Sommerfest im Café nebenan, Winsen-Aller, Landkreis Celle

Autor:
Aneka Schult-Fietz

Statt großem Wiesen-Rock lockt kleine „Bergpredigt“ Gäste an

Traditionelles „Künstlerisches Sommerfest“ zwischen Winser Kirche und „nebenan“

Ein Bericht von Aneka Schult

WINSEN. Es hatte etwas von der Bergpredigt. Immer mehr Menschen strömten auf das idyllische Wiesenfleckchen zwischen der Winser Kirche St.-Johannes-der-Täufer und dem Kulturcafé „nebenan“, ließen sich an einem der Steh- oder Biertische nieder und kamen ins Gespräch. Besonders aber hörten sie zu, nicht nur der Musik, sondern vor allem dann, als Pastor Matthias Riemann mit den Worten des Theologen und Philosophen Paul Tillich über die „Protestantische Kirche“ sprach. Zugegeben, es war ein bisschen wie aus einer anderen Zeit. Immerhin ist auch der Text über 80 Jahre alt und die Kirche selbst hält eine Ausstellung über das „Winser Kirchspiel um 1900“ bereit. Da kam man sich als Besucher weit entfernt vom nicht weit entfernten zeitgleichen Südwinsen-Festival vor. Doch wenn man dem Text lauschte besaß er auch in den Augen Riemanns „eine bemerkenswerte Aktualität, gerade was den Dialog von Kirche und Kunst“ angeht. Um diesen Dialog nämlich geht es beim „Künstlerischen Sommerfest“, das sich an ein Format der Landeskirche, an den „Aschermittwoch der Künste“ anlehnt. 1998 wurde der in der Landeskirche Hannover eingeführt, „um dem gestiegenen Interesse an Überschneidungen und gemeinsamen Fragestellungen, an dem gegenseitigen Dialog von Kirche und Kunst ein Forum zu geben“, wie Riemann erklärte. Zugleich wird an die katholische Tradition des „Aschermittwoch der Künstler“ – begründet übrigens von Paul Claudel – angeknüpft, jedoch mit dem Anspruch, einer eigenen protestantischen Färbung Raum zu geben. Jeder „Aschermittwoch der Künste“ steht unter einem bestimmten Thema, das im Dialog mit einem Künstler oder einem wechselnden Kunstbereich behandelt wird. So auch beim „Künstlerischen Sommerfest“. Mindestens einmal im Jahr soll ein Ort der Begegnung geschaffen werden, in dem Grenzbereiche, Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede von Kirche und Kunst ausgelotet werden hinsichtlich der Darstellung, Wahrnehmung und Deutung der Wirklichkeit.

Gern nahmen auch in diesem Jahr Fans und neu hinzugekommene Gäste das Angebot des Miteinander an. Zwar war man auch gespannt auf den Vortrag des diesjährigen Referenten Andreas Döring, Intendant des Schlosstheaters Celle zur Kultur in Stadt und Land. Leider ließ dieser den restlichen Abend auf sich warten. Es lag an einem Versehen seinerseits, für dass sich der Intendant beim Veranstalter entschuldigt hat. Der Geselligkeit hat dies keinen Abbruch getan. Zu open-air Musik unter freiem Himmel von Jürgen Kornas (Gitarre, Percussion) und Laurent Quiros (Mandoline, Gitarre, Gesang), zu denen sich spontan der Musiker Miko Mikulicz (Geige) gesellte – die Musiker hatten sich 14 Jahre lang nicht gesehen –, genoss man kleine Leckereien und so manch ein Gläschen Wein. Parallel zur lauschigen Szenerie auf dem Kirchplatz konnten Besucher im Café „nebenan“ Fotografien von Erika Ehlerding sehen.

Kulturcafé „nebenan“

Küsterdamm 9

29308 Winsen (Aller)

Tel.: 05143 / 668322

E-Mail: nebenan@evkirche-winsenaller.de

Das Café ist Sonntag bis Freitag von 15 – 18 Uhr geöffnet.

An Feiertagen und an Samstagen ist das Café geschlossen.

Fotos: Hubertus Blume (C) www.Landluft-Celle.de, 2015

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