Die Gertrudenkirche in Altencelle

Autor:
Redaktion

Kirchen im Landkreis Celle

„Schutzherrin der Landstraße“ nannte man die Heilige Gertrud, welcher die Altenceller Gertrudenkirche ihren Namen verdankt. Als Äbtissin von Nivelles setzte sie sich im 7. Jh. für Witwen, Waisen, Arme und Kranke und eben für Reisende und Pilger ein. Durch „Tsellis“, dem ursprünglichen Celle, führten wichtige Handelswege. Auf ihnen kam allerlei Volk. Heute liegt die Altenceller Kirche am äußersten Ortsrand, am „Heiligen Ende“, wie die Altenceller sagen. Beschaulich an den Wiesen der Aller. Die Stadt wurde vor gut 700 Jahren ein ganzes Stück weiter in Richtung Nordwesten verlegt. Aber bis heute ist in der kleinen evangelischen Dorfkirche die Heilige Gertrud in einem sehr kostbaren Altarschrein mit einem Kirchenmodell in den Händen zu sehen. Eine Inschrift datiert den Altar auf 1509. Der Name „Tsellis“ war längst vergessen und Altencelle, wie man den Ort nun nannte, war ein Dorf mit vielleicht 40 Hofstellen. Wie kommt dieser wunderschöne Altar mit feinem vergoldeten Schnitzwerk hierher? Sollten die wenigen Familien diesen kostbaren Altar in Auftrag gegeben haben? War ihnen ihr Gotteshaus so viel wert?

Die Grundmauern der alten Celler Kirche sind mehr als 1000 Jahre alt. Ein Taufstein und ein Prozessionskreuz aus dem 13. Jh., ein Kruzifix, eine kunstvolle geschmiedete Sakristeitür und kostbare Abendmahlsgeräte aus dem 14. Jh., eine Kanzel aus dem 18. Jh., die Furtwänglerorgel, bunte Glasfenster und ein Taufbaldachin aus dem 19. Jh. zeugen neben dem Altar davon, wie die Altencellerinnen und Altenceller durch viele Jahrhunderte an diesem Ort mit ihrer Geschichte und ihrem Alltag ihren Gott suchten und ehrten.

Jede Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Bis heute. Der Künstler Stephan Lindegger aus Rennau bei Helmstedt fertigte im Jahr 2012 mit großer Sensibilität für den mittelalterlichen Raum einen Leuchter für die Osterkerze an. In der Dunkelheit der Osternacht ist alljährlich zu sehen, wie ein einziges kleines Teelicht am Boden des Leuchters mit dem Gitter der Rundstäbe spielt und einen leuchtenden Strahlenkranz durch die ganze Kirche wirft.

Die Heilige Gertrud, Schutzpatronin der Pilger und Reisenden – verewigt im Altar von Altencelle. Das Pilgern, lange Zeit in Vergessenheit geraten, ist wieder in Mode gekommen. Auch in Altencelle. Denn der bekannteste Pilgerweg, der Jakobsweg, der an verschiedenen Orten auf der Welt beginnt und letztlich in Santiago di Compostela in Spanien endet, führt auch an der Gertrudenkirche vorbei. Im letzten Jahr (2014) hat die Kirchengemeinde Altencelle mit dem bereits erwähnten Künstler Stephan Lindegger in einem Projekt mit 50 Jugendlichen einen Außenaltar in den Allerwiesen geschaffen, am Rande des Jakobsweges, am Rande des vermuteten Hafens des alten Tsellis. Ein Triptychon von 3 mal 6 Metern: In der Mitte ein Tor. Dort hängen drei Stahlplatten, aus denen die Körperumrisse mit unterschiedlichen Haltungen herausgeschnitten wurden. Ihre Silhouetten wurden auf wagenartige Gebilde montiert und stehen hinter dem Altar – in den Allerwiesen. Es geht bei dem Altartriptychon um die Weite und Tiefe des Raumes – ein Thema das theologisch auch im 139. Psalm anklingt: „Und nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“

Auf dem Altar schwebt als Windspiel eine stilisierte Jakobsmuschel.

Ob drinnen vor dem alten oder draußen vor dem neuen Altar, an beiden Orten schenkt die Gertrudenkirche Einheimischen und Reisenden Besinnung und Ruhe.

Text: Helke Ricker, Pastorin der Kirche

Fotos: Hubertus Blume und Christoph Ricker

www.kirche-altencelle.wir-e.de (Kirchengemeinde Altencelle)
www.qnscht.de (Stephan Lindegger)

Themen:
Kirchen

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