten britischen Gesellschaft angekommen.

In Deutschland gründete sich der erste Ruderverein 1836 in Hamburg, englische Kaufleute animierten junge Männer in der Metropole an der Alster und Elbe dazu. Und als Ende des 19. Jahrhunderts der Kaiser in Berlin dem Rudersport seine besondere Aufmerksamkeit widmete, erlebte die Sportart ihre Blütezeit auf den Wasserflächen. In dieser Zeit gab es in Celle wohl mindestens drei Ruderclubs, wie in den Schriften des Lehrers und Heimatforschers Clemens Cassel nachzulesen ist. Antrieb für die Aktivitäten der Vereine war aber weniger der Sport, wie wir ihn heute verstehen. Vielmehr war es die nationalistische Gesinnung des ersten Deutschen Reiches, die den Sport vor allem als „körperliche Ertüchtigung“ junger Männer ansah. Aus ihnen sollten später im Militärdienst willige Soldaten geformt werden. Da war der Rudersport mit seinem Teamgeist, der gelebten Kameradschaft im Boot, der klaren Kommandokette Trainer – Steuermann – Ruderer und natürlich der ganzheitlichen körperlichen Beanspruchung eine ideale Methode, Schüler aus der höheren Bildungsschicht an die heute fraglichen Ideale dieser Zeit heranzuführen.

Diese Hintergründe spielten auch in Celle eine Rolle bei der Gründung der Rudervereine im frühen 20. Jahrhundert. An der Oberrealschule „Hermann Billung“ wurde 1919 eine Sportgruppe gebildet, der „Gymnasial-Ruder-Verein“ entstand bereits 1906. Beide bilden die Wurzeln der beiden heute noch bestehenden Schüler-Rudervereine an der Aller. Sowohl die Ruderriege „Herman Billung Celle e.V“ wie auch der aus den Gymnasien „Hölty“ und „Ernestinum“ als „Ruderclub Ernestinum-Hölty Celle e.V.“ hervorgegangene Club orientierten sich bei ihrer jeweiligen Neugründung nach dem 2. Weltkrieg an den demokratischen und friedlichen Werten des Sports. Und nicht zuletzt die 1957 erfolgte Gründung des von direkten schulischen Verbindungen unabhängigen „Celler Ruderverein e.V.“ unterstrich die Bedeutung des Wassersports in Niedersachsen. Alle drei liegen heute direkt an der Aller, umgeben von viel Natur und malerischen Wasserflächen, dennoch nahe am Zentrum der Stadt und mitten im gesellschaftlichen Leben der alten Residenzstadt. Und wie intensiv der Rudersport in Celle gefördert wird, zeigt sich auch in einer vierten Vereinigung, der Ruderriege des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums, die ebenfalls ihr Bootshaus als Schüler-Ruderriege direkt an der Aller unterhält.

Das malerische Ruderrevier

Celle bildet den Schnittpunkt zwischen Ober- und Unter-Aller. Für die Ruderer sind von den rund 265 km des Flusses etwa 140 km befahrbar. Das nutzen insbesondere die Wanderruderer, also jene Breitensportler, die in mehrtägigen Fahrten und Etappen die Flüsse und Seen im In- und Ausland mit ihren Booten bereisen. Auf der Aller kann man mit den Gig-Booten, die bis zu einem Meter breit und als Vierer mit Steuerplatz knapp 11 Meter lang sind, in Müden an der Oker-Mündung starten und bis Celle die knapp 30 km zurücklegen. Vier Staustufen, die für einen möglichst gleichbleibenden Wasserstand der Aller sorgen sollen, sind dabei zu überwinden. Von Celle aus kann man dann etwa 117 km auf der Aller bis zu ihrer Mündung in die Weser weiterfahren, auf denen dann weitere vier Staustufen über Schleusen oder durch Umtragen der Boote zu passieren sind.

Die vier Bootshäuser liegen alle in der Nähe oder direkt auf der Ziegeninsel. Von dort aus kann man stadtwärts bis zum Wehr an der Ratsmühle rudern, in die andere Richtung reicht das sog. Hausgewässer der Vereine ohne Hindernis bis Theewinkel nahe Osterloh. Auf diesem Aller-Abschnitt trainieren die Leistungssportler der Vereine, dort absolvieren auch die Freizeitsportler, bei denen die eigene Fitness und der Spaß am Sport im Vordergrund stehen, ihre wöchentlichen oder gar täglichen Ausfahrten. Verglichen mit vielen anderen stadtnahen Ruderrevieren auf deutschen Flüssen, Kanälen und künstlich angelegten Regattastrecken zählt diese Hausstrecke der Celler Rudervereine zu den malerischen mit hohem Erholungswert durch ihre naturgeprägte Ufergestaltung.

Leistungs- und Breitensport finden in den Vereinen gleichberechtigte Interessen. Regelmäßiges Training und Teilnahme an Wettkämpfen wird für alle Altersklassen angeboten. Und wer Sport mehr zu eigenen körperlichen Fitness und geselligem Miteinander betreiben möchte, findet in den Vereinen ebenso eine Heimstatt. Denn neben dem Wassersport sind besonders in der kälteren Jahreszeit die Angebote an Ausgleichs- und Ergänzungssport vielseitig.

Aktivitäten

Apropos Regatten: In der Vielfalt der existierenden Sportarten hat es die Traditionssportart Rudern heutzutage schwer, sich als Leistungssport mit regelmäßigem Training und attraktiven Wettkämpfen durchzusetzen. Die Zeichen der Zeit sind da auch an den Vereinen in Celle nicht vorbeigegangen. Pilgerten in den 50- und 60ger Jahren noch Tausende an die Regattastrecken in Deutschland, um die erfolgreichen Ruderer bei ihren Wettkämpfen anzufeuern, haben längst andere Sportarten in diesem Punkt die Oberhand gewonnen. Immer mehr Regatten, die in diesen Jahren auch mit technisch geringen Anforderungen auf den Flüssen und in Hafenbecken der Städte ausgetragen wurden, fanden nicht mehr den Zuspruch der Zuschauer und dann auch der teilnehmenden Vereine. Heute sind viele dieser Wettfahrten aus dem Regattakalender des Deutschen Ruderverbandes verschwunden, so auch die alljährliche offizielle Regatta in Celle. Dennoch sind die Celler Rudervereine bis heute im Rennsport aktiv, setzen die lange Tradition mit vielen nationalen und internationalen Erfolgen der Celler Ruderer fort. Dafür sorgen auch die überaus engagierten Mitglieder der Vereine, die ehrenamtlich für die Clubs tätig sind und auch als Trainer weit über die Grenzen Celles hinaus sich um den Nachwuchs kümmern und versuchen, ihnen immer wieder die Wege in die Auswahlmannschaften auf Landes- und Bundesebene zu eröffnen. Aktuell verpassten Peter Kluge und Patrick Leineweber 2016 nur knapp den Sprung in die Olympiamannschaft des Deutschen Ruderverbandes.

Und natürlich spielt auch der Schulsport weiterhin eine wichtige Rolle, der alljährlich ausgetragenen Landes-Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ mit den Finalrennen in Berlin ist für die Jugendlichen weiterhin ein Anreiz, regelmäßig sich zum Training an den Bootshäusern zu treffen.

Seit 2015 gibt es mit der Regatta „Rudern gegen Krebs“ eine besondere Note. 2005 rief die Stiftung „Leben mit Krebs“ in Mainz diese Regattaserie ins Leben, denn man hatte längst erkannt, dass neben den klassischen medizinischen Therapien bei dieser Erkrankung auch der Sport eine wichtige Ergänzung bilden kann. Gemeinsam mit dem Onkologischen Forum e.V. in Celle führte man 2015 die erste Regatta dieser Art am Bootshaus des Celler RV aus, mehr als 100 Vierer-Teams nahmen teil. Und die bestanden nicht etwa aus erfahrenen Aktiven, sondern allesamt aus Ruder-Laien, die erst wenige Wochen vorher zum ersten Mal in einem Ruderboot gesessen hatten. 2016 gab es eine Wiederholung, wieder waren fast 150 Teams am Start. Ihre Startgebühren, dazu die Spenden örtlicher Unternehmen und Unterstützer verbleiben alle beim Onkologischen Forum zur Finanzierung entsprechender Sport-und Bewegungs-Projekte bei der Bekämpfung der tückischen Krankheit. Ein sicher besonderes Beispiel in Celle, wie sich eine Sportart für den Benefiz-Charakter einer Veranstaltung einsetzen kann.

Rudern – Ein fester Bestandteil im Leben der Stadt

Beim Rudern sitzt man mit dem Rücken zur Fahrtrichtung. Dennoch kommt man voran und erreicht sein Ziel punktgenau. Und das gilt auch für die gesellschaftlichen Aktivitäten der Rudervereine. Der „Ball der Ruderer“ des Celler RV ist eine feste Institution, auch bei vielen anderen Festen, Initiativen und Aktionen sind die Mitglieder der Rudervereine eingebunden. Die Tugenden dieser Sportart – Teamgeist, Einsatz, Leistung und Gemeinschaft – schlagen sich auch heute noch nieder. Und das zum Glück wesentlich positiver, als zu ihren Gründerzeiten in der Kaiserepoche.

2017 feiert der Celler Ruderverein mit seinen rund 300 Mitgliedern sein 60-jähriges Bestehen. Er ist damit, wie er sich selber bezeichnet, das „Kücken“ in der langen Tradition der Rudervereine in der Aller-Stadt. Jubiläen sind immer das „Salz in der Vereins-Suppe“, und so darf man sich schon jetzt auf einige Aktivitäten des CRV in diesem Jahr freuen, auch wenn man bei „Rudern gegen Krebs“ eine organisatorische Pause einlegen wird. Und wenn es mal kein Jubiläum in einem der vier Vereine gibt, dann kann man sicher sein, dass neben dem wunderschönen Ruderrevier die Clubs einige weitere Aktivitäten entwickeln werden, um Celle den Ruf als attraktive Stadt des Rudersports zu erhalten.

Fotos: Hubertus Blume, (C) Landluft-Celle.de, 2018

Themen:
Celle

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