Kunstmuseum – Sammlung Robert Simon

Autor:
Aneka Schult-Fietz

Kunstmuseum Celle  – das „Erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt“

Lichtkunstlabor für Kinder: Konzept lockt Jugend, Jugend lockt Eltern!

CELLE. „Mama, Papa, guckt mal, hier tanzen die Sterne!“ – Kinderaugen staunen, Kinderherzen begeistern sich für Kunst, locken sogar die Erwachsenen an, im Kunstmuseum Celle mit der Sammlung Robert Simon. Hier sind immer mehr Kinder auch als ehrenamtliche Museumsführer aktiv. Strahlend führen sie ihre Begleiter von Lichtkunstwerk zu Lichtkunstwerk und zeigen den Großen das „Erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt“.

Dieses in den vorangegangenen Jahren sehr erfolgreiche Kunst-Vermittlungskonzept lud junge Museumsgäste ein, in einem speziell für sie konzipierten „Lichtkunstlabor“, den Zauber der Lichtkunst zu erforschen. Bereits beim ersten Projekt verteilten sich auf über 100 geheimnisvollen Quadratmetern im Dachgeschoss des Museums sieben interaktive Experimentierstationen. Ob im glitzernden „Prismenwald“, in der bunten „Lichtdusche“, an der „Licht-Tret-Maschine“ oder im „Lichtaquarium im Zelt“ – an allen Stationen galt: jeder darf anfassen, ausprobieren, staunen. Und das taten die jungen Lichtkunstforscher voller Entdeckerdrang, ließen sich spielerisch ein auf tanzende Taschenlampen, glitzernde Sandkörner und Leuchtphänomene aller Art. Im Mittelpunkt dieser interaktiven Experimentierstationen steht immer die Frage: „Warum und wie machen Künstler mit Licht Kunst?“

Robert Simon, künstlerischer Leiter des Kunstmuseums Celle, setzt mit dem „Lichtkunstlabor“ für Kinder“ sein schon in 2008 begonnenes Engagement, junges Publikum an das Haus zu binden, fort. „Kinder sind unsere Museumsbesucher von morgen“, so Simon. Durch attraktive Mit-Mach-Angebote möchten wir ihnen die Hemmung vor dem Erstkontakt mit Kunst nehmen“. Dabei ist das „Lichtkunstlabor“ nur eines von vielen Angeboten, mit denen sich das Haus an junge Besucher aller Altersgruppen vom Kindergartenkind bis zum Jugendlichen richtet. Knetothek, Trickfilm-Workshop und die Lichtkunstwerkstatt „Glühende Würmer“ sind Beispiele für das in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaute Vermittlungsprogramm. Auch die Kooperation mit dem Landeswettbewerb „Jugend gestaltet“ gehört zum Konzept: So haben erst 2010 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren ihre prämierten Arbeiten im Kunstmuseum präsentiert, in einer professionell gestalteten Sonderausstellung.

Das Konzept ist ausgesprochen zukunftsorientiert – das „Lichtkunstlabor für Kinder“ geht mittlerweile in die vierte Runde. Die Zahlen sprechen für sich. Etwa 2500 Kinder besuchten die erste Aktion, schon im zweiten Durchlauf waren es über 4000. „Insgesamt experimentierten fast 10.000 Kinder und Jugendliche allein in den drei bisherigen Labors“, freut sich Simon. Besucher der übrigen Ferien- und Vermittlungsprogramme sowie der Kindergeburtstage wurden dabei nicht mitgezählt.

Sogar ein Lichtkunstbuch für Kinder, die erste museumspädagogische Publikation zu diesem Thema im deutschsprachigen Raum, erschien im Kunstmuseum Celle (20 €) – ein Buch zum Lesen, Spielen und Experimentieren mit Licht – und durch einen raffinierten Trick wird es im Handumdrehen selbst zum Leuchtobjekt.

Das „Erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt“ steht in Celle

Farbe, Bewegung, Schatten, Licht – von zahlreichen Künstlern des 20. Jahrhunderts werden diese Ausdrucksmittel eingesetzt. Ihnen näher zu kommen, ermöglichen die internationalen Lichtkunstwerke der Sammlung Robert Simon. Im ersten 24-Stunden-Kunstmuseum nimmt diese Kunstrichtung eine besondere Rolle ein. Abends, wenn das Museum schließt, schaltet sich an und hinter der Fassade internationale Lichtkunst ein und strahlt die ganze Nacht hindurch. Ein farbig-moderner Akzent und magischer Anziehungspunkt in dem Fachwerkstädtchen, in dem nachts die Lichter in den kleinen Stuben ausgehen und der Nachtwächter Besuchergruppen durch dunkle, pittoreske, einst herzogliche Gassen führt.

Das Konzept stammt vom hannoverschen Sammler, Galeristen und Museumsleiter Simon. Unter der Nummer 39854828 ließ er sich sein einzigartiges Museumskonzept 1998 beim Deutschen Marken- und Patentamt in München patentieren. 24-Stunden-Kunstmuseum heißt, dass es rund um die Uhr etwas zu entdecken gibt: tagsüber werden – ganz klassisch im Innenraum – Malerei, Grafik, Skulptur, Licht- und Objektkunst gezeigt. Nachts bietet das geschlossene Museum mit seiner gläsernen Fassade einen Spielort für internationale Lichtkunst mit eigener Regie. Da glüht ein Neon-Herz des Konzeptkünstlers Timm Ulrichs, blinkt eine aus 8.300 Leuchtdioden bestehende interaktive Quantenlandschaft des Lichtkünstlers Francesco Mariotti. Wer alles sehen will, kommt zweimal: am Tag und bei Nacht.

Die Sammlung von Simon, der sich für das Kunstmuseum als ehrenamtlicher Leiter engagiert, ist über drei Jahrzehnte gewachsen. Einer der Glanzpunkte ist der von ZERO-Künstler Otto Piene speziell für Celle gestaltete „Lichtraum“. Piene schuf auch den Leuchtfries „Zone Zero“ und das monumentale Skulpturenpaar „Feuerwerk für Celle“. Sie gehören neben Arbeiten von Brigitte Kowanz, Klaus Geldmacher, Vollrad Kutscher und Leonardo Mosso zu den Highlights des nächtlichen Lichtkunst-Parcours’ im Außenbereich des Museums. Das Haus besitzt zudem eine umfangreiche Kollektion an Multiples von Joseph Beuys. Darüber hinaus sind im Sammlungsbestand prominent vertreten: Dieter Krieg – der 2005 verstorbene Künstler, dem das Kunstmuseum in diesem Jahr (Juni bis Oktober) eine Jubiläums-Ausstellung widmet, besitzt es doch eine der größten Sammlungen des Malers –, Timm Ulrichs, Ben Willikens, Peter Basseler sowie Professoren und Absolventen von Niedersachsens einziger Kunsthochschule in Braunschweig, darunter Lienhard von Monkiewitsch, Roland Dörfler oder Hartmut Neumann. Ein weiterer Schwerpunkt und Sonderbereich ist die Neue Sachlichkeit der 20er Jahre mit Zeichnungen und Gemälden der Hannoveraner Künstler Erich Wegner und Grethe Jürgens. Über die Grenzen künstlerischer Strömungen, Gattungen und Disziplinen hinweg wird der sehenswerte Bestand der Sammlung fortlaufend in neue Richtungen vernetzt und ergänzt durch ein kontrastreiches Programm aus Sonderausstellungen, Kunstaktionen, Theaterevents, Vorträgen, Künstlergesprächen, Konzerten, Lesungen und Workshops.

Robert Simon – ein Mäzen ohne Millionen

Wenn Kunstsammler Museen gründen, steht im Hintergrund meist sehr viel Geld. Doch auch ohne Millionen-Vermögen kann privates Engagement für das Kunst- und Kulturleben einer Stadt wirkungsvoll und erfolgreich sein, wie das Beispiel Simon zeigt. Zeit, Energie und Ideen sind das Kapital, das Simon, der im vergangenen Jahr seinen 65. Geburtstag feierte, neben seiner umfangreichen Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst kontinuierlich in die Kooperation mit der Stadt Celle einbringt. 1995 begann diese Zusammenarbeit mit einem „Museum auf Zeit“. Daraus wurde ein aus Celle nicht mehr wegzudenkendes „Haus der Innovation“ mit dem Schwerpunkt „internationale Lichtkunst“ und dem Alleinstellungsmerkmal „Erstes 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt“.

Simon packte es einfach an: Wie schon als Gründer und Inhaber der Galerie Kö 24 in Hannover, der sich 1981 die Galerie zu seinem Geburtstag schenkte, und bei der Hannoverschen Skulpturenmeile, die er initiierte und allen Widerständen zum Trotz realisierte, erwies sich der Visionär auch in Celle als tatkräftiger Kultur-Unternehmer. Seit 15 Jahren kümmert er sich ehrenamtlich, mit vollem Einsatz um alle Bereiche der professionellen Museumsarbeit: von der Konzeption des Ausstellungsprogramms und des Museumsprofils über Drittmittel-Einwerbung, Öffentlichkeitsarbeit und Kunstvermittlung bis hin zur Gründung eines Freundeskreises. „Kunst ist für mich von Kindheit an eine ganz wichtige Quelle für Denkanstöße. Diese Energie weiterzugeben, besonders an Menschen, die noch keinen Kontakt zur Kunst hatten, ist mir seit langem ein Herzensanliegen. Mein Traum-Museum war nie ein Ehrfurcht gebietender Tempel für Kunst. Sondern ein Haus, das sich möglichst vielen Menschen öffnet, unabhängig von Alter, Bildung oder Geldbeutel“, erklärt der 1946 in Kassel geborene Betriebswirt, der seit dem 26. Lebensjahr in Führungspositionen der Wirtschaft gearbeitet hat. Also sprang er vom sicheren Posten ins kalte Wasser der hauptberuflichen Kunsttätigkeit und suchte gemeinsam mit seiner Frau Heide neue Herausforderungen: „Ich positionierte mich mit Kunst im öffentlichen Raum, suchte Städte als Partner und förderte Kunst als Bestandteil der Unternehmenskultur. Ich sehe mich nicht als Galerist, ich entwickele Konzepte.“

Mit seinem Rund-um-die-Uhr-Betrieb ohne zusätzliche Personalkosten hat er seinen Traum wahr werden lassen. Beim Spaziergang um das Gebäude kommen zufällige Passanten und gezielte Besucher kostenlos zu hochkarätigem Kunstgenuss, auch dank des Teams wissenschaftlicher, freier und ehrenamtlicher Mitarbeiter, die Simon mittlerweile tatkräftig unterstützen und das „Lichtkunstlabor für Kinder“ aus der Taufe hoben, mit dem sie Simons Vision des offenen Museums konsequent umsetzen. Und auch das angrenzende volkskundliche Bomann-Museum, 1907 erbaut, schleust den Besucher tagsüber über eine schummrige Bauernküche aus Uromas Tagen in die farb- und neongrelle Moderne hinein.

Längst hat Celle, dass sich anfangs gegen den Einbruch der Moderne in die verschlafene Fachwerkstadt wehrte, seine Perle schätzen und lieben gelernt. Auch überregional wird das Haus gelobt: die Medien überschlagen sich, Besucherzahlen steigen, der Freundeskreis wächst. Was kann sich Simon, der als Kind im Hotel des Onkels, in dem die Documenta-Künstler gastierten, schon Kunstluft schnupperte, da noch wünschen? „Ich möchte weitere Akzente in der Kunst setzten“, spricht der Gründer der Robert Simon Kunststiftung, Inhaber der Stadtplakette für besondere Verdienste um die Landeshauptstadt Hannover und die Ehrenmedaille der Stadt Celle, den „Celler Kunst-Bahnhof“ an. Er geht dem Entwickler von Kunstkonzepten einfach nicht aus, dieser ungehemmte Tatendrang.

Kontakt:

Kunstmuseum Celle

mit Sammlung Robert Simon

Schlossplatz 7

29221 Celle

www.kunst.celle.de

Di-So 10-17 Uhr (im Museum | Sammlung+Sonderausstellungen)

Täglich 17-10 Uhr (von außen | Internationale Lichtkunst)

Tel. 05141-12398

Buchtipp: „Lichtkunst für Kinder“

Mit vielen Fotos, Experimentierideen und großem Lichtkunst-Quiz

ISBN 978-3-925902-70-3

20 € (erhältlich im Kunstmuseum Celle)

 

Fotos: Hubertus Blume

Themen:
Celle · Museen · Regionales

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