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Deutsch für Asylanten in Celle

Autor:
Meggie Hönig

Denn auch sie sind jetzt Deutschland!

„Aylan Kurdi, drei Jahre alt, ertrunken im Mittelmeer.” (SZ, 3.9. 14.28 Uhr) Mamo, Salim, Talal und viele andere haben es geschafft und leben nun hier in Celle: Nach einer monatelangen Flucht voll Ungewissheit, Angst und Schrecken ist sie jetzt wieder da, die Hoffnung auf ein freies, furchtloses Leben in Würde, die Hoffnung auf Zukunft.

Wir nennen sie Asylanten, Flüchtlinge, neuerdings in den sozialen Netzwerken am liebsten Refugees. Diese Begriffe bleiben abstrakt und unbegreiflich, solange es nur ferne Bilder von strandenden, ertrunkenen Menschen sind, die tagtäglich über die Bildschirme flimmern oder uns vollflächig als Aufmacherseiten in Hochglanzmagazinen präsentiert werden. Erst wenn auch wir selbst Schmerz empfinden, fangen wir an zu begreifen. Erst wenn auch wir weinen, weil wir das Bild mit dem toten Kind am Strand nicht mehr vergessen können, bekommen wir eine vage Vorstellung von der Sehnsucht derer, die die tödliche Gefahr einer Flucht auf sich nehmen, Sehnsucht nach Asyl.

Asyl (lat. asylum) heißt Zufluchtsort. Für viele ist nun unser Land oder sogar unsere Stadt Celle ihr Zufluchtsort – und hoffentlich irgendwann ihr neues Zuhause. Sie sollen und dürfen nicht enttäuscht werden. Es gibt viele unter uns, die freiwillig und vor allem gerne helfen. Belohnt werden wir mit einem Lächeln und mit tiefer Dankbarkeit.

„Ahlan wa-sahlan, willkommen in Deutschland! Eure Flucht ist zu Ende, hier seid Ihr in Sicherheit. Jetzt liegt es auch an Euch, dass Ihr nicht fremd bleibt in diesem Land.” So beginnt die Kolumne von Jaafar Abdul Karim auf ZEIT ONLINE (21.9.2015), mit der er sich nachdrücklich an die Flüchtlinge selbst wendet:

„Bitte lernt die deutsche Sprache so schnell wie möglich. Es ist eine schöne Sprache und sie ist der Schlüssel zur deutschen Gesellschaft, zu Eurer neuen Heimat. Durch diese Sprache werdet Ihr Glücksmomente teilen können. Die Sprache wird Euch helfen, die anderen besser zu verstehen. Wichtiger noch ist, dass Ihr durch die Beherrschung des Deutschen unabhängiger in Deutschland werdet. Ihr seid nicht mehr auf Übersetzer und Helfer angewiesen und könnt Euer Leben ein Stückchen mehr selbst in die Hand nehmen.”

Mamo, Salim, Talal, Najah, Murat und Issa sind dabei, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Zweimal in der Woche kommen sie in die Stadtbibliothek in Celle, um Deutsch zu lernen. Mit Begeisterung, Engagement, Ehrgeiz und ganz viel Spaß. Es ist ein Geschenk, sie dabei begleiten zu können, sie auf dem holprigen Weg in ihre Zukunft unterstützen zu können – und auch von ihnen lernen zu dürfen.

Es schmerzt, wenn diese jungen Männer über die Stationen ihrer Flucht berichten. Wenn sie erzählen, stockend noch, über welche Umwege ihre lange Flucht endlich hier ihr Ende fand. Dass sie ihre nächsten Angehörigen, ihre Familie und ihre liebsten Freunde verloren haben. Dass die Frau und die kleinen Kinder irgendwo in einem fernen Zeltlager ausharren müssen.

Es macht sprachlos zu erfahren, dass Asylanträge nach über einem halben Jahr abgelehnt werden, wenn der „Fingerabdruck” in Ungarn abgegeben worden ist und die Erstregistrierung nicht in Deutschland stattgefunden hat. Es ist bewundernswert, dass sie trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben und geduldig hoffen, doch hier bleiben zu können.

Und es macht glücklich, wenn sie sich mit deutschen Gleichaltrigen zum Paddeln, zum gemeinsamen Kochen oder einfach zum Feiern auf dem Stadtfest treffen. Wenn sie wenigstens kurzzeitig vergessen, wenn sie lächeln, wenn sie lachen …

Denn: Auch sie sind jetzt Deutschland! Einer von uns!

(Dieser Text basiert auf persönlichen Erfahrungen, ist nur ein Beispiel von vielen freiwilligen Initiativen und will in keiner Weise die großartige Arbeit all der vielen ehrenamtlichen Helfer und Deutsch Lehrenden in den Hintergrund stellen.)

Fotos: Hubertus Blume

Themen:
Celle

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