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Leinen fest im Hafen von Celle

Autor:
Redaktion

Der Celler Hafen

Vom historischen Güterumschlaglatz zur Marina des 21. Jahrhunderts

ein Bericht von Cosima Bellersen Quirini, Fotos: Hubertus Blume, hist. Aufnahmen: Stadtarchiv Celle

Nach in deutschen Landen oft üblicher Manier hätte die Stadt eigentlich Allerfurt oder so ähnlich heißen müssen, schließlich schmiegt sie sich an den Fluss Aller, der sozusagen Stadtgründungsmitglied war. Aber der Lauf der Geschichte entschied den Namen Celle. Und über Jahrhunderte wurden im Celler Hafen maßgeblich die wirtschaftlichen Geschicke der Stadt mitgeprägt.

Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert von Herzog Otto dem Strengen nahe jener Stelle begründet, wo bis heute der Verkehr über den prägenden Wasserlauf braust, nämlich einer Furt, welche von Süd gen Norden und umgekehrt die Überquerung schon lange vor dem Brückenbau möglich machte. Die Furt wurde jedoch niemals im Stadtnamen erwähnt, stattdessen der mittelalterliche Ortsname Kellu, Stadt am Fluss, übernommen. So hieß noch der Vorgängerort, der etwas weiter südlich in Altencelle einst an einem Nebenarm der Aller gelegen hatte. Daraus wurde Tsellis, später Cellis, dann Zelle – woraus sich über die Zeit der Ortsname Celle heraus kristallisierte. Er gilt bis heute.

Doch egal, wie die Stadt heute nun heißen mag, die Aller bestimmte schon immer die Geschicke des Ortes und ist aus der Stadtgeschichte kaum weg zu denken. Seit Gründung spielt der Fluss eine zentrale Rolle in Sachen Verkehr und Gewerbe, Hygiene, Erholung und Freizeitgestaltung – auch wenn heutzutage der Schwerpunkt auf letzterem liegt.

Eine große Rolle gebührt dabei dem Celler Hafen, welcher von den hiesigen Seebären gern humorvoll als Überseehafen bezeichnet wird, weil er eben nun mal gern übersehen wird. „Tatsächlich wissen viele Bewohnerinnen der Stadt nicht einmal, dass es hier überhaupt einen Hafen gibt“, so der derzeitige Vorsitzende des Celler Yachtclubs Stefan Bewersdorff, „geschweige denn, wo er liegt!“

Lange Zeit war der Hafen Umschlagplatz für den Schiffsverkehr über Oker, Aller und Weser gewesen. Kaufleute von Bremen bis Braunschweig hatten detaillierte Verträge mit den Celler Herzögen (welche ordentliche Zölle erhoben) und später mit den Stadtvätern ausgehandelt, um den Transport sicherzustellen, da die Stromschnellen im Stadtgebiet der Aller stets ein Umladen erforderlich machten. Es wurden vielerlei Geschäfte gemacht, vor allem mit Korn, und so mancher Celler erwarb sich damals am Ufer des Flusses seinen Reichtum. Immer wieder kam der Schiffsverkehr jedoch im Laufe der Stadtgeschichte zum Erliegen, wie während der Franzosenzeit, als Schiffe und Kornspeicher niedergebrannt wurden.

Aber die Celler Kaufleute gaben nicht auf -1835 waren sechzig Schiffe auf der Aller unterwegs. Mit der Industrialisierung indes begann eine neue Zeitrechnung. Es sollte noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts dauern, bis tatsächlich ein festes Hafenbecken erbaut wurde. Denn als um 1900 die Geschäfte sich mehr und mehr auf Straßen und Schienen verlagerten und das Transportaufkommen im Celler Hafen erneut zurückging, hatte der Isolierwarenfabrikant Albert Haacke, dessen Fabrik direkt an der Aller lag, eine gute Idee. Dieser hatte bereits 1898 die Celler Schleppschiffahrtsgesellschaft gegründet, welche mit vier Schleppdampfern und beinah dreißig Kähnen auf der Aller fuhr. Was lag da für ihn näher, als die Befestigung des Celler Hafens zu initiieren? 1902 wurde mit finanzieller Unterstützung der Hapag Lloyd in Bremen mit dem Ausbau begonnen, 1904 der Hafenbau fertig gestellt, 1906 erfolgte eine Erweiterung bis Gleisanschluss zum Celler Bahnhof und damit an das Schienensystem der Osthannoverschen Eisenbahn. Die Kaimauer maß 350 Meter, die Wasserfläche bestand aus knapp 11.000 Quadratmetern, die Höchstumschlagsmenge im Jahr 1912 betrug über 125.000 Tonnen Waren, vor allem Petroleum, Getreide, Sand und Steine.

Doch die Inflation machte der Schifffahrt auf der Aller beinah den Garaus, unzählige Schiffe mussten verkauft werden, einzig der Fischer Nölke betrieb noch Personenbeförderungsschiffe. Als nach Ende des Ersten Weltkrieges der Mittellandkanal seiner Bestimmung als Transportweg übergeben wurde, begann der Untergang des Celler Hafens, der Weg in die wirtschaftlich betrachtet fast völlige Bedeutungslosigkeit war nicht mehr aufzuhalten. Wohl erlebte der Hafen in den Fünfziger Jahren noch mal eine Renaissance, doch 1967 war schließlich das letzte Frachtschiff auf der Aller unterwegs. Nun drohte der Zerfall des Hafenbeckens. Man begann mit der Zuschüttung und eine jahrhundertealte Tradition in Celle drohte zu verschwinden. Es ist dem engagierten Celler Unternehmer Alfred Drews zu verdanken, dass nur etwa die Hälfte des Hafens unter Schutt und Sand verschwand, der Rest ist die heutige Hafenanlage.

Flussabwärts in die Aller, ein Naturfluss, dessen Wasserstand vom Niederschlag abhängig ist, heute als Binnenschifffahrtsstraße erster Ordnung des Bundes klassifiziert. Vier Schleusen in Oldau, Bannetze, Marklendorf und Hademstorf und aus besseren Zeiten, als die Berufsschifffahrt noch in vollem Gange war, sorgen auch heute noch für einen ausreichenden Wasserpegel – Boote mit Tiefgang über achtzig Zentimeter haben es schwer, auf der Aller voranzukommen. „Der Wasserstand der Aller wird zunehmend niedriger“, sagt „Kuddel“ Kurt Effenberg, ursprünglich Marineflieger und Mitbegründer des Celler Yachtclubs. „ Zukunftstrend sind daher trailerbare Boote, welche mühelos umgesetzt werden können.“

Doch die Schleusen sind alt und sanierungsbedürftig und keiner der Zuständigen fühlt sich dafür so richtig verantwortlich, die notwenigen Mittel von etwa 24 Millionen Euro dafür zur Verfügung zu stellen. Was zur Folge hat, dass auf höherer Eben gerade darüber nachgedacht wird, ob die Aller nicht besser renaturiert werden sollte – dies wäre dann wohl das Aus für den Motorbootverkehr im Celler Hafen – und für Celle eine touristische Katastrophe.

Dieser wird heute indes fast nur noch touristisch genutzt und gehört den privaten Bootsbesitzern, den Linien – und Ausflugsschiffen, die bereits in den frühen Zwanziger Jahren auf der Aller hin und her schipperten und seit den Siebziger Jahren einen Hauptliniendienst anbieten, der eine zeitlang sogar im Kursbuch der deutschen Bundesbahn aufgeführt war. Die „Augusta“, die „Rattenfänger“ oder die „Forelle“ waren nur einige von ihnen. Es folgten die „Allernixen“ I bis III, eine von ihnen havarierte 1974 angeblich, weil die Gäste sich sämtlich auf der Backbordseite befanden. Bald kamen die „Niedersachsen“ und „MS. Wappen von Celle“ hinzu. Kapitän der „MS. Wappen von Celle“ ist seit 1999 der Berliner Udo Kosch. Er übernahm das Schiff damals vom heutigen Hafenmeister Fritz Bornemann. Kosch besitzt das große Patent und darf alle Schiffe im Binnenwasserbereich navigieren.

Von Mitte April bis Mitte Oktober sonntags, dienstags, mittwochs und donnerstags um 13 Uhr fährt er ab Hafen Celle über Boye, Stedden, Oldau und Winsen bis zur Schleuse in Bannetze. Eine Fahrt dauert gut drei Stunden. „Entdecken Sie dabei das Celler Land mal von der Wasserseite und beobachten mit etwas Glück Wildpferde und Heckrinder auf der Hornbosteler Hutweide “,schlägt Kosch vergnügt vor, „auch mal eine Kuh mitten auf der Weide beim Kalben zu sehen, ist auf der Fahrt keine Seltenheit.“

Neben der Fahrgastschifffahrt ist der Hafen in fester Hand des 1972 gegründeten Celler Yachtclubs (um die 150 Mitglieder inklusive Jugendclub). Dank der zentralen Lage wird er immer wieder von Yachtschiffern aus anderen europäischen Ländern wie Belgien oder Holland anvisiert – ein idealer Ausgangspunkt für die Erkundung der Stadt. Zudem hat das DLRG Celle hier seinen Sitz. 2014 brannten, verursacht durch Brandstiftung, Hallen und Unterkünfte ab. Fahrzeuge und Boote sowie die gelagerten Ausrüstungsgegenstände wurden ebenso zum Raub der Flammen, wie benachbarte Gebäude des Celler Yacht-Clubs, unter anderem jenes, in dem die Jugendboote gelagert waren, mit denen sich die Youngsters bereits zweimal den Titel bei den Weltmeisterschaften im Schlauchbootfahren gesichert hatten. Neustes Mitglied der Hafenfamilie ist die „ms loretta“, dessen Betreiber, Arnold Wachtenberg, das fest vertäute Schiff als ein für Celle sehr bereicherndes Kulturangebot führt. Musikaufführungen, Lesungen, Theaterspiel alles ist im Angebot.

Auch die Celler Schiffahrts-Union, welche noch heute die Umschlagrechte innehält, ist im Hafen angesiedelt. Angler sind im Hafen aktiv und fischen nach Rotaugen, Barschen, Hecht und Zander. Der Celler Hafen also lebt – und es geht – noch – weiter.

Die Stadtobersten haben den Rohdiamanten „Allerinsel“ zur Chefsache erklärt und sind gerade dabei, diesen zu einem besonderen Juwel zu schleifen. Einige Millionen Euro hat das Land Niedersachen für den Ausbau des Hafens inklusive Hochwasserschutzmaßnahmen investiert und die ersten Früchte sind bereits sichtbar, wie etwa die neue Gemeinbedarfseinrichtung, Heimatstatt mehrerer Vereine. Die „Neueröffnung“ des Celler Hafen wurde im Mai 2016 mit einem großen Fest gefeiert, bei dem der Berliner Lichtkünstler Philipp Geist „lichter hafen“ präsentierte – eine Lichtkunstinstallation aus vielen Farben, Tönen und Wörtern.

Für die weitere Bebauung der drei großen Grundstücke rund um den Hafen  – die Stadt Celle ist in Sachen Bauplanung recht optimistisch – sind nun die Architekten und Investoren gefragt, die Wohnhäuser, Werkshallen, Hotels, Geschäfte und Restaurants errichten sollen. Zwei der Planungssieger eines dazu ausgelobten Wettbewerbs kommen aus dem Landkreis – Hubertus von Bothmer und Christoph Jeßnitz, die sich mit ihrem gemeinsamen Entwurf gegen neun weitere Mitbewerber durchgesetzt haben. Mit der notwendigen Zeit für die Ausführungsplanung und die Ausschreibungen gibt es eine Chance, dass 2017 bereits gebaut wird, so Hubertus von Bothmer. Doch, so seine Einschätzung, realistischer ist wohl eher der Startschuss in 2018. Wann auch immer, die neue Marina soll eine innerstädtische Bereichung mit vielen attraktiven Angeboten werden. Die Mitglieder des Yachtclubs sind dabei übrigens auch gern an Bord – sie fänden es schön, wenn der Dornröschenschlaf des Hafens bald der Vergangenheit angehörte.

„Vor einiger Zeit haben wir gerade erst die Stege aus Bongossiholz, auch Eisenholz genannt, erneuert“, so Kuddel, dessen Ziegenbock Fietje als „erster Hafenmeister“ seinerzeit Skippergeschichte schrieb und in die Annalen des Hafens einging. Fietjes Hörner hatte Kuddel, da der Bootsführerschein zwingend eingeführt wurde, seinerzeit zum Erlernen von Back- und Steuerbord grün und rot angepinselt. Die Celler Seebären haben übrigens noch so manches zu erzählen, über die vereinseigene Hafenpostille beispielsweise oder dass einer von ihnen mal bis unter den Eiffelturm in Paris geschippert ist.

(C) Landluft-Celle.de, 2018

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Celle

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