Radwandern am Rande des Schmarloh

Autor:
Florian Friedrich
Orientierungskarte zum Radwandern durch den Schmarloh; Länge: 21 km, Abkürzung auf 18 km möglich; Kartengrundlage: openstreetmap.org

Orientierungskarte zum Radwandern durch den Schmarloh; Länge: 21 km, Abkürzung auf 18 km möglich; Kartengrundlage: openstreetmap.org

 

Dieser Rundweg führt durch den Schmarloh, eine menschenleere Gegend, die in der Vergangenheit zum Siedeln wenig geeignet erschien, da auf diesem Geestrücken mit den leichten Sandböden nicht viel zu erwarten war. Wasser gab es wenig und die zahlreichen Moore erschwerten das Durchkommen. Die hier vorherrschenden buschigen Wäldchen und die weite Heide waren allenfalls als Schnucken- und Bienenweide interessant, so dass sich nur am Rande des Schmarloh einige Siedler niederließen und ihr Auskommen in der Landwirtschaft fanden.

Windpark Schmarloh

Windpark Schmarloh

Wir durchfahren auf meist gut ausgebauten und asphaltierten Wegen die Ortschaften Ahnsbeck, Helmerkamp und Bunkenburg, sehen die alten Höfe und erleben auf unserem Weg auch noch ein kleines bisschen die Einsamkeit des Schmarloh. Die Heide wurde längst kultiviert, das heißt hier vor allem zu Äckern gemacht. Die Moore wurden abgetorft, um Düngermittel zu bekommen und den Brennstoffbedarf zu decken. Später brachte das Erdöl des Schmarloh einigen Bauern Geld ein und heute drehen sich im Schmarloh die Windräder und sind den Landeigentümern das, was der Schmarloh immer war, eine „fette Weide“ (Schmar= Fett und Loh= Buschwald/Weide).
(Länge: 21 km, Abkürzung auf 18 km möglich)

Kapelle Ahnsbeck

Ahnsbecker Kapelle

Ahnsbecker Kapelle

Der Rundweg beginnt in Ahnsbeck an der Kapelle, Ecke Kapellenstraße und Südfeld. Das Bemerkenswerteste an der Kapelle in Ahnsbeck hängt in ihrem hölzernen Glockenturm. Die Bronzeglocke wurde 1439 gegossen und gilt somit als älteste Glocke im Celler Kirchenkreis. Als 1916 auf Befehl des Kriegsamtes die meisten Bronzeglocken im Kreis für die Rüstungsindustrie beschlagnahmt wurden, blieb die in Ahnsbeck wegen ihres Altertumswertes unangetastet.
Dass die Kapelle älter als die Glocke ist, wird vermutet. Der geschnitzte Holzaltar eines unbekannten Meisters stammt aus vorreformatorischer Zeit um 1500 und zeigt die Beweinung Christi. Ebenso alt sind wohl die Figuren der drei Dorfheiligen Anna, Antonius und Barbara, die 1928 auf dem Dachboden wiederentdeckt wurden. Die Deckenmalerei stammt von 1750. Im Jahre 1711 war die Kapelle von Grund auf renoviert worden, worauf die Inschrift über der Eingangstür hinweist.

Kapellentür

Kapellentür

Mitten auf dem mittels Steinmauer eingefassten Vorhof steht der Heldengedenkstein für die im Ersten Weltkrieg recht zahlreich gefallenen Ahnsbecker. Für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs wurden später rundherum Gedenkplatten mit Namen und Todesdaten aufgestellt.
Der Rundweg folgt der Kapellenstraße nach rechts, bis wir nach gut 100 m auf der rechten Seite unter den Bäumen das nächste historische Kleinod Ahnsbecks erleben – das Backhaus von 1764.

Historisches Backhaus Ahnsbeck

Historisches Backhaus Ahnsbeck

Es wurde vom ursprünglichen Standort auf dem Vollhof Meinecke hierher, auf den ehemaligen Schulhof versetzt. Seitdem veranstaltet der Verein „Dat ole Backhus“ hier regelmäßig Backtage und fördert neben der Geselligkeit und Dorfgemeinschaft die Heimat- und Denkmalpflege.
Historisches Backhaus Ahnsbeck, Dreimal im Jahr Backtag, Ansprechpartner: Klaus-Dieter Hanke (auch für Kapelle) Tel. 0 51 45 / 83 00

Der Rundweg folgt der Straße Talgarten nach links weiter in Richtung Helmerkamp.

Kirchweg von Helmerkamp

Kirch- und Totenweg Helmerkamp

Kirch- und Totenweg Helmerkamp

Der Weg stellt von alters her die Verbindung zum Nachbarort Helmerkamp dar. Ahnsbeck und Helmerkamp bildeten die Kapellengemeinde als Teil der Kirchengemeinde Beedenbostel. Die Toten des Kirchspiels wurden in Beedenbostel beerdigt, während Gottesdienste und Katechismuslehre (Schulunterricht) in der näheren Kapelle gehalten wurden.
Erste Ausnahme der zentralen Bestattungen in Beedenbostel wurde 1847 die Kapellengemeinde Ahnsbeck mit der Anlage eines eigenen Friedhofes. Auch die Helmerkämper hatten nun einen kürzeren Weg, um ihre Verstorbenen beerdigen zu können. Der Kirchweg nach Ahnsbeck trägt bei den älteren Bewohnern darum immer noch den Namen Totenweg.
Helmerkamp wurde im Dezember 1908 aus der Kapellengemeinde Ahnsbeck in die Kirchengemeinde Hohne umgepfarrt, so dass die Toten von da an auf dem Hohner Friedhof zur letzten Ruhe gebettet wurden. Der Kapellengemeinde musste der Kirchensteuerausfall allerdings zehn Jahre lang ersetzt und dem Kapellenküster der Ausfall an Beerdigungsgebühren in Höhe von 1,75 Mark pro Leiche für den Rest seiner Amtsdauer erstattet werden. Einen eigenen Friedhof legten sich die Helmerkämper 1937 an.

Giesen Immbusch

Relikt einer umwallten Immenstelle im "Giesen Immbusch"

Relikt einer umwallten Immenstelle im “Giesen Immbusch”

Etwa einen halben Kilometer hinter Ahnsbeck stoßen wir auf der rechten Seite, hinter einer neuen Heidelbeerplantage, auf ein kleines Wäldchen. Sein Name weist auf eine alte Einnahmequelle der Bauern im Schmarloh hin, die Imkerei.
Unter den Bäumen und nahe dem Weg ist noch ein alter Erdwall zu erkennen, der den Giesen Immbusch klar von der Allmende abtrennte und den Arbeitsbereich des Imkers markierte. Der Erdwall ist allerdings nur noch in Teilen erhalten. Die umfangreichen Kultivierungsmaßnahmen des 19. Jahrhunderts haben auch die Voraussetzungen für die Imkerei geändert, so dass sich hier heute keine Bienenvölker mehr finden. Der alte Flurname weist aber glücklicherweise noch auf die alte Nutzung hin.

Vollhof Knoop

Alter Vollhof Knoop in Helmerkamp

Alter Vollhof Knoop in Helmerkamp

Wir erreichen Helmerkamp auf dem Totenweg und biegen rechts ab. Der erste Hof, den wir sehen, der Knoop’sche Vollhof, geht wohl auf den Ursprungshof des Ortes zurück. Im Schatzregister der Großvogtei Celle von 1438 wird als einziger Hof der von „Henneke tome Helmerkampe“ genannt. Ein zweiter Hof wird erst 1589 erwähnt und dürfte aus der Teilung des erstgenannten hervorgegangen sein. Das heutige Wohnhaus wurde 1872 neu erbaut. Die Wirtschaftsgebäude stammen aus der Zeit nach 1900. Das älteste Gebäude des Knoop’schen Hofes ist der alte Schafstall, der vermutlich über 350 Jahre alt ist.

Denkmalgeschützter Schafstall

Denkmalgeschützter Schafstall

Das denkmalgeschützte Gebäude ist, bei einem kleinen Abstecher vom eigentlichen Rundweg, von der Straße aus zu sehen, schräg gegenüber der neuen Biogasanlage.

Ehemalige Dorfschule von Helmerkamp

Ehemalige Dorfschule von Helmerkamp

Wir folgen der Straße Haßloh zur Hauptstraße und biegen auf dem Fahrradweg nach links in den Ort ab. An der nächsten Kreuzung sehen wir rechter Hand das alte Schulhaus des Ortes. Es wurde 1808 gebaut und diente dem Unterricht der Helmerkämper Kinder. Wegen steigender Schülerzahlen wurde um 1910 der noch zu sehende Anbau ausgeführt. Doch auch diese kleine Volksschule wurde geschlossen. Seit Dezember 1965 werden die Grundschulpflichtigen mit dem Bus nach Hohne gefahren, während die weiterführenden Schulen in Lachendorf zu finden sind. Das alte Schulhaus konnte glücklicherweise erhalten werden und dient heute als privates Wohnhaus.

Diese fast 400 Jahre alte Eiche ist ein geschütztes Naturdenkmal

Diese fast 400 Jahre alte Eiche ist ein geschütztes Naturdenkmal

Nahe der alten Schule (im Garten des Hauses Hauptstraße 5) steht der wohl älteste Baum im Landkreis Celle. Die alte Eiche ist letztes Überbleibsel einer Gruppe, die auf alten Postkarten bereits als Bäume aus der Zeit Karls des Großen bezeichnet wurden. Auf Grund ihres augenscheinlich hohen Alters steht die Eiche unter Naturdenkmalschutz.
Wir überqueren die Hauptstraße und entdecken unter den Eichen das Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege. Erst am 26. Juli 1931 konnte die Gedenkstelle für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges hier eingerichtet werden, da vorher Uneinigkeit über einen geeigneten Platz herrschte. Auch den Gefallenen des Zweiten Weltkrieges wurden hier später Gedenksteine gesetzt.

Altes Forsthaus

Altes Forsthaus Helmerkamp - heute privates Wohnhaus

Altes Forsthaus Helmerkamp – heute privates Wohnhaus

Die wahre Besonderheit des kleinen Ortes Helmerkamp findet sich unter den hohen Eichen hinter dem Denkmal. Das große Haus ist das alte Forsthaus des Ortes. Es dürfte nach dem Dreißigjährigen Krieg, in der Regierungszeit von Herzog Christian Ludwig, gebaut worden sein. Die älteste Erwähnung stammt von 1662. Der Herzog brach von hier aus nachweislich zu Jagden in der Umgebung auf und unterhielt einen Forstknecht. Auch in der Folgezeit betreute von hier aus ein Förster die herrschaftlichen Wälder. Mit der Annektion Hannovers durch Preußen kam es auch im Forstwesen zu Änderungen und so wurde das Haus 1867 Sitz der Königlichen Oberförsterei Helmerkamp in der Provinz Hannover. Dazu gehörten seinerzeit die Schutzbezirke Hohne (mit Gräfenhorst, Hengstbeck, Rohrbruch, Horst und Schmarloh) und Langlingen (Müsse, Harzhorn und Schlinghau). Im selben Jahr kam auch noch der Schutzbezirk Sprache mit dem Finkenherd und ab 1870 auch das Neustädter Holz westlich von Celle dazu.

Zeichnung des alten Forsthauses in Helmerkamp

Zeichnung des alten Forsthauses in Helmerkamp

Am 1. Mai 1909 wurde die Oberförsterei Helmerkamp wieder aufgelöst und nach Celle verlegt. Das alte Forsthaus wurde von nun an als Dienstwohnung für die Revierförsterei genutzt.
Schließlich wurde 1982 das neue Forsthaus im Herdkamp Nummer 42 gebaut und das alte Forsthaus kam in private Hände.
Wir folgen der Straße An den Buchen und verlassen den Ort nach Norden. Der große Wald, den wir rechts sehen, war ursprünglich wohl das Hauptbetätigungsfeld des Försters. Es handelt sich um die Forst Gräfenhorst, die ihren Namen vom alten Namen des Dachses (Greving) ableitet. Bereits für 1780 ist belegt, dass in diesem ehemals herrschaftlichen Wald niemand Holz schlagen oder Tiere hüten und mästen durfte. Zu diesem Zweck war der Wald bereits damals mit einem Graben umgeben.

 

Umwallung der Forst Gräfenhorst

Umwallung der Forst Gräfenhorst

Umwallung Gräfenhorst

Um den Erdwall und Grenzgraben zu sehen, verlassen wir Helmerkamp über die Straße An den Buchen, fahren bis zum Alten Celler Weg, der vor dem Bau der heutigen L284 die Hauptverbindung nach Celle darstellte, und biegen nach rechts in Richtung Hohne.
Hinter der Kurve verlassen wir den Rundweg kurz und folgen dem Weg am Feldrand etwa 130 m nach rechts bis zur Umwallung der Gräfenhorst. Die Umwallung ist nicht mehr komplett erhalten, in diesem Bereich aber noch wunderbar ausgeprägt. Vom Förster um 1900 ist übrigens überliefert, dass er den Wall von seinen Forstknechten stets sauber halten ließ, da er ihn als Pirschgang nutzte und dabei auf keinen Zweig treten wollte, der verräterisch knacken konnte.

Immenstelle an Hunebornsmoorgraben

Wall der alten Immenstelle am Hunebornsmoor-Graben

Wall der alten Immenstelle am Hunebornsmoor-Graben

Wieder auf dem Rundweg, bietet sich nach knapp 350 m ein weiterer kleiner Abstecher in den Wald an. Diesmal empfiehlt es sich, dem Trampelpfad am Graben entlang nach links zu folgen. Nach etwa 300 m sehen wir jenseitig des Hunebornsmoorgrabens, der seinen Namen davon ableitet, dass der Celler Herzog hier seine Jagdhunde getränkt haben soll, ein weiteres Bienengehege. Der Erdwall ist noch gut erhalten, wenn auch vegetationsbedingt etwas schwer zu entdecken und wurde bereits in Landkarten des 18. Jahrhunderts verzeichnet.
Hier am Rande des Schmarloh waren solche umwallten Immenstellen recht häufig, den Landschaftswandel der letzten 150 Jahre haben aber die wenigsten überdauert.
Wieder auf dem Rundweg, fahren wir weiter Richtung Hohne, biegen aber weit vor dem Ort nach links ab und folgen dem hier nicht mehr asphaltierten Weg weiter. Am Ende stoßen wir auf den Immentunweg, der ebenfalls an die vergangene Zeit der Imkerei und genauer an die an Bremers Kamp aufgestellten Bienenzäune erinnert.

 

Hohner "Museum"

Hohner “Museum”

Hohner „Museum“

Der Busch auf der rechten Seite, wo große Haufen von Lesesteinen liegen, wurde in der Zeit vor der kommunalen Müllentsorgung als Müllplatz genutzt. Später mit Erde überdeckt, war er zwar nicht mehr zu bewirtschaften, immer wieder stießen aber vor allem die Hohner Jugendlichen auf den verbuddelten Schrott, was dem Ort den eigentümlichen Namen „Museum“ einbrachte.
Hinter dem „Museum“ biegen wir rechts ab, um dann auf der Hohnhorster Straße (L283) nach links weiterzufahren. Etwa 300 m weiter biegen wir nach rechts auf den Wirtschaftsweg ab.

 

Erste fündige Bohrung 1950 in Hohne

Erste fündige Bohrung 1950 in Hohne

Gewinnung Hohne 1

Am Ende des Weges biegen wir nach links ab. Auf der Ecke wurde in Erinnerung an die Hohner Erdölzeit ein Gedenkstein gesetzt. Er steht an der Stelle, wo 1951 die erste fündige Erdölbohrung niedergebracht wurde. Rund 230 000 Tonnen Rohöl wurden bis 1998 allein hier gefördert. Lange Zeit gehörten die Bohrtürme und später die Förderpumpen (Pferdekopfpumpen) zum gewohnten Bild. Die Erlöse kamen nicht einzig den Konzernen und Landbesitzern zugute, sondern schlugen sich auch in einer verbesserten Infrastruktur nieder. Im Zuge des Betriebsstättenbaus in Hohne wurden zahlreiche Wege befestigt und ausgebaut sowie auch das Waldschwimmbad und das Kasino angelegt. Das Hohner Ölfeld gab insgesamt rund 26 Millionen Tonnen Erdöl her und gehörte damit zu den bedeutendsten inländischen Fördergebieten. Mit Rückgang der Fördermengen wurde die Erdölförderung schrittweise zurückgefahren und die Betriebsstätte 2002 vor Ort aufgelöst und nach Völkersen im Landkreis Verden verlegt. Eine Suche nach Erdgas im Jahr 2001 war leider erfolglos. Damit endete die Ära des Erdöls in Hohne und heute erinnern nur noch der Gedenkstein und das kleine Energiemuseum in Spechtshorn an rund 50 Jahre Erdölförderung am Rande des Schmarloh.

Gedenkstein Erdölföderung in Hohne

Gedenkstein Erdölföderung in Hohne

Weiter in Richtung Nordwesten biegen wir auf den ersten Feldweg nach rechts ab. In dem kleinen Wäldchen auf der linken Seite des Weges hat wiederum eine alte Bienenstelle aus Heidezeiten den Kulturlandschaftswandel überdauert. Der Wall ist aber nur noch zum Teil zu sehen, darum radeln wir weiter bis zum asphaltierten Wirtschaftsweg und folgen diesem nach links.

Weg zum Paul Vogts Moor

Weg zum Paul Vogts Moor

Paul Vogts Moor

Nach gut zwei Kilometern passieren wir auf der linken Seite ein Wäldchen, in dem sich, von der Straße aus kaum zu sehen, ein kleiner See befindet. Es handelt sich um Paul Vogts Moor – auch kurz Torfmoor genannt. Hier wurde der begehrte Torf im großen Stil abgebaut und hinterließ eine große Kuhle, die mit Wasser volllief. In der Winterzeit vergnügen sich hier viele der umliegenden Dörfer beim Schlittschuhlaufen, auch wenn es immer ein wenig Nervenkitzel mit sich bringt, denn niemand weiß so recht, wie tief das Torfmoor wirklich ist.

Ehemaliges Torfmoor

Ehemaliges Torfmoor

Vom Torfmoor aus folgen wir dem Weg weiter und biegen nach etwa einem Kilometer nach links ab. Noch mal einen guten Kilometer weiter entdecken wir eine Schutzhütte mit einigen Findlingen davor.

Flüsternde Steine

Im Rahmen des Projektes Magische Orte hat sich Hans Gierschik zu einer Klanginstallation im Schmarloh inspirieren lassen. Hintergrund der Installation ist eine in den Dörfern rund um den Schmarloh erzählte Sage, welche die unheimliche Einsamkeit des Schmarloh zum Thema hat.
Demnach hat der Schäfer Jasper im Schmarloh aus Habgier einem Bandmacher aufgelauert, bei dem er Geld vermutete, und ihn erschlagen. Nachdem er ihn ausgeplündert hatte, verscharrte er die Leiche in der Heide. Doch seine Mordtat ließ ihm nachts keine Ruhe, weil er befürchtete, der Tote könnte entdeckt werden. So lud er ihn auf eine Karre und versteckte ihn andernorts. Doch Ruhe fand er immer noch nicht und so wechselte er auch in den folgenden Nächten das Versteck. Zuletzt soll er den Erschlagenen unter einem großen Wacholderbusch vergraben haben und seine Beute gleich dazu, um endlich wieder Frieden zu finden. Doch noch heute muss er der Sage nach in so manch unheimlicher Nacht seine Schubkarre mit dem toten Bandmacher darauf durch den Schmarloh schieben. Wer aber das Quietschen seiner Karre hört, der sollte schleunigst zusehen, dass er nach Hause kommt, denn dann heißt es bei den alten Leuten: „Jasper slüt den Schmalloh tau“, was bedeutet, dass man Gefahr läuft, nicht mehr aus der Einsamkeit des Schmarloh herauszufinden.

Flüsternde Steine mit Schutzhütte

Flüsternde Steine mit Schutzhütte

Die Schutzhütte lädt vor Ort zu einer Rast ein. Aus in sieben Findlingen montierten Lautsprechern ist Jaspers Geschichte zu hören. Ein Bewegungsmelder an einem Mast startet das Hörerlebnis.
Im Wäldchen südlich der Flüsternden Steine sind übrigens noch die Reste des Bunkenburger Torfstichs zu sehen.
Die charakteristischen langen Kuhlen sind allerdings nur bei geeigneter Witterung halbwegs zu erkennen, wenn sie mit Wasser vollgelaufen sind.
Der Rundweg überquert die L283 und führt weiter in Richtung Bunkenburg. Vor dem Ort ist linker Hand mitten auf dem Acker ein Wäldchen zu sehen, das ein weiteres Überbleibsel der alten Landschaftsverhältnisse markiert.

Hellmoor

Hellmoor inmitten der Äcker

Hellmoor inmitten der Äcker

Das Hellmoor war ein feuchter Ort, der sich einer Bewirtschaftung entzog. Auch die Torfqualität war nicht besonders, da es sich um ein recht junges und flaches Moor handelte. Erst in den Notzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier Torf gebacken, d.h. der Torfmatsch wurde aufwendig gepresst. Für die Bewirtschaftung eignete sich der Ort aber auch danach nicht, so dass er sich selbst überlassen und zum heutigen Busch inmitten der Äcker wurde. Die Spuren des Torfabbaus lassen sich im Wäldchen heute nur noch erahnen.

Aufsiedlung Bunkenburg

Gedenkstein für 100 Jahre Aufsiedlung von Bunkenburg

Gedenkstein für 100 Jahre Aufsiedlung von Bunkenburg

Bunkenburgs älteste urkundliche Erwähnung liegt in Form einer Urkunde von 1353 vor. Zwei Höfe verkaufte ein Ritter Pickard damals an den Herzog von Braunschweig-Lüneburg. Diese beiden Höfe, Bunkenburgs Hof (Bunkenburger Str.16) und Wulffs Hof (Kampstr.5) blieben lange allein. Bis 1900 kamen lediglich vier Brinksitzer (Kleinbauern) dazu. Doch 1908 wurde einer der großen Höfe verkauft und in 20 Parzellen aufgeteilt, die an Rentengutsiedler weitergegeben wurden. Die Bevölkerung wuchs dadurch sprunghaft an. Auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges ließen sich einige Familien in Bunkenburg nieder, um sich etwas Neues aufzubauen.
Bunkenburg hat sich dadurch vom ursprünglichen Weiler zur ländlichen Wohnsiedlung gewandelt. An die Zeit der gezielten Aufsiedlung erinnert im Ort ein Gedenkstein. Er steht etwas abseits vom Rundweg an der Ecke Kampstraße und Am Kiebitzmoor.
Wir verlassen Bunkenburg über die Straße Im Söhren. Nach etwa zwei Kilometern biegen wir den zweiten Weg nach rechts ab.

Ziegelkuhlen

Holzbank am Wegesrand vor Ahnsbeck

Holzbank am Wegesrand vor Ahnsbeck

Etwa hinter dem Wäldchen linker Hand befanden sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts einige tiefe Kuhlen. Sie waren durch den Lehmabbau einer längst untergegangenen Ziegelei entstanden. Von hier stammten die Steine für den Bau der Kapelle in Ahnsbeck. In den 1930er Jahren wurden die Flächen kultiviert, so dass wir keine Spuren mehr davon entdecken können.
Eine Holzbank lädt zu einer letzten Rast ein, bevor wir weiter nach Ahnsbeck und durch den Sackwinkel an Ahnsbecks alten Höfen vorbei zu unserem Ausgangsort zurückfahren.

Einer von Ahnsbecks alten Höfen

Einer von Ahnsbecks alten Höfen

 

Text und Fotos: Florian Friedrich

 

 

 

 

Cover der Radwanderbroschüren

Cover der Radwanderbroschüren

Dieser Rundweg ist auch in gedruckter Version erhältlich. Mit sechs weiteren Rundwegen wurde er 2012 unter dem Titel: “Radwandern auf kulturhistorischer Spurensuche in der Leaderregion Lachte-Lutter-Lüß” zu einer Broschürensammlung zusammengefasst. Gegen eine Schutzgebühr von 1,50 € ist die Sammlung noch in den Rathäusern in Lachendorf und Eschede erhältlich. Zum kostenlosen Download auf das nebenstehende Cover der Broschürensammlung klicken.

Themen:
Radfahren

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