banner

Marie-Louise Schlottau, Heidegut Eschede

Autor:
Redaktion

Spagat zwischen Gefühl und Geschäft

Ein Portrait von Petra Schlemm, Fotos: Jacques Toffi und Hubertus Blume
Sanft legt sie ihre eine Hand an den Hals der Fuchsstute, die aufgeregtschnaubt. Zehn Zentner ungestümes Temperament – sie bremst es einfühlsam und mit der anderen Hand am Zügel. Marie-Louise Schlottau ist Pferdewirtschaftsmeisterin FN – selten kommt eine Berufsbezeichnung so sperrig daher. FN: Das leitet sich ab von Fédération
Equestre Nationale, der internationalen Bezeichnung für die Deutsche Reiterliche Vereinigung, dem Dachverband „rund ums Pferd“. Meisterin: Damit kann man etwas anfangen. Aber Pferde in Kombination mit Wirtschaft? Kein anderes Nutztier ruft doch mehr Emotionen hervor. Gefühl und Geschäft – Marie-Louise Schlottau hat den Spagat geschafft. Sie führt auf dem Heidegut Eschede eine Reitschule, zertifiziert mit vier FN-Sternen, die einzige im Kreis.

„Ich hätte auch was anderes machen können, aber das hat sich so ergeben“, fasst die schlanke junge Frau zusammen. 1974 haben ihre Eltern das Heidegutübernommen. Damals kamen auch die ersten Pferde auf den Hof – für Ferien auf dem Bauernhof. Heute leben drei Generationen der Familie hier. Um die zehn Ferienhäuser und die Festscheune für 250 Personen, wo Justus Frantz schon Konzerte gab, kümmern sich die Eltern. Natürlich kann Marie-Louise „Micki“ Schlottau Traktor fahren. Die 250 Hektar sind inzwischen verpachtet, aber zur Heuernte sitzt die ganze Familie auf irgendeinem landwirtschaftlichen Fahrzeug.

Die Reitschule ist Mickis Ding. Und die Anlage kann sich sehen lassen: zwei Reithallen, ein großer Außenplatz, eine acht Kilometer lange Geländestrecke mit
Hindernissen, ein großer Stalltrakt bereit zum Empfang von Gastpferden. 15 Schulpferde, vom kleinen Shetland Pony bis zu sehr gut ausgebildeten Reitpferden.
Dazu kommen die, die die Chefin ab sieben Uhr morgens täglich selber reitet. Ausbildungspferde und die eigenen – manchmal sind das bis zu acht. Ein neues
Pferd für ihre eigenen sportlichen Ambitionen in der Vielseitigkeit sucht sie gerade. Ob die junge Stute Sonnenschein diese Anforderung erfüllt, erfühlt sie mit
großer Geduld.

Reitschulen leisten Kärrner-Arbeit. Wo sonst sollen Fußgänger reiten lernen, um dann mit einem eigenen Pferd glücklich zu werden? Dass Pferd und Reiter gemeinsam
wachsen, ist ein Irrglaube. Das junge Pferd wird von einem erfahrenen Reiter ausgebildet. Ein unerfahrener Reiter lernt von einem Lehrpferd. So wie Navarino. Der ist Mickis Meisterstück. Ihn hat sie für ihre Meisterprüfung selbst ausgebildet und zur praktischen Prüfung vorgeritten. Er wird sehr sparsam eingesetzt. „Gerade so viel, dass er gut im Tritt bleibt.“ Schulpferde sind keine Maschinen, brauchen Urlaub und müssen fit gehalten werden, damit sie nicht abstumpfen. Einen Pensionsstall zu führen
ist sehr viel einfacher. Eine Reitschule muss ihre Pferde auch füttern, wenn sie nicht arbeiten können. Auf dem Heidegut haben Pferde eine Lebensstellung.
Das Älteste ist 32.

Reiten lehren – viele Ausbilder finden das langweilig, wollen lieber sportlich glänzen oder mit dem Pferd als Ware handeln. „Ich bin froh, dass ich mein Geld so vielseitig verdienen kann.“ Wenn andere Ferien machen, hat Marie-Louise Schlottau Hochsaison: Reitkurse für die verschiedensten Ansprüche und Altersgruppen, Reiterurlaub für Mädchen. „Wenn ich nicht gerne Unterricht gäbe, dann wäre es sehr schwer, den Tag rumzubringen.“

Ihr Schönstes ist eine gelungene Unterrichtstunde, wenn die Schüler zufrieden absteigen, nachdem sie mit ihnen auf der Vielseitigkeitsstrecke trainiert hat. „Wenn meine Pferde einen tollen Job gemacht haben, dann freue ich mich.“ Eine Herausforderung sind Schüler, die Pferde als Sportgeräte ansehen. „Dann kann ich nur versuchen, mit Fingerspitzengefühl für die Bedürfnisse von Pferden zu sensibilisieren.“ Und selber mit gutem Beispiel vorangehen. Dabei ist sie nur konsequent. Sie ist seit 20 Jahren
Vegetarierin. „Aus ethischen Gründen, nicht weil ich hysterisch wäre.“ Deshalb ist sie auch keine Jägerin. „Ich freue mich an unserem Wald, wenn ich dort reite und ein Stück Rotwild sehe.“ Ihre Maxime ist simpel: „Wenn jeder sein persönliches Umfeld so einrichtet, dass allseits Zufriedenheit herrscht, dann wären alle ein Stück
zufriedener.“ Sie trägt ihren Teil bei.

Themen:
Reitsport

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hauptnavigation