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Gedankentiefe und Gänsehaut – Literarisches Café

Autor:
Aneka Schult-Fietz

“Zwielicht”

Jeder ist ein Steinchen im Mosaik

Von Aneka Schult-Fietz

Im „Zwielicht“ standen die Schülerinnen und Schüler des Literarischen Cafés, einer Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums (KAV), jüngst an drei Abenden auf den Brettern in Kunst & Bühne. Hier präsentierten Literatur- und Textbegeisterte der Jahrgänge 8 bis 12 ganz traditionell Lieder und Gedichte, Texte und Szenen, gemeinsam erarbeitet oder teilweise selbst ersonnen und komponiert. Wie immer zahlreich erschienen, begeisterte es die Gäste, mit welch Eifer und häufig Gedankentiefe, Talent und Innovation junge Menschen sich Poemen und Noten widmen. Jedes Jahr aufs Neue ziehen da Individualisten an den Lehrern in Richtung Welt vorbei, was wohl einer der Hauptfreuden der Unterrichtenden ist. Zwei Lehrer des KAV-Gymnasiums, Matthias Lennartz und Rudolf Markfort, haben es sich seit mehr als 20 Jahren auf die Fahne geschrieben, jene Multipräsenz von Wissen und Können nach Außen zu tragen. Seit 1995 gibt es das „Literarische Café“. Diesmal trat es zum Thema „Zwielicht“ auf und zeigte in Einzelvorträgen, Gedichten und Gesang, Gruppenszenen sowie instrumentalen Darbietungen viel Geschick.

Beginnend mit Josef von Eichendorffs gleichnamigem Gedicht eröffnete man die erste Kategorie „Waidmannsheil“, fünf weitere Unterteilungen, so „Märchenwald“, „Trügerisch“, „Nebelfeld“, „Paradox“ und „Zuversicht“ folgten. Da wechselte Loriots „Adventsgedicht“, ausdrucksvoll rezitiert von Leander Knoop, ab mit Jagdhornsignalen und Ramin Djawadis „Light oft the Seven“ aus „Game of Thrones“, interpretiert von Roman Witte. Einfühlsam boten Luisa Reske und Annika Winkler an Oboe und Klavier Astor Piazzollas „Tanti anni prima“. Der von Christoph Steindamm vorgetragene Hochzeitstanz („Saltatio mortis“) war ebenfalls ein gelungenes Piano-Stück. Jay Ashers „Einsame Seele“ in der Bearbeitung von Pascal Ottenbreit, hat dieser selbst dramatisch eingängig gespielt, gemeinsam mit Kathrin Kohlberg und Luisa Reske, während die Gruppenszene „Die drei Schweinchen“ von Roald Dahl besonders durch Witz gefiel.

Die Zahl und Qualität der Beiträge lässt es kaum zu, jeden einzeln zu würdigen. Die Gesamtheit des Programms wurde über die Jahre perfektioniert. Gemeinschaftlich und in Solo-Nummern dürfen die Darbietenden glänzen. Jeder aber ist ein Steinchen im Mosaik. Zufälle wie die wunderbare Fügung der Schwestern Anne und Nele Witte spielen dem Ganzen überdies Stücke wie jenes von Frank Wildhorn „Jekyll and Hyde – Die Konfrontation“ regelrecht in die Hände. Pointiert spielten beide – nur verbunden durch ein Tau – ihr Spiegelbild aus. Die Requisite war übersichtlich; konstant führten nur ein Holzbrett und ein Geweih durchs Programm. Stimmung und Kleidung wurden dominiert von Schwarz. Lichteffekte erzeugten das Zwielichtige der Dämmerung. An der Technik arbeiteten Daniel Friedrich, Arne Peter und Lennart Jahnel aufmerksam.

Gänsehaut nicht nur wegen des Inhalts überfiel einen beim „Schlaflied“ der „Ärzte“ in einer auch dramatisch durch Requisite und Beleuchtung starken Szene, gesungen von Gereon Gerdes und Matteo Stechert, begleitet von Laura Sachi am Klavier. Die Stimmen verblüfften, auch Gereon Gerdes’ Eigenkomposition „Engel“, in Gesang und Pianospiel ein sehr empfindsames Stück. Eindrucksvoll bot ein Musikerensemble einen Auszug aus Anton Dvoraks „Neunter Sinfonie“ in der Bearbeitung von Julia Landgraff, die auch mit kopflastigen Versen textsicher und ergreifend auffiel. Mit der Ausstrahlung eines Entertainers, solidem Klavierspiel und prägnanter Stimme ein Genuss war Alex Cappelluzzo in „Stiller Mann“ von Heinz Piontek sowie in „Roads untraveled“ von Linkin’ Park. Goethes „Erlkönig“ brachte Pascal Ottenbreit mit poetischer Wucht zu Gehör. Am Schlagzeug unterstützte Erik Mrotzek, Tilman Tiss am Bass. Ebenso sorgte „Hört, hört“ von Alligatoah, präsentiert von Gereon Gerdes und Matteo Stechert, für Begeisterung. Heftigen Applaus erntete Tristan Knoop als Falco mit „Jeanny“, mit Laura Sachi und Christoph Steindamm am Klavier. Für die Zwischenmoderationen und Überleitungen in die „Akte“ haben sich Mila Bachor und Carmen Auhuber zusammengetan. Nach einem wundervollen Chorabschluss mit „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius gab es als Zugabe Michael Jacksons „Bad“. Das Gegenteil aber war Programm.

Wie es weitergeht? Diese Frage stellten sich die beiden Lehrer am Schluss in der legendären Kunst & Bühne und dankten für die jahrelange gute Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt. „Über unsere Zukunft aber machen wir uns keine Sorgen, sie steht hier auf der Bühne, hinter uns.“

Fotoreferent KAV Dennis Karrasch (c) Landluft-Celle.de, 2018

Themen:
Kultur

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