Der Pirol, Weinlokal in Celle

Autor:
Redaktion

Jean Priol und sein Pirol

Autor: Eileen Seifert, Fotos: Hubertus Blume

Biegt man von der Neuen Straße in die Borchardpassage zum Innenhof ein und steigt die Steintreppe hoch, ist nicht zu erahnen, was sich hinter der Eingangstür verbirgt. „Der Pirol“ ist ein kleiner Laden mit wenigen Holztischen. Eine einfache Bar. Aber das Interieur ist so speziell, dass man sich sofort sonst wo wähnt – nur nicht in der Celler Innenstadt. Eher in einer skurrilen Künstlerbar, zu Zeiten der Bohème der Jahrhundertwende. Kleine altertümliche Vogelkäfige stehen aneinandergereiht. Vor dem Fenster hängt eine Schautafel heimischer Specht-Arten, an den Wänden hundert Jahre alte Reklameschilder. Darüber zwei mit Kreide geschriebene Strichlisten, die den Namen nach für Jürgen und Claus geführt wurden. Auf dem schmalen Holzsims, der den Raum umläuft, stehen Flaschen mit auffälligen Etiketten. Angefertigt von Frank Schult, Künstler und Stammgast hier. Hinter der Theke steht Jean André Priol und begrüßt seine Gäste. In den grauen, locker zum Zopf gebundenen, Haaren steckt eine grüne Brille. Rund um den lachenden Mund ein lässiger Sieben-Wochen-Bart. Hier in der aufgeräumten Fachwerkstadt, hat er ein Kleinod geschaffen. Eine Weinstube, die einfach aus dem Ort und der Zeit fällt. Und das ist nur eines der vielen Projekte, die der gebürtige Franzose mit deutschstämmiger Mutter in der Gegend verwirklicht hat. In den letzten Jahrzehnten hat er längst vergessene Plätze entdeckt, umfunktioniert und wiederbelebt. Manchmal auch nur temporär und für wenige Tage.

Jean liebt Geschichten und Bücher. Ständig zitiert er etwas. Lieblingsdichter, Verse. Einige davon, wie Rilkes „Panther“ oder „Der Erdbeermund“ von Paul Zech finden sich auch in der Vogel-affinen Bar wieder. „Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund, ich schrie mir schon die Lungen wund nach deinem weißen Leib, du Weib“ steht da an der Wand. Wenn Jean das mit nachhaltiger Betonung und gerolltem R spricht, soll er fast wie Klaus Kinski klingen. Und genau wie der spielt er auch mit der Sprache. Seine Leidenschaft dafür klingt auch schon im Namen des „Pirol“ an. Ein Wortspiel, das sich daraus ergab, dass die Leute Jeans Nachnamen immer falsch aussprachen.

Im „Pirol“ steht er oft selbst hinter der Bar, serviert Wein, kommt zum Nachschenken und Anstoßen mit der dazugehörigen Flasche. An den Tischen sitzen und diskutieren meist Stammgäste. Vom Maler, über den Schauspieler bis hin zum Superintendenten ist hier alles vertreten. Es mischen sich Fetzen von Persönlichem, Politischem und Regionalem. Gespräche dauern bis tief in die Nacht. Und auf der Theke sitzt, den Kopf in der Hand, eine Eulenspiegel-Figur.

Ein Abend hier illustriert die Idee, die sich in den Projekten von Jean André Priol wieder findet. Außergewöhnliches zu gestalten, die Sinne der Besucher anzusprechen und ihnen Erlebnisse zu bescheren. Immer versehen mit der eigenen Handschrift. Aber, wie Jean es selbst sagt, „muss man die Dinge immer sehen, wenn sie leben.“

Im „Pirol“, steht auf dem Flyer „treffen sich schräge Vögel aller Art.“ Einer dieser schrägen Vögel ist natürlich Priol selbst. Ein Unikat, ein Tausendsassa und ein Querkopf. Ihn und seine Welt kennen zulernen ist, neben seinen Aktionen, ein ganz besonderes Erlebnis.

Folgen Sie den Vogelstimmen beim alten Rathaus und finden Sie versteckt in einem Innenhof eine urige Weinstube!
Öffnungszeiten: Mo. – Sa. 18 – 24 Uhr. Sonntag Ruhetag.
Das Weinlokal und Bistro „Pirol“ in Celle finden Sie in der Neuen Straße 3, im Innenhof der Passage.

(C) www.landluft-celle.de

Schlagwörter:
· · · · · · · ·

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hauptnavigation