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Der Findelhof in Bockelskamp

Autor:
Redaktion

Jean André Priol

Der Geist des Ortes

Ein Bericht von Eileen Seifert

Es gibt Plätze, die über Grenzen hinaus bekannt sind, sich herumsprechen und Viele anlocken. Das geht nicht ohne Menschen, die den Orten erst Magie einhauchen. In der Celler Umgebung fällt in diesem Zusammenhang oft ein Name: Jean André Priol.

Der Findelhof mit Kaleidoskop

Ein alter, ausgedienter Bauernhof ist Jeans größtes und liebstes Projekt – neben seiner Familie, zu der Freundin Daphne und Sohn Tamino gehören, und mit denen er gemeinsam dort lebt. Der 600 Jahre alte Findelhof in Bockelskamp, 1986 gekauft, ist Mutterschiff und Referenzort für alle Aktionen. Liebevoll und in Eigenregie wurden Fachwerkhaus und Scheunen ausgebaut. Ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Denn Jean will stets gestalten. Am besten mehrere Dinge gleichzeitig. Trifft man ihn, ist er zwar anwesend, doch mit den Gedanken schon im nächsten Schritt. Läuft ein Projekt gut, möchte er eigentlich schon wieder weiterziehen. Die alten Gemäuer des Hofes sind also ursprünglich gehalten. Keine neuen Anstriche, kein modernes Dekor. An der einen oder anderen Stelle bröckelt es. Spinnweben. Echtes Leben. Im alten Kuhstall hat Priol eine Bühne installiert, das zu seinem Kleinkunst-Theater„Kaleidoskop“ gehört. Dort singt dann schon mal Ingo Insterburg „Ich liebte ein Mädchen in Lichterfelde“. Der Stall sieht sonst noch immer so aus, als könnten darin bald wieder Rinder stehen.

In diesem Jahr (2015) finden dort noch zwei Veranstaltungen statt – 12.09.15, Peter Vollmer, Kaberett, 20.30h und am 10.10.15, Bernd Lafrenz mit Shakespeare, 20.30h

Wegen seiner Kulisse ist der Findelhof oft in Film und Fernsehen zu sehen gewesen. Zuletzt in einer Verfilmung der „Bremer Stadtmusikanten“. Und genau der Umstand des Authentischen, zusammen mit situativen Details, machen den dortigen Charme aus. Für Jean scheint es ein Kinderspiel, mit wenigen Mitteln viele bleibende Eindrücke zu schaffen. Denn er weiß, „die Leute wollen sehen, staunen und entdecken.“

Auf der Toilette vom Findelhof hat Jean dem Narren seine Art von Denkmal gesetzt. Dort lacht Till Eulenspiegel in kräftigen Farben von den Wänden, gepaart mit deftigen Sprüchen Martin Luthers. Jean interessiert aber nicht die weichgespülte Variante, die sich später durchsetzte, sondern die des Rohlings, der er war: „Später wurde die Eulenspiegel-Figur nett dargestellt. Eigentlich hat der aber überall hingeschissen und rumgefurzt. Das war ja ein Scheißkerl. Deswegen ist er bei uns auf dem Klo.“ Eine typische Aussage à la Priol. Viel wissend, augenzwinkernd und sich selbst nicht zu ernst nehmend. Was er sich ausdenkt und wobei ihm sein Netzwerk an (Lebens-)Künstlern, Journalisten oder Handwerkern hilft, hat mit ihm selbst zu tun. „Alles, was ich mache, versuche ich gut zu machen und so, dass ich auch Spaß dran habe.“

Ab dem 1. Mai bis Oktober finden die Flohmärkte wenigsten einmal im Monat statt – genaue Termine siehe unter https://www.landluft-celle.de/event-directory/

Flohmarkt

Die Flohmärkte entstanden, weil Jean erst mal überlegen musste, wie er den riesigen Hof finanzieren soll. Dazu kam die Vorliebe für Altes und sein Hang zum Sammeln. Als er anfing, waren vielleicht 15 Leute da. Inzwischen reisen Käufer und Verkäufer aus allen Teilen des Landes an. Verständlich, denn dort finden sich unglaubliche Antiquitäten und Besonderheiten. Als oberstes Gebot gilt, keine Neuware anzubieten, nur Gebrauchtes – in welcher Form auch immer. Und es gibt nicht nur verkäufliche Originale. Die Standbetreiber selbst sind so eigen, dass fast jeder von ihnen ein Porträt wert wäre. Und Jean kennt sie alle. Geschäftig läuft er über den Hof, redet und organisiert. Trotz seiner vielen Handlanger scheint er ein Ein-Mann-Betrieb zu sein.

Weinfest

Das sommerliche Weinfest allerdings ist eine feste Instanz – nun schon seit mehreren Jahrzehnten. Dort gibt es beste Getränke und Speisen und Programmpunkte im Priolschen Sinne. Im letzten Jahr war da diese Band, die wie Straßenmusiker herumzogen. Und ein spezieller Shuttle-Service: Ein Berliner Oldtimer-Bus holte die Gäste aus der Stadt ab und brachte sie nach Bockelskamp.

In 2015 findet das Weinfest vom 13.-16. August statt

Der Weihnachtsmann

Wenn Jean Priol etwa zum Weihnachtsmarkt ruft, gibt es keine billigen Buden und großes Tamtam wie auf gewöhnlichen Veranstaltungen. Dafür aber besondere Situationen wie diese: Kinder und Erwachsene bahnen sich den Weg durchs Haus. Vorbei an Dingen, die sich so angesammelt haben – alte Möbel, Kisten, Werkzeuge, Kunst. Alles nur von Kerzen erhellt. Der verstaubte Dachboden ist mit echten Tannen geschmückt. Und ganz hinten, in etwas Abendlicht getaucht, das durch die Dachziegel scheint, steht ein zerfledderter Lehnstuhl. In ihm sitzt der Weihnachtsmann. Er wartet mit echtem – nicht angeklebtem – weißen Bart und empfängt die Ankommenden mit tiefer Stimme. Eine Szene, wie aus einem Buch, als Weihnachten noch nichts mit dem kommerziellen Spektakel von heute zu tun hatte, und die doch auf dem Findelhof ein Stück Realität ist.

Freitag, 11. 12. 2015, 14 – 19 Uhr
Samstag, 12. 12. 2015, 12 – 19 Uhr
Sonntag, 13. 12. 2015, 11 – 18 Uhr

Dies ist ein Auszug aus dem Bericht über Jean-andré Priol aus dem LANDLUFT-Cellerland Magazin Nr. 3 – immer noch erhältlich in der Buchhandlung Decius

Fotos: Hubertus Blume (C) landluft-celle.de

Themen:
Bockelskamp

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