Oskar Ansull, Schriftsteller

Autor:
Meggie Hönig

Oskar Ansulls wunderbare Liebe zu Celle

von Meggie Hönig

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Celle sei „ ein richtiges Nest”, schreibt Oskar Ansull für LANDLUFT, Ausgabe 2. Ja, ein Nest, heute aber nicht mehr im negativen Sinn, sondern durchaus mit Wohlfühlfaktor. „Es vermittelt Geborgenheit … Man kann im Cellerland gut leben.“ Und, in dem er sich auf Fritz Reuters Leben im Paradies bezieht: „Ach, ehe ich es vergesse: Viele ahnten es bereits, ohne es allerdings zu wissen, nämlich dass der Landkreis Celle ein direkter Ausläufer des von Gott und seinen Engeln geschaffenen Paradieses ist. Ja!“ (O. A., Himmel welch ein Land!, S.10)

Oskar Ansull heißt eigentlich Uwe Hartmann, und sicher erinnern sich noch einige Celler, die ihn als Kind und Jugendlichen in Westercelle begleitet haben, unter diesem Namen an ihn. Als Oskar Ansull hat er Celle längst den Rücken gekehrt, allerdings nur, was seinen Wohnsitz angeht. Weil Celle eben ein bisschen paradiesisch ist, lässt ihn Celle nicht los, und so spürt er – unter anderem – der Literatur der Stadt Celle und des Landkreise nach, sichtet, sammelt, dokumentiert und stellt fest, dass hier literarisch schon seit mehr als 700 Jahren doch „eine ganze Menge los“ sei. Nach vielen „Wanderjahren quer durch Deutschland lebt er heute in Berlin und betrachtet Celle nun aus unterschiedlichen Perspektiven. Da war seine Kindheit in Westercelle mit Kindergarten, Kinderlandverschickung, Schule, Konfirmation und Buchhändlerlehre. Dann das frühe Verlassen seiner Heimatstadt, weil die Enge ihn in die Ferne trieb. Ein schmerzhafter Blick dann bereits aus Distanz auf die „braune Zeit” des Celler Landes. Und schließlich, heute, als Wiederannäherung und mit ein bisschen Sehnsucht nach, ja sagen wir doch einfach nach der nur in der Heimat zu findenden Geborgenheit.

Und was ist Oskar Ansull nun? Autor, Lyriker, Herausgeber, Rezitator und Übersetzer? Er passt in keine Schublade, er ist alles – und, eine persönliche Bemerkung sei erlaubt, ich liebe es am meisten, wenn er seine eigenen Gedichte vorliest. Bescheiden und doch der Wirkung seiner Zeilen sicher. Eine „Liebeserklärung an ein Stück Westerceller Geschichte” nennt er seine „Gedichte über Oma Möcker und mich“ (Erstausgabe 2005).

Weit über die Straße lockten
Omas Puffer, auf dem Tisch
im Vorbau türmten sich die grünbraunen,
fettglänzenden Scheiben

Oma, wann machst denn mal wieder Puffer?
de machste wohl, wat, lachte sie
und versprach: Bald.
(einige Zeilen aus: Kartoffelpuffer)

Oma Möcker gab es wirklich. Sie „war eine Westercellerin, als es das Dorf Westercelle noch gab. … Hier regierte Frau Möcker, geborene Füllberg, über Haus, Hof und Garten in der Eichbornstraße 1.” (O. A.) Sie war nicht die leibliche Oma von Oskar Ansull, er hat sie sich einfach selbst ausgesucht. Später, im Sommer 1957, zog seine Familie zu Oma Möcker und wohnte dort, in der Nachkriegszeit nicht unüblich, mit vielen anderen Mietern zusammen. Es waren für Ansulls Entwicklung wichtige und bestimmende Jahre, auf dem Weg vom Kindsein zum Erwachsenwerden.

Erst kürzlich hatten wir Celler die Möglichkeit, Oskar Ansull zu erleben. Am 28. September wurde im Celler Schloss das Buch „Die Baracke der Dichter. Carlo Emilio Gadda und Bonaventura Tecchi im Celle-Lager 1918“ vorgestellt, im Beisein von Autor und Herausgeber Ansull. Am 11. Oktober lud die Celler Synagoge mit „Brooklyn oder ein Jude geht nach Amerika“ zu einer literarisch-musikalischen Reise von der Alten in die Neue Welt ein, mit Texten von Joseph Roth und Hermann Grab, vorgelesen von Oskar Ansull, und mit Musik zwischen Klezmer und Klassik, gespielt vom Trio Oyftref.

Verpasst? Ab jetzt erfahren Sie rechtzeitig, wann und wo Oskar Ansull seiner Sehnsucht nach Celle wieder einmal nachgibt.

So hat man zu Beginn des Jahres gleich dreimal die Gelegenheit, Oskar Ansull persönlich zu begegnen. Er stellt nämlich seines neues Buch vor, „Im Arm der Liebe“, eine Biographie des Celler Dichters Hermann Wilhelm Franz Uelzen, der von 1759 bis 1808 lebte und nach einer Tätigkeit als Hauslehrer und als Korrektor der Celler Lateinschule als Pastor von Langlingen bekannt wurde. Oskar Ansull fand in den handschriftlichen Aufzeichnungen Uelzens neben zwei Schülerreden auch etliche Gedichte und zeichnet in seinem neuen Buch ein lebendiges Bild des Menschen Uelzen, dessen Ansichten aus heutiger Sicht erstaunlich modern wirken.

Foto: privat

Aktueller Termin zum ”Tag des offenen Denkmals 2015”:

Bomann-Museum Celle, Schlossplatz
Sonntag, 13. September 2015, um 15:30 Uhr

Oskar Ansull hat sich schon im Januar 1988 öffentlich zu Fragen der Denkmalkultur in Celle zu Wort gemeldet. Inzwischen lebt er in Berlin und kehrt hin und wieder gern in seine Geburtsstadt zurück, in der ihm von Zeit zu Zeit etwas auffällt. Nach einem Vierteljahrhundert unternimmt er einen weiteren Versuch über Celler Denkmalkultur öffentlich nachzudenken und lädt ein, am Tag des offenen Denkmals, an seinen Überlegungen teilzunehmen und diese vielleicht ins Gespräch zu bringen.

Manches erfordert, wenn es sich denn umsetzen lässt, neben den notwendigen Debatten, sicherlich nicht nur flexibles Denken, sondern wahrscheinlich auch Unterstützung durch Sponsoren und Stiftungen und ganz bestimmt etwas Mut, um einige (Leer-)Stellen im Stadtbild erst, neu oder wieder zu besetzen, was sich vielleicht positiv auf Bewohner und Gäste der Stadt auswirken könnte.

 

 

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Kommentare

  • hallo Oskar schön dich hier zu treffen und viele Grüße aus Hamburg Altona tschüss Detlef

    Detlef Gerd Stechern 21. Dezember 2014 13:54 Antworten

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