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Bomann-Museum, Celle – Folge 3

Autor:
Aneka Schult-Fietz

Vierte Station: Biedermeier – Spottfigur und Aufbruchsgeist

Das Innen und Außen der Epoche des Biedermeier bildet den Kern dieser Station. Anschauliche Biografien illustrieren die familiären Verhältnisse von Kaufleuten und Handwerkern in Celle. Auf den Spuren dieser Personen geht es hinaus in das öffentliche Leben im 19. Jahrhundert. Auch Widersprüche werden markiert. So galt der Biedermeier als Spottfigur, kontrastreich zur „guten alten Zeit“. Über eine Medienstation können einzelne Objekte aufgerufen werden, auf Fingerdruck ertönt das häusliche Klavier. Auch die Rolle der Frau tritt in den Vordergrund. Wer mag, kann althergebrachte Back- und Kochrezepte in Papierform mitnehmen. Folgt man der Treppe nach oben betritt man die Schlafzimmer, auch die kleinen Privatsphären der Dienstboten. „In diese Zeit fällt die Entstehung der Kindheit als eigene soziale Kategorie“, weiß Langhammer. Um dies darzustellen, wurde auch ein Kinderzimmer eingerichtet. Ein besonders schönes Schaustück ist das von 1878 stammende Original Puppenhaus von Berta Schweiger aus Celle und als Gegensatz finden sich eindrucksvolle Zeugnisse der Kinderarbeit. „Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Jahrhundert ist das Aufkommen der Vereine“, so Langhammer. Es ist die Verschiebung von der kirchlichen zur bürgerlichen Kontrolle und das Aufkommen sozialer Fürsorge. In dieser Zeit nehmen durch das Engagement des Bürgertums Institutionen und Entwicklungen ihren Anfang, die bis in die Gegenwart fortwirken. Nebenbei: ausgefeilte Befestigungssysteme rücken manches Museumsobjekt der inszenierten Wohnräume in ein magisches Licht. Als Kontrast wird der Bürgerkultur das Leben in den Vorstädten gegenübergestellt. Das Beispiel des jüdischen Armenarzt Dr. Philipp Simon Dawosky zeigt, dass er sich in Celle niederlassen durfte mit der Auflage, die Bewohner der Masch kostenlos zu behandeln. Mit dem Sprung ins 20. Jahrhundert schließlich wird die Hinwendung zur staatlichen Fürsorge dargestellt. Stichworte wie „Rationalisierung“ fallen und Sozialer Wohnungsbau (Otto Haesler). Am Ende des Rundgangs stehen die „Revolutionen im Haushalt“, Stromversorgung, Ölkrise und Toast Hawaii. Ein Ruheraum bietet mediale Zusatzinfos und die Möglichkeit nochmaligen Abrufs aller Hörstationen.

Fünfte Station: Zwischen großen Bodenschätzen und kleinen Löhnen

Handwerk und Industrie ist Thema dieser Station. Im ersten Raum geht es um die Infrastruktur und Celles drei großen Bodenschätze: Kali, Erdöl und Kieselgur. In der Mitte des Raumes bedeuten Spinde wieder die individuelle Verortung des Themas an bekannte Protagonisten. „Hier findet man alle, von den Gastarbeitern bei Telefunken bis zu Harry Trüller“, betont Langhammer nochmals die Wichtigkeit direkter menschlicher Bezüge als Ausstellungskonzept. Die Perspektiven der Arbeit beleuchtet der zweite Raum. Am Beispiel einzelner Unternehmen aus der Region Celle werden Veränderungen von Arbeitsplätzen sowie Arbeits- und Lebensbedingungen von Handwerkern und Arbeitern veranschaulicht, Voraussetzungen für Unternehmertum und Umsatzsteigerung skizziert und das Ringen der Gewerkschaften um bessere Arbeitsbedingungen sowie die Bedeutung von Arbeitslosigkeit thematisiert. Peppige Farben stehen auch hier wieder im starken Kontrast zum Industrie-Grau. Kalkweiße Absperrlinien auf dem Boden nehmen spielerisch Kontakt mit Werkhallen auf. Sogar ein Laufband von Telefunken ist zu sehen.

Erste Station: Celle im Spiegel von Welt und Zeit

Zweite Station: Urtümlichkeit zwischen Schwarzsauer und Räucherfisch

Dritte Station: Heide und Hightech: Kontraste zur „Heilen Welt“

Sechste Station: Die Heide in den Augen der Maler und Poeten

Siebte Station: Migration und Integration – Schicksalsreisen nach Celle

Weitere Highlights des Bomann-Museums sind:

  • die aus der Entstehungszeit des Museums stammende, 1987 restaurierte „Ehrenhalle der Hannoverschen Armee“
  • die Abteilung Militärgeschichte im Residenzmuseum im Celler Schloss sowie ein bedeutender landesgeschichtlicher Sammlungsbestand
  • historische und kulturgeschichtliche Sonderausstellungen und Präsentationen moderner Kunst
  • die Eberhard-Schlotter-Stiftung Celle
  • die Stiftung Miniaturensammlung Tansey

Aktuelle Ausstellungen:

Miniaturen der Zeit Marie Antoinettes

Gert-Peter Reichert

Sonderausstellung zum 200. Jahrestag der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815

Immer wieder Napoleon…! Filmplakate aus der Sammlung Michael Großgarten

Infos zur Museumsgeschichte und Museumspädagogik unter: bomann-museum.de

Öffnungszeiten Museum:

Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr

abweichende Öffnungszeiten an Feiertagen möglich

Fotos: Hubertus Blume und Fotostudio Loeper, (C) www.landluft-celle.de, 2015

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Themen:
Museen

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