Kunstmuseum Celle feiert mit „die kraft der idee“ den Celler Ehrenbürger Robert Simon

Autor:
Meggie Hönig

20 Jahre Sammlung Robert Simon

Fast übergroßer Andrang herrschte am vergangenen Sonntagabend in den Räumen des Kunstmuseums Celle mit Sammlung Robert Simon. So viele Besucher und – dem Anlass entsprechend – Ehrengäste sieht das Kunstmuseum sonst nur selten. Heute wird diese besondere Veranstaltung sogar per Live-Video in die obere Etage übertragen.

„die kraft der Idee” heißt die neue Ausstellung, mit der das Kunstmuseum seinen künstlerischen Leiter Robert Simon und dessen ehrenamtliche Tätigkeit in Celle seit inzwischen 20 Jahren feiert. „Es geht um Neugier und Entdeckerfreuden. Es geht um Innovation und ehrenamtliches Engagement. Es geht darum, Geldmangel durch die Kraft der Idee zu ersetzen.” (Robert Simon) Diese Sätze „bringen den roten Faden von Robert Simons vielfältigen Arbeiten auf den Punkt”, und „die kraft der idee” ist der Leitgedanke für das gesamte Schaffen Robert Simons. Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende würdigt ihn in seinem Grußwort als Querdenker, der immer wieder neue Pfade geht, neues Terrain entdeckt und eigene, oft ungewöhnliche Ideen entwickelt.

Querdenker sind auch die in dieser Jubiläumsausstellung gezeigten Künstler, auch sie gehen ungewöhnliche Wege, experimentieren mit Formen und Materialien, um ihren Ideen Raum zu geben. Wir begegnen Werken von Dieter Krieg, dem Wilden, der ausschließlich über den Kopf arbeitet, Alltägliches ins Monumentale wandelt und in überdimensionalen Stilleben das Triviale zur Kunst erhebt. Oder Timm Ulrichs, dem Ideenkünstler schlechthin, der sich selbst zum Kunstwerk erklärt, mit seiner Totalkunst die Kunstszene in den 60er und 70er Jahren total aufmischt und der, wie einige andere Künstler, am heutigen Abend selbst erscheint, um Robert Simon zu gratulieren. Und natürlich Otto Piene, der (nicht nur) Lichtkünstler, der in Celle mit seiner Doppelskulptur „Feuerwerk für Celle” unübersehbare Zeichen gesetzt hat, „Lichter tanzen und Blumen in den Himmel steigen” lässt und von einer besseren Welt träumt … Alle insgesamt 37 Künstler mit etwa 100 Werken (nur ein kleiner Ausschnitt aus der Sammlung Robert Simon) öffnen „für das Sehen und Denken neue Wege” und machen auf ihre sehr unterschiedliche Weise mit Malerei, Grafik, Zeichnung, als Objekte, Installationen und Lichtkunst ihre Ideen sicht- und begreifbar. Das 24-Stunden-Kunstmuseum ermöglicht Kunstgenuss rund um die Uhr.

In einem „Wortwechsel” beantworteten die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Veronika Olbrich, der Lichtkünstler Vollrad Kutscher, Künstler der ersten Stunde im Kunstmuseum, der Celler Kulturpreisträger und Künstler Dietrich „Pütten” Klatt und Kuratorin und stellvertretende Direktorin des Kunstmuseum Dr. Julia Otto die zwei Fragen, die sich die Kulturdezernentin Susanne McDowell ausgedacht hat:

Wie haben Sie den Anfang der Arbeit mit Robert Simon wahrgenommen?
Und wie ist Ihr Eindruck heute?

Die Antworten fallen mehr oder weniger persönlich oder offiziell aus. Veronika Olbrich würdigt vor allem Robert Simons außergewöhnliches Engagement, den Deutschen Lichtkunstkunstpreis, den er im Jahr 2014 ins Leben gerufen hat und den gerade auf seine Anregung und mit seiner Unterstützung entstehenden Lichtkunstbahnhof in Celle. Vollrad Kutscher (klar, auch ein Ideen-Künstler) spricht – liebevoll – von einer Freundschaft „unter wilden Affen” und Pütten Klatt berichtet von seiner anfänglichen Skepsis gegenüber dem Projekt Kunstmuseum. Dr. Julia Otto erinnert sich gern an ihre Zeit als Voluntärin und ist glücklich, hier zu arbeiten.

Da lohnt sich doch ein kurzer Rückblick auf die Entstehung und Entwicklung des Museums. Nachdem 1991 elf Celler Unternehmen mit der Gründung der Kunst-Stiftung Celle, die damals ziemlich verrückte Idee hatten, zeitgenössische Kunst nach Celle zu holen, das Stiftungskapital aber bei Weitem nicht ausreichte, um eine respektable Sammlung aufzubauen, löste glücklicherweise einige Jahre später die Bekanntschaft mit Robert Simon dieses Problem. Er suchte gerade einen geeigneten Ort, um seine schon damals umfangreiche Privatsammlung zu präsentieren. Die erste Ausstellung „Einblicke in die Sammlung Robert Simon” konnte im Jahre 1995, also genau vor 20 Jahren, im Erdgeschoss des alten Anbaus des Bomann-Museums eröffnet werden und blieb dort für drei Jahre.

Aus diesem so erfolgreichen „Museum auf Zeit” sollte ein Kunstmuseum auf Dauer werden. Robert Simon löst die schwierigen, für eine Präsentation von Kunst ungünstigen Lichtverhältnisse auf seine Art. „Probleme kenne ich nicht, nur Lösungen.” Er macht die Transparenz der damaligen an ein Gewächshaus erinnernden Architektur zu seinem Konzept: Durchblicke von innen nach außen und von außen nach innen.

1998 lässt er sich die Idee des 24-Stunden-Kunstmuseums als Markenzeichen beim Patentamt eintragen. Nur zwei Jahre später wird die Robert Simon Kunststiftung ins Leben gerufen, die Privatsammlung Robert Simons geht nach und nach in diese Stiftung über, die gemeinsam mit der Kunst-Stiftung Celle auch heute noch Träger des heutigen Museums ist. Wieder ein paar Jahre später, im Jahr 2005, wird umgebaut. Das Architekturbüro ahrens & grabenhorst aus Hannover entwirft einen genialen, mit Mattglas verblendeten Kubus mit großen Klarglasfronten im Erdgeschoss, der einen inspirierenden Kontrast zum Bomann-Museum bildet und selbst wie ein Lichtkunst-Objekt wirkt. Denn bei Nacht verwandelt er sich zu jeder vollen Stunde durch nach einem bestimmten Algorhythmus gesteuerte Leuchtdioden in „einen bunt funkelnden Kristall”. Daran, dass es nachts rund um das Museum mit Werken von Otto Piene, Francesco Mariotti, Vollrad Kutscher und anderen Künstlern blinkt, blitzt, zirpt und funkelt, haben wir uns längst gewöhnt. Unübersehbar schon von außen, dass die Lichtkunst in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen einen Schwerpunkt der Sammlung Robert Simon bildet.

Keine Überraschung, da vorher schon hinreichend in der Presse angekündigt, ist schließlich die Verleihung der Ehrenbürgerwürde, mit der Robert Simon laut eindeutigem Ratsbeschluss vom 14.10.2015 als Höhepunkt des Eröffnungsabends nun durch Dirk-Ulrich Mende ausgezeichnet wird. Tatsächlich wird die Auszeichnung hier in Celle nur rund alle 40 Jahre an Personen, die sich besonders verdient gemacht haben, verliehen. Robert Simon ist zudem erst der zweite ausgezeichnete Bürger, der nicht in Celle wohnt. Bezeichnender Weise findet die Ehrung nicht im Rathaus, wie sonst üblich, statt, sondern im Museum. „Wo sonst außer in diesen Räumen, die die „Kraft der Ideen“ so eindrücklich repräsentieren, wo sonst als in diesem Celler Kunstkraftwerk, dass Sie erschaffen haben?” Mende verliest die offizielle Begründung, die zusammenfassend feststellt, „dass Robert Simon hier in Celle ein dauerhaftes und verlässliches ehrenamtliches Engagement unter Beweis gestellt hat und weiterhin unter Beweis stellt, das nicht hoch genug geschätzt werden kann.” Unter stehenden Ovationen und beeindruckendem Applaus bleiben Robert Simon nur noch die Worte ”danke, danke, danke”. Und: „Die Ausstellung ist damit eröffnet. Ich wünsche einen schönen Abend mit vielen guten Kunstgesprächen.”

Ja, jetzt geht’s los! Bis zum 6. März 2016 haben Kunstliebhaber und alle, die es werden wollen, nun die Möglichkeit, der „kraft der idee” nachzuspüren, etwas vom Schein der Aura abzubekommen, geometrische Formen, kleinste Zeichen oder hinter pastosem Farbauftrag Bekanntes zu entdecken. Die großartig und ideenreich kuratierte Ausstellung verdient noch viel mehr Besucher als am heutigen Abend zu Eröffnung kamen.

Fotos: Urs Müller

Weitere Informationen und Termine für Führungen unter  www.kunst.celle.de

 

 

Themen:
Kunstmuseum

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