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Jessy James LaFleur – Poetry Slam

Autor:
Redaktion

Jessy James LaFleur
Spoken Word Künstlerin

Ein Portrait von Iha von der Schulenburg

In sechs Minuten seine Gedanken mit wenigen Worten zum Leben erwecken. Das ist die Kunst beim PoetrySlam, dem modernen Dichter-Wettbewerb auf der Bühne. Ein Buch kann man nachlesen. PoetrySlam ist jetzt. Nur jetzt. Das ist die Faszination. Jessy James LaFleur, 32, eine der bekanntesten SpokenWord-Künstlerinnen, hat den PoetrySlam nach Celle gebracht. Ihre Veranstaltungen mit Nachwuchs-Poeten in „Kunst und Bühne“ sind immer schnell ausgebucht. Es könnte auch an ihr liegen…

Jessy James LaFleur auf der Bühne ist ein Ereignis. Egal, ob sie einen eigenen Text vorträgt oder einen PoetrySlam moderiert. Erster Eindruck: Sie ist liebenswürdig und humorvoll. Jessy  moderiert und veranstaltet sechs verschiedene Slams in Deutschland, mit der Spontaneität und Frechheit eines erfahrenen Profis. Zu einem Mann in der ersten Reihe:„Ist das Ihre Frau da neben Ihnen?“ „Nein.“ „Oh, ich streue Gerüchte…“ Lachen im Saal, Sympathiepunkte für Jessy.

Seit 2013 moderiert sie PoetrySlams, den souveränen Umgang mit dem Publikum hat sie offenbar im Blut. Ihre wertvolle Währung sind die Worte. Und die Intensität, mit der sie sie vorträgt.

Wenn sie selbst als Slammerin auftritt, hält sie – direkt bevor sie ihren Text beginnt – einen kurzen Moment inne. Kontakt nach innen. Und dann legt sie los. Man spürt, dass es unter ihrer freundlichen Oberfläche brennt. Da lodern Wut, Entschlossenheit, Provokation. Eingebettet in Poesie. „Der Morgen wird kommen. Du bist Dir nicht sicher, ob er Dir einen Blumenstrauß überreichen oder eine Knarre aus der Pralinenschachtel ziehen wird…“ Jessys Texte sind direkt, phantasievoll, überraschend. Sie braucht kein Papier, hat alles im Kopf. Nach wenigen Sekunden hat sie jeden Zuhörer gefesselt.

Kaum zu glauben, dass Jessy, dieses mitreißende Wesen, als Kind gemobbt wurde. „Ich war zu groß, zu laut,“ sagt sie. Und zu schön, möchte man hinzufügen. Die Deutschlehrerin konnte mit ihren Texten nichts anfangen. Mit den Eltern lief es auch nicht gut. Aber genau dieses Unglück bringt sie auf die Spur. Aus der Einsamkeit der Verstoßenen erwächst ihre Wut. Ich-zeigs-euch-allen!

Mit dreizehn entdeckt sie Rap und HipHop: Nas, Public Enemy, 2Pac, Gil Scott Heron sind ihre Helden. Sie sind die ersten Künstler, die so über ihre Probleme sprechen, dass man es hören will. Jessy beginnt mit 19 als SpokenWord-Künstlerin aufzutreten, auch sie hat den Rhythmus des Rap, unter dem es brodelt. Sie hat ihre Szene gefunden, lebt unter Skateboardern, Rapper, Musikern. In insgesamt siebzehn verschiedenen Ländern schlägt sie sich so durch, arbeitet, rappt und widersteht den Versuchungen der Drogen um sich herum.

Noch heute führt Jessy James LaFleur ein Leben als Nomadin. Allerdings auf einem anderen Level. Sie ist inzwischen international gefragte Künstlerin: als PoetrySlammerin und Moderatorin. Als Vortragende auf anspruchsvollen Konferenzen wie TED in Linz. Und sie tritt bei „ihrem“ Verein VfL Wolfsburg im Stadion auf, vor 22.000 Fans.

Außerdem gibt sie Workshops: Unter dem Titel „Angeprangert“ seit zwei Jahren für Jugendliche in Celle, an Universitäten und sogar in Gefängnissen. Beim „PrisonSlam“ in den JVAs in Celle und in Berlin Tegel sind dabei selbst bei vielfachen Mördern schon Tränen geflossen. Weil Jessy es schafft, jedem die Angst zu nehmen. Die Angst, sich zu öffnen, sich zu zeigen, zu sich selbst zu stehen.

Sie lässt Germanistik-Studenten der Uni Hamburg sinnfreie DaDa-Texte vortragen, sensibilisiert jeden für seinen eigenen Rhythmus, fordert mit aberwitzigen Textaufgaben die Phantasie heraus. Und vor allem: „Schreibt was euch bewegt“. Teile von sich frei geben. Narben aufkratzen. Gewinner bei den Wettbewerben sind zwar meistens die Comedy-Texte. Aber nicht diese Publikumsunterhaltung berührt uns, sondern die ehrliche Auseinandersetzung.

Im Celler Schlosstheater finden die U-20 Landesmeisterschaften für Niedersachsen und Bremen statt. Ein dreiviertel Jahr hat Jessy darauf hingearbeitet, mit ihrem Team alles organisiert. Hat Location und Sponsoren (SVO und Sparkasse) besorgt, Plakate entworfen, und vor Allem: Workshops gegeben, neue Talente entdeckt und gefördert.

Sie haben Muffe, die Newcomer. „Egal was passiert – ich bin stolz auf euch,“ gibt sie ihnen mit zum Auftritt. Jessy moderiert wie immer in Abendkleid und flachen Schuhen. Oben Diva – unten Straßengöre.

Jeder Poet wird von ihr angekündigt wie ein Star. Die frischen Textblätter zittern vor Adrenalin. Ein Student erfindet „Herzausschüttungsnotwendigkeiten“. Als eine Slammerin ihren „Brief an meine Depression“ vorträgt, weinen einige im Publikum. Wer gewinnt, ist fast schon egal. Hier stehen Helden auf der Bühne. Helden, die sich selbst überwunden haben. Die es ohne Jessy James LaFleur nicht geben würde. Sie sagt “Ich brenne für das, was ich tue. Ich habe keinen anderen Beruf. Das ist mein Leben“.

PoetrySlam Termine in Celle unter www.angeprangert.com

Fotos: Hubertus Blume (c) Landluft-Celle.de, 2018LaFleur

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