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Ballonfahrt mit Hinnerk Röhrs

Autor:
Redaktion

Mit dem Ballon übers Cellerland

Ein Erlebnisbericht von Hubertus Blume und fotografischen Eindrücken

Sonntagabend, ca. 21.30 Uhr, das Telefon klingelt. Es ist Hinnerk Röhrs, er fragt, ob wir bereit sind für eine morgendliche Fahrt mit dem Ballon – Treffpunkt 6.30 Uhr bei ihm zu Hause. Die Wettervorhersage passt, nicht zuviel und auch nicht zu wenig Wind. Wir sind zwar gerade erst von einer Wochenendreise zurückgekehrt, aber diese Gelegenheit wollen wir uns nicht entgehen lassen. Also Wecker stellen: 5.30 Uhr.

Bei Röhrs brennt noch oder schon Licht, der Landrover steht gepackt vor der Tür. Schnell einen Schluck Kaffee aus der Thermoskanne und los geht’s zum Startplatz – Biermannstraße, hinter dem Parkplatz, mit Blick auf die JVA. Noch ist Dämmerlicht, die Sonne nicht am Horizont zu sehen – wir haben Ende September.

Der Startplatz, eine unbenutzte Wiese, ist heute ideal für eine Fahrt über Celles schöne Altstadt. Doch erstmal heißt es anpacken, nämlich auspacken. Davor die offizielle Begrüßung – Tenor: Ab jetzt sind wir alle per Du und hier packt jeder mit an. Und dann kommt noch die Einweisung, Verhaltensmaßregeln, Sicherheitshinweise. Wir sind heute hier zu fünft – Hinnerk, der Kapitän und Verantwortliche für alles, mit einer Ballonerfahrung von über 5 Jahren und mehr als 300 Fahrstunden, seine Tochter Hanna, die gerade dabei ist, ihre Ballon-Lizenz zu machen, seine Frau Heike, die das Begleitfahrzeug fährt, um uns wieder „einzusammeln“, und wir beide, Renate und Hubertus Blume. Also vier Personen nachher im Ballon.

Jetzt geht’s ans Auspacken – der Korb muss raus, dann ein großer schwerer Sack mit der Ballonhülle und die Gasflaschen. Hinnerk kontrolliert alle sicherheitsrelevanten Teile und bereitet das Einblasen der heißen Luft vor. Um die 30 Meter liegt die Hülle noch flach auf dem Gras. Heike und Renate sorgen jetzt dafür, dass eine Öffnung für die Heißluftzufuhr entsteht. Und langsam, ganz langsam richtet sich die 3000 m³ umfassende Hülle auf. Nix wie rein, „schnell den Ballon zu entern“. Viel Platz ist in dem ca. 3 m² fassenden, aus Weiden geflochtenen Korb für vier Personen und die zwei Gasflaschen nicht gerade. Man nimmt Weiden für den Korb, weil die sich, besonders bei den Landungen, geschmeidig an alle Möglichkeiten anpassen können.

Navigations- und Funkgerät sowie ein Variometer sind selbstverständlich mit an Bord, ebenso ein Laptop, über das wir mit dem Begleitfahrzeug kommunizieren können. Man muss sich bei dieser Ballonfahrt nicht zwingend beim nächsten Tower anmelden, erfahren wir, denn wir werden uns in einem unkontrollierten Luftraum bewegen, der nach reinen Sichtflugbedingungen befahren wird. Und überdies ist hier im Luftraum, der von Wietzenbruch kontrolliert wird, um diese frühe Uhrzeit sowieso noch nichts los.

Noch bockt der Ballon ein bisschen. Er will noch nicht so richtig in die Luft. Der Wind ist optimal – er sollte nicht zu stark sein, damit der Ballon nicht über den Boden schleift. Der Ballon hebt ab, wenn der Auftrieb der erwärmten Luftmenge der Gewichtskraft von Hülle, Korb und Nutzlast entspricht. Wie gerade jetzt in diesem Moment – wir heben ab! Ein letztes Winken zu Heike, die wir am Boden zurücklassen.

Und schon verändert sich unsere Sichtwiese. Geräuschlos gewinnen wir Höhe, wenn da nicht immer wieder der Brenner zu hören wäre. Auf der rechten Seite liegt die JVA, begrenzt von der Aller, und schon sehen wir vor uns den Celler Hafen. Wir steuern direkt auf die Altstadt zu. Die Sonne hat die erste Wolkenschicht am Horizont überwunden und begrüßt uns auf dem Flug durch den östlichen Landkreis. Es ist ein herrliches Gefühl, bei dieser freien Sicht die einem so vertraute Umgebung aus der Vogelperspektive zu erleben.

Beim Fotografieren, dem Hauptanlass für diese Fahrt, bringe ich ein wenig Hektik in den Korb. Es gibt halt zuviel Motive für die Kamera, mal links, mal rechts oder nach vorn und dann wieder nach hinten mit der Kamera. Der Ballon bewegt sich relativ schnell, zwischen 20 und 30 km/h. In bereits etwa 300 m Höhe fahren wir über die Altstadt.. Zuerst das Schloss, jetzt Richtung Stadtkirche über die Dächer der Altstadt – ein faszinierender Blick aus der Luft, auf das, was man sonst nur aus der Bodenperspektive kennt.

Wir verlassen die Altstadt und bewegen uns Richtung Altencelle. Die ausgebrannte Sporthalle des Burgzentrums liegt unter uns. Wir überqueren das Gelände der Lebenshilfe in Altencelle, Richtung Osterloh. Versteckt zwischen Kiefernhainen erkennt man Häuser auf großen Grundstücken. Wir hangeln uns entlang der Aller Richtung Wienhausen. Hinnerk wollte uns eine Route der Highlights präsentieren – und er hat nicht zu viel versprochen.

Mit 30 km/h in einer Höhe von 300 Metern sehen wir die gesamte Klosteranlage Wienhausen unter uns, ein beeindruckendes Gebäudeensemble aus dem 13. Jahrhundert im Stil der Backsteingotik. Zu schnell treibt uns der Wind gen Osten, entlang der Aller, an den Rand des Landkreises. Jetzt erleben wir Landschaft pur – leichte Wölkchen liegen unter uns – für Hinnerk kein Problem, da alle anderen Wetterbedingungen stimmen. Eine Thermik, der Feind des Ballonfahrens, hat zum Glück noch nicht eingesetzt, ein Grund, weshalb Ballonfahrten meist am frühen Morgen oder späten Abend stattfinden. Thermische Böen würden die Ballonhülle, die nach unten offen ist, zusammendrücken und die Heißluft nach unten herauspressen. Der Ballon würde einen Teil seines Auftriebs verlieren und schnell beginnen zu sinken. Aber keine Panik auf der Titanic – unser Pilot Hinnerk hat alles unter Kontrolle.

Vorsichtshalber habe ich mein 600 mm-Teleobjektiv mitgenommen, um alles „in den Kasten“ zu bekommen. Für die meisten Aufnahmen war das zuviel, bei den aufgeschreckten Schwänen, dem Reh und der Maisernte konnte ich es aber richtig einsetzen. Auch unser Begleitfahrzeug hatte ich plötzlich im Sucher, um es natürlich fotografisch festzuhalten. Baum- und Feldstrukturen kann man wirklich nur durch langsames Fahren in niedriger Höhe hautnah erleben. Dieses lautlose Gleiten über Dörfer und Landschaften hinweg, nur unterbrochen durch das Geräusch des Brenners, der damit auch ein verstärktes Wärmegefühl auf dem Kopf erzeugt, vermittelt das Gefühl von Freiheit und Abenteuer.

Inzwischen haben wir den Landkreis Gifhorn erreicht – 25,5 km von unserem Startplatz entfernt, nun schaut sich unser Pilot nach einem geeigneten Landeplatz um. Hochspannungsmasten voraus, wir müssen noch mal an Höhe gewinnen. Dann kommt ein Wäldchen, danach Felder. Der Ort Päse liegt leicht hinter uns, vor uns Meinersen. Schon rechtzeitig vor der Landung gibt uns Hinnerk die notwendigen Anweisungen für eine sichere Landung: Hände an den Seilen festhalten, die Knie leicht einknicken und warten auf das, was kommt.

Vor uns ein unbestellter Acker mit Grünfläche, ideal zum Landen, keine Flurschäden. Der Ballon nähert sich dem Boden, vorbei an ein paar Bäumen, und bevor man sichs versieht, setzt er auf. Aber nicht ganz weich, denn der Wind hat zugenommen. Wir geraten in Schräglage, purzeln in dem kleinen Korb übereinander und werden noch einige Meter über den Boden geschleift, bis der ganze Ballon zu Ruhe kommt. Auf allen Vieren krabbeln wir raus. Ein befreites Lachen kommt uns über die Lippen, als wir wieder mit beiden Beinen auf festen Boden stehen.

„Irgendwann mal Angst gehabt?“ fragt uns Hinnerk. Von Renate und mir kommt ein promptes „Nein“ – dank seiner Ruhe und Souveranität hatten wir von Anfang an vollstes Vertrauen zu unserem Piloten. Wieder sicher gelandet, kreisen immer noch die eindrucksvollen Bilder aus luftiger Höhe im Kopf herum, doch die Realität holt uns schnell ein. Jetzt heißt es wieder anpacken, die Ballonhülle einrollen und rein in den großen Sack. Danach den Korb und die Gasflaschen in das Begleitfahrzeug. Heike war bei unserer Landung sofort vor Ort, dank GPS wusste sie immer punktgenau, wo wir uns befinden.

Ja, und was wäre eine Ballonfahrt ohne Rituale? Jetzt, wo alles gut gelaufen und für unseren Piloten die Routine beginnt, erfahren wir etwas über die Geschichte der Ballonfahrt. 1783 sitzen die Gebrüder Montgolfier in einem Wirtshaus und, so wird erzählt, beobachten, wie sich der Rock der hübschen Bedienung leicht hebt, wenn sie am Feuer des offenen Kamins vorbeigeht. Dies war der Beginn für die beiden Brüder, sich mit diesem Phänomen intensiv zu beschäftigen. Nach vielen kleinen Versuchen war man endlich soweit, eine erste Ballonfahrt mit Tieren zu erproben – eine Ente, ein Hahn und ein Hammel mussten herhalten. Sie haben das Experiment überlebt.

Als menschliche „Versuchskaninchen“ wurden ursprünglich zwei zum Tode Verurteilte wurden ausgewählt, mit der Aussicht auf Begnadigung. In der Nähe von Paris, wo dieses Ereignis zu Ehren König Ludwig XVI. stattfinden sollte, war der gesamte Hochadel vertreten, um dieses Schauspiel mitzuerleben. Was dem Adel aber gar nicht gefiel, war die Vorstellung, dass zwei Schwerverbrecher über dem Adel schweben sollten, vielleicht noch auf ihre Köpfe spucken – das ging gar nicht. Und so suchte man nach zwei geeigneten und für dieses Abenteuer bereiten Adligen.

Der Physiker Jean-François Pilâtre de Rozier und der Marquis François d’Arlandes entschlossen sich, auf dieses Wagnis einzugehen. Am 15. Oktober 1783 gelang den Wagemutigen die erste historisch gesicherte bemannte Luftfahrt der Menschheit. Der Ballon schwebte bei der etwa 25-minütigen Fahrt sicher vom Garten des Chateau La Muette über die Seine hinweg und landete sicher etwa 9 km vom Startplatz entfernt. Die Aeronauten wurden gefeiert, auch der König war begeistert. Es erfolgte ein Erlass, dass nur Adlige eine Ballonfahrt machen dürfe. Damit niemand gegen dieses „Gesetz“ verstößt – ja, deshalb wird man auch heute noch „geadelt“, wie in alten Zeiten.

Ich hatte ja schon vor vielen Jahren eine Ballonfahrt hinter mir und kannte die Prozedur, ich, „Graf Hubsi von der Gummilinse …“. Nun war meine Frau Renate an der Reihe, adelsmäßig mir zu folgen. Und so adelte der Pilot sie mit dem Namen „Baronin Renate zu Celles festem Haus, sanft aufgestiegene Genießerin, den alles festhaltenden Gatten treu über Schloss, alte Heimat, Kloster Wienhausen und Wolken begleitend bis zur sportlichen Landung bei Päse“.

(c) Landluft-Celle.de, 2018

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Landkreis

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