Kloster Wienhausen im Landkreis Celle

Autor:
Redaktion

Legendenhafte Geschichten ranken sich um  die Gründung des Klosters zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Die Gründerin, Herzogin Agnes, Schwiegertochter Heinrichs des Löwen, soll es 1221 in Nienhagen gegründet, aber schon nach zehn Jahren nach Wienhausen verlegt haben. 1233 bestätigte Bischof Konrad II. von Hildesheim die Klostergründung in Wienhausen.  Herzogin und Bischof statteten das Kloster mit zahlreichen Einkünften aus. Der Konvent des Klosters Wienhausen lebte nach den Gewohnheiten der Zisterzienser; Hauptpatronin ist die Gottesmutter Maria. In das 15. Jh. fällt die große klösterliche Reformbewegung, die zu einer geistlichen Blütezeit führte. Die lutherische Reformation wurde im 16. Jh. im Fürstentum Lüneburg eingeführt. Der Konvent wehrte sich heftig dagegen, konnte aber nicht verhindern, dass der Herzog Zugriff auf das Vermögen erhielt und es schließlich sogar einzog. Erst 1587 wurde die erste evangelische Äbtissin eingeführt. Auch danach erhielten sich noch lange altkirchliche Gewohnheiten. Die Einführung der Reformation in Wienhausen bedeutete eine langsame Änderung der klösterlichen Lebensgewohnheiten bis hin zum heute existierenden evangelischen Frauenkloster.

Die Lüneburgischen Klosterordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts bildeten jetzt den Rahmen für das klösterliche Leben. Das geistliche Leben veränderte sich, wurde aber niemals aufgegeben; wegen der geringeren Einnahmen sank die Zahl der Konventualinnen auf 26. Das 19. Jahrhundert brachte die „Wiederentdeckung“ der aus dem Mittelalter in großer Zahl erhaltenen christlichen Kunstwerke. Das 20. Jahrhundert bedeutete für das Kloster Wienhausen mit der Inflation in den 1920er Jahren eine wirtschaftliche Katastrophe. Den zweiten Weltkrieg überstand das Kloster unbeschädigt.

Bereits 1711 war das Amt des Klosterkommissars als staatliches Aufsichtsorgan eingeführt worden; seit 1937 übt es der Präsident der Klosterkammer Hannover aus.  1963 übernahm die Klosterkammer die finanziellen Verpflichtungen, die seit dem 16. Jh. vom Staat geleistet wurden.

Heute sind es alleinstehende Frauen, die nach einer abgeschlossenen Berufs- und/oder Familienzeit in den Konvent eintreten. Die  Klosterordnung nennt als Aufgabe der Lüneburger Klöster „allein stehende, evangelische Frauen im Kloster zu einer Lebensgemeinschaft auf christlicher Grundlage zu verbinden, in der sie kulturellen, kirchlichen und sozialen Zwecken dienen können“; außerdem müssen sie die Kunstschätze erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Dieser Klosterordnung verpflichten sich die Konventualinnen bei ihrer Einführung. An drei Abenden in der Woche gibt es gemeinsame Abendandachten, am Freitag eine öffentliche Vesper auf dem Nonnenchor. Den Sonntagsgottesdienst feiert der Konvent zusammen mit der Kirchengemeinde. Zweimal im Jahr ist das Kloster während der Chortage für drei Tage geschlossen. Diese sind dann bestimmt von Gottesdienst, Stundengebet und Gesprächen. Der Alltag der Konventualinnen wird maßgeblich bestimmt von den täglichen und stündlichen Führungen durch das Kloster; jede Konventualin nimmt darüber hinaus Aufgaben im Haus wahr.

Seit acht Jahren wird die im Kloster Wienhausen durch seine mittelalterlichen Teppiche besonders präsente Tradition des Klosterstichs durch vier mehrtägige Stickkurse wiederbelebt. Zum Kloster gehören außerdem 140 ha landwirtschaftliche Fläche, die verpachtet ist, 150 ha Wald, der selbst bewirtschaftet wird und 7 ha Park, der der Öffentlichkeit als Naherholungsgebiet dient.

All diese Aufgaben kann das Kloster nicht alleine bewältigen. Es ist dankbar für einen Kreis von über 30 Helferinnen, den sogenannten Angestellten und die Hilfe der Klosterkammer. Wenn Ende Oktober die Klosterpforte schließt, wurden bis zu 30.000 Besucher durch das Kloster geführt. Dann stellt sich die Frage, was kann ein Kloster verkraften? Diese Balance zu finden und zu leben, ist für die Konventualinnen immer wieder eine neue Herausforderung, der sie sich stellen müssen.

Das Kloster kann z.Zt. zehn Konventualinnen aufnehmen. Nachwuchsprobleme gibt es nicht, denn es gibt immer wieder Frauen, die sich für ein verbindliches Leben in einer christlichen Gemeinschaft entscheiden. Die Gewissheit, im Alter und in Krankheit nicht allein, sondern von einem Konvent schwesterlich umgeben und versorgt zu sein, macht diese Entscheidung attraktiv.

Die Geschichte als evangelischer Konvent beginnt nicht mit der Reformation.

Man sieht sich als Glied einer langen Kette von Frauen, die alle zu ihrer Zeit und nach ihren Fähigkeiten die Geschicke des Klosters dienend mitbestimmt haben und die ein jahrhundertealtes traditionsreiches Erbe, das sie tagtäglich umgibt und erinnert, betend und gestaltend, demütig und verantwortungsbewusst, zupackend und fröhlich, gemeinsam in die Zukunft trägt.

Infos:

Das Kloster ist nur mit Führung vom 26.März – 16. Oktober zu besichtigen:

  • Führungen Dienstags bis Samstags 26.03. – 16.10.2016: 11.00; 14.00 -17.00 Uhr stündlich
  • Sonntags und an kichlichen Feirtagen 26.03.-16.10.: 12.00-17.00 Uhr stündlich
  • Ab 31. Mai zusätzlich eine Führung von Di-Sa um 12.30 Uhr
  • Führungen Dienstags bis Samstags 18.10. – 30.10.2016 : 11.00 Uhr und 15.00 Uhr
  • Sonntags 18.10.-30.10.2016: 12.00 Uhr und 15.00 Uhr
  • Das Kloster ist geschlossen: 25. März 2016, 10.-12. Mai 2016, 17. Juni 2016, 20.-22. September 2016

Führungen zu den gotischen Bildteppichen in der Teppichwoche finden statt:

  • montags bis samstags von 10:00 bis 17:00 Uhr, alle 30 Minuten
  • sonntags von 12:00 bis 17:00 Uhr, alle 30 Minuten
  • Erwachsene: 8,00 €  (Kombikarte – Kloster+Teppiche)
  • Schüler und Studenten: 5,00 € (Kombikarte – Kloster+Teppiche)

Die Teppichausstellung läuft nach der Teppichwoche vom  31. Mai – 16. Oktober weiter.

Teppichausstellung mit Audioführung in deutsch, englisch, französisch und spanisch:

  • dienstags bis samstags und an nichtkirchlichen Feiertagen von 11:00 bis 18:00 Uhr (ab 1.Oktober bis 17:30 Uhr geschlossen)
  • sonntags von 12:00 bis 18:00 Uhr (ab 1.Oktober bis 17:30 Uhr)
  • montags geschlossen
  • Erwachsene: 6,00 €
  • Schüler und Studenten: 4,00 €
  • Kombikarte (Kloster und Teppiche): 8,00 € für Erwachsene und 5,00 € für Schüler/Studenten
  • Persönliche Kombiführung ab 10 Pers. und mit Anmeldung: 10,00 €

Themenführungen 2016

Neue Themenführung »Malereien im Nonnenchor«

Dienstag, den 5. Juli und Do. 7. Juli 2016 – 19.00 Uhr.

Exkurs in eine Farbwelt.

Komposition und Bedeutung der Malereinen im Nonnenchor.
Nur mit Anmeldung 05149/18660.

Diese Themenführung wird am 16. und 18. August wiederholt.

Nur mit Anmeldung unter 05149 / 18660 oder kloster.wienhausen@arcor.de!

Jeden Freitag um 18:30 Uhr “Gesungenes Abendgebet im Nonnenchor”
vom 1. April – 30. September 2016. Eintritt über den Haupteingang.
Gäste sind willkommen!

Tipp:

“1000 Schritte durch Wienhausen”, entdecken Sie bei dieser Dorfführung unseren wunderschönen historischen Ort.

Text: Renate v. Randow und Wolfgang Brandis
Fotos: Hubertus Blume

(C) www.landluft-celle.de

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Wienhausen

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