Cosima Bellersen Quirini

Autor:
Redaktion

Krimis und Quark

von Iha von der Schulenburg

Wenn sich Cosima Bellersen Quirini in etwas hineinkniet – dann wird ein Buch draus. Oder gleich mehrere. Angefangen hat sie mit Celle-Krimis. Dann schrieb sie einen historischen Zeitreise-Roman, der im alten Tsellis spielt. Und gerade hat sie ihre Küche in ein Lebensmittel- Labor verwandelt. Für die nächsten Bücher.

Sie sieht nicht aus wie eine, die über Madenbefall und Fettwachs auf Leichen schreibt. Eher wie jemand, der fein und fürsorglich mit den Lebenden umgeht. Cosima Bellersen Quirini (50) steht in der Küche ihres idyllischen Holzhauses, lächelt freundlich aus dem Kuschelpulli und bietet Kaffee an. Dabei hasst sie Kaffee, das schreibt sie auf ihrer Homepage. Es steht auf der Liste „mag ich nicht“, zwischen „vor sieben aufstehen müssen“ und Ziegenkäse. Die Liste der ungeliebten Dinge und Phänomene führt 96 Punkte auf und man ist froh, dass es auf dem „mag ich“-Konto mehr sind, genau 131. Es wäre fatal, wenn dort „schreiben“ nicht stehen würde, bei einer Frau, die immerhin zwölf Bücher geschrieben oder in Planung hat.

Unter dem Pseudonym „Bella Q.“ schrieb sie zunächst Krimis, die in Celle spielen. Im Schlosstheater, im Krankenhaus und in der Hengstprüfungsanstalt. Regional-Krimis sind beliebt, die Leser mögen es, wenn sie ihre vertrauten Orte im Buch wiederfinden. Die Autorin hat sich so ein paar Tausend Fans erschrieben, auch weil die Bücher gut recherchiert sind und die Protagonisten lebensnah. „Wenn ich schreibe sitzen sie abends mit am Tisch und haben ihr Eigenleben“ sagt sie. „Ein Mann war schon als Mörder geplant, aber er wurde es einfach nicht.“

Cosima Bellersen Quirini ist süchtig nach Fakten. Es kam ihr gerade recht, dass 2007 in Altencelle Ausgrabungen gemacht wurden und ein Freund ihr vorschlug, einen historischen Roman daraus zu schreiben. Also grub und schürfte sie, fünfzehn Monate lang. Bis „Das Mädchen aus Tsellis“ fertig war, die Zeitreise einer jungen Archäologin in das Celle von 1291. Mit ihrem Wissen von heute sorgt sie im Mittelalter für Verwunderung. Zum Beispiel mit der Neuigkeit, dass man frische Wunden besser nicht mit dreckigen Lappen auswischt.

Cosima Bellersen Quirini kann nicht verheimlichen, was einmal ihr Traumberuf war: Ärztin. Manche detaillierte Beschreibung lässt vermuten, dass sie Pathologin geworden wäre. Aber durch familiäre Umstände wurde sie zunächst Buchhändlerin, damals in Freiburg. Da hatte sie, mit 15, schon einen ersten Roman geschrieben. Er wartet noch auf Veröffentlichung. Seit 25 Jahren lebt sie der Liebe wegen in Celle. Zunächst als Mutter, Vollblutmutter, wie sie sagt. Vier eigene und vier angeheiratete Kinder sind bei ihr aufgewachsen. Es waren turbulente Familienzeiten, ihre Krimis konnte sie nur schreiben wenn alle in der Schule waren. Oder nachts, wenn auch der Trubel sich ausruhte.

Cosima Bellersen Quirini ist keine Hausfrau, schon gar keine gute. Das sagt sie selbst. Weil sie nicht aufräumen mag, nicht putzen und nicht Alles andere, was nur einen vorherigen Zustand wiederherstellt. Lieber steht sie mit Leidenschaft am Herd, kocht alte Rezepte nach und denkt sich neue aus. Um das Chaos in der Küche kümmert sich dann ihr Mann, ohne Murren, sagt sie. „Er weiß ja, dass er was Leckeres bekommt“. Damit das alte Wissen ums Kochen und Herstellen von Speisen nicht verloren geht, schreibt sie immer alles auf, für ihre Kinder.

Und sie gräbt sich auch in ein anderes Thema ein. „In unserer Familie gibt es viele Haut-Mimosen“, sagt Cosima Bellersen Quirini, „ich suchte Kosmetik ohne die überflüssige Chemie, die die Haut verrückt macht.“ Also mischt und rührt und köchelt sie, erforscht alles über die Inhaltsstoffe, von Algenöl bis Zinkoxid. Sie erfindet neue Rezepturen, gibt sogar Workshops in ihrer extra dafür eingerichteten „Cosis Werkstatt“. „Selbermachen macht süchtig“, sagt sie. Und wieder schreibt sie alles auf.

Die lange „Familienphase“ ist fast beendet und nun schickt Cosima Bellersen Quirini ihre nächsten Kinder, die „literarischen“ in die Welt. In einer Reihe „natürlich selbst gemacht“ sind gerade die ersten Sachbücher erschienen: über Selbermachen von Joghurt, Quark und Käse, von Naturkosmetik und alten Hausmitteln. An den nächsten arbeitet sie schon. Und auch an einem weiteren Krimi. In einer Celler Kirche soll er spielen.

Wie in den anderen Büchern wird sie für ihre Protagonisten besondere Namen finden, wie etwa Amandus Schön, oder Vivelin, oder Marius Mathé. Selbst ihren eigenen Namen hat sie beim Heiraten geschickt kombiniert. Das fehlt noch auf ihrer „mag ich“- Liste: wohlklingende Namen.

Der Kaffee war übrigens erstaunlich gut.

Fotos: Martin Jehnichen

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