Kalli Struck, der singende Schrotthändler

Autor:
Redaktion

Die Lieder meines Lebens

von Iha von der Schulenburg

Ein einziger Satz zur rechten Zeit kann ein ganzes Leben verändern. Bei Kalli Struck war es so. Er hatte verdammt schlechte Karten: Seine Familie war arm und „bildungsfern“, wie man heute so schön sagt. Er konnte nicht schreiben und kaum lesen. Trotzdem brachte er es zu Wohlstand und Anerkennung. Als Schrotthändler. Und als Sänger. Dies ist seine Geschichte.

Hinter einem großen Schrottberg taucht ein Lkw auf, fährt direkt auf Kalli Struck zu. Der bleibt seelenruhig stehen. „Keine Angst“, sagt er, „der fährt seinen Chef nicht um.“ Er geht zum Fahrer, begrüßt ihn mit Handschlag – so wie jeden, dem er auf seinem riesigen Schrottplatz begegnet.

Kalli Struck (67) hat die Haare schön, trägt einen Jogginganzug und bunte Sneaker. „Ich bin jeden Morgen in meiner Muckibude oder mit dem Hund spazieren. Und hier werde ich sowieso dreckig. Warum soll ich mich da groß umziehen?“ Es ist seine Sache nicht, sich zu verstellen, feine Welt vorzumachen.

Kalli Struck redet Klartext. Er erzählt freimütig von seinem Leben und von seiner Musik. Was fast dasselbe ist. Andere schreiben Tagebuch. Kalli singt. Mit sechzig Jahren hat der Schrotthändler seine erste CD aufgenommen. Die 16 Songs darauf sind wie ein Spiegel seines Lebens: schonungslos, mit allen Höhen und Tiefen.

„Altes Eisen, Lumpen, Knochen und Papier …“ Viele kennen noch dieses alte Lied der umherziehenden Schrotthändler. Bei ihm lautet es: „Autoreifen, Altmetalle und Akkordeon, Münzen, Marken, Mikrofone fand ich alles schon.“ Die Liste ließe sich noch lange fortführen. „Man findet hier in kurzer Zeit alles, was man für einen kompletten Haushalt braucht“, sagt Kalli Struck. In seiner Kindheit musste er Armut erleben, sodass es ihn immer wieder wundert, was die Menschen alles wegwerfen. Manchmal originalverpackt.

Autos, CDs, Stahlträger – jeder Schrotthaufen ist anders. Identisch aussehende Metalle können fünfhundert oder fünftausend Euro pro Tonne kosten – je nach Zusammensetzung. Die Halle mit den wertvollen Haufen ist bewacht wie ein Hochsicherheitstrakt.

Mit Schrott macht Kalli Struck keiner was vor. Jahrelang hat er zum Beispiel kleine Silberplättchen zusammengesammelt, in Barren geschmolzen und den Erlös dann in eine gediegene Uhr investiert. Sie blitzt manchmal unter dem Ärmel der Trainingsjacke hervor.

„Mein kleiner blauer Diamant behielt die Fassung, was auch war“, singt Kalli Struck und: „die schwarze Perle war mein Fluch, sie brachte Schmerz und brachte Schmach.“ Beide hat er gekauft, für jede Frau den passenden Ring. Dorit, die den Diamanten bekam, lernte er mit 14 kennen, mit 15 war sie schwanger, mit 16 Mutter. Sie sind verheiratet, haben vier Kinder. Die wertvolle Perle bekam seine Renata, mit der er zwei weitere Kinder hat.

Alles kam raus durch einen Lottoschein. Den fand Dorit in der Wäsche, ausgefüllt auf Renata. Anstelle von großem Glück brachte dieser Zettel also großen Ärger. Aber Dorit hat doch zu ihm gehalten. Und er zu beiden Frauen. „Der Schein hat mir wirklich Glück gebracht, endlich konnte ich ehrlich sein“, erklärt er in seiner friedliebenden Weltsicht.

Kalli, der ein weiches Herz hat, tritt als Sänger auf für Bedürftige und Kranke, er unterstützt gern Notleidende. Und er hat ein Herz für Gestrandete.

„Seine CD ist nicht für den Massenmarkt, sie zeigt das Leben von Kalli“, sagt sein Musikproduzent Roland Loy. Sie beginnt mit gemütlichen Schlagern – und überrascht dann mit harter Realität, cool gerappt.

„Ich weiß, wie es ist, gesetzlos zu sein“, und „Angst kann die Antenne für Gefahr sein“, singt er. In dem Mann mit der sanften Stimme steckt ein wilder Kerl, der nicht immer mit Samtpfötchen unterwegs war. Wenn er mal einer Frau beistehen wollte oder Ungerechtigkeit sah … Nicht einfach zuschlagen, sondern auch mal Angst haben dürfen, das hat er inzwischen gelernt.

In der Schule hingegen hat er nichts gelernt. Er hatte acht Geschwister, sein Vater war Alkoholiker. Vor dessen Ausbrüchen hat er sich oft versteckt. Er schaffte die Hauptschule nicht. Seine Lehrerin sagte: „Kalli, wie schade, dass du uns verlassen musst, du kannst doch so gut singen.“ Dieser eine Satz half ihm, an sich zu glauben: „Da war was, was ich konnte.“

Auch die Hilfsschule packte er nicht. Doch das verschwieg er nie, er stand zu seinen Schwächen. Das ist seine Stärke. Und dass er immer der Beste sein wollte: in der Fabrik, auf dem Bau, als Schrottsammler.

Mit viel unternehmerischem Gespür hat er richtig investiert. So hat er einen großen Recyclinghof aufgebaut mit allen nötigen Zertifizierungen. Längst arbeiten drei seiner Söhne im Betrieb. Zu seinen Kunden gehören große Industriefirmen.

„Ich bin stolz darauf, dass ich 26 Menschen Arbeit geben kann. Alle meine Wünsche haben sich erfüllt“, sagt er. „Na ja, vielleicht noch mal mit Freddy Quinn essen gehen …“

Folgender Text kommt aus dem Hause Struck:

Betrugssichere Röntgenstrahlen ermitteln Goldwert

FälschungssichereEdelmetall-Analyse mit Mini-Labor.

Seit mehr als 30 Jahren ist der Recyclingbetrieb Struck in Hambühren erster Ansprechpartner für Versorgungsfragen. Mit seinem neuen Laden in der Mauernstraße bietet der Familienbetrieb nun auch in der Celler Innenstadt seinen Kunden einen direkten Anlaufpunkt, an dem sie sich zu Entsorgungsfragen beraten lassen können. Edelstahl, Zinn, Messing oder Kupfer können bis zu 10 kg ebenfalls entsorgt werden.

Kalli Struck und sein Filialleiter Günter Rantze gehen neue Wege. Die meisten Verfahren ermiiteln den Materialwert durch eine Säuretest. Dabei müssen zB. Schmuckstücke angeschliffen werden, was den Sammlerwert durchaus mindern kann. Der Laie kann kaum durschauen, wie ein Wert zustande kommt. Bei Struck wird das Schmucksteück auf einem Messfenster positioniert, Deckel geschlossen und dann das Ergebnis aif dem Farbdisplay des Monitors abgelesen.

Das Büro in der Mauernstraße 33 ist von Montag bis Freitag zwischen 10-12:30 Uhr und 14-17 Uhr geöffnet, Samstag von 10-12 Uhr

 

 

 

 

 

 

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