Aschauteiche bei Eschede

Autor:
Redaktion

Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser

Von Florian Friedrich

Es ist einer dieser nass-kalten Herbstmorgen, an denen man lieber länger im Bett bleiben und sich noch einmal in den warmen Federn auf die andere Seite rollen möchte. Aber an den Aschauteichen herrscht schon Hochbetrieb, denn die Zeit zum Abfischen ist gekommen. Der Morgen graut gerade, als sich acht Männer auf ihren Weg zu den Teichen machen. Alle tragen Wathosen, Gummistiefel und Regenjacken mit Kapuzen. Der Nieselregen schreckt sie nicht, denn mit dem nassen Element sind sie vertraut, es ist bei ihrer Arbeit allgegenwärtig.

Mit mehreren Fahrzeugen geht es über die Fahrdämme an den Fischteichen entlang bis zum Ablauf des großen Teiches. Auf Ladeflächen und Anhängern rumpeln die noch leeren Behälter, bereit, den Fang des Tages aufzunehmen.Viel Wasser ist nicht mehr im Teich. Soweit das Auge an diesem noch etwas diesigen Oktobermorgen reicht, ist vor allem Modder und Schlamm zu sehen. Von September bis November ist Erntezeit an den Aschauteichen. Das Wasser wird Teich für Teich abgelassen.

Vor dem Frost muss die Arbeit abgeschlossen sein, denn „unterm Eis können wir nicht fischen“, sagt Torben Heese, der Chef der Teichwirtschaft. Drei Wochen dauert es, bis der große Teich leergelaufen ist. So langsam und behutsam muss das ablaufen, damit die Fische möglichst geschont werden. Der September war recht warm und im flachen Teich hätten die zahlreich sich darin tummelnden Kiemenatmer schnell zu wenig Sauerstoff. Um das zu verhindern, läuft ständig frisches Wasser sprudelnd nach.

In den etwas tieferen Rinnen sammeln sich viele Fische, wie an den aus dem Wasser ragenden Rückenflossen zu sehen ist. Was für ein Getümmel. Sehr zur Freude von Torben Heese, dessen aufmerksamer Blick über den nun beinahe leergelaufenen Teich wandert. Er sorgt sich darum, dass auch wirklich alle Fische den Weg an die tiefste Stelle finden. Keiner soll zurückbleiben. Notfalls müssen die Verirrten von Hand eingesammelt werden. Doch an diesem Morgen läuft alles gut. Die Männer wissen was zu tun ist. Ein eingespieltes Team, bei dem jeder Handgriff sitzt.

Drei sorgen dafür, dass alle Fische den Weg zum Ablauf finden. Sie helfen in bester Fischermanier mit einem Netz nach. Einer bedient den Schieber und regelt damit die Strömung, mit der die Fische für dieses Jahr ihren Teich verlassen. Am Ablauf stehen weitere drei Männer, die Schwerstarbeit verrichten. Einer hält das Fischernetz, damit auch ja keines der Flossentiere entwischen kann. Aus diesem Netz keschert der zweite Mann die Fische heraus, wobei ihm der dritte helfen muss, denn viele dicke Karpfen und Schleien zappeln heute wieder im Netz.

Auf diese Weise geht es sehr schnell, bis der Bottich voll von Fischen ist. Der Mann an der Staueinrichtung reagiert und unterbricht den weiteren Zustrom. Ein Bagger hebt die schwere Tonne voller Fisch auf den Wagen. Dort wird eine Sauerstoffflasche angeschlossen, damit die nach Luft schnappenden Karpfen den weiteren Weg auch gut überstehen. Mit dem nächsten leeren Kübel beginnt das Spiel von vorn. Der Schieber wird wieder geöffnet und sofort rutscht mit dem Wasser der Fang ins Netz.

Nach knapp zwei Stunden sind alle Behälter auf den Wagen randvoll und der Einsatz am Teich ist für diesen Tag vorerst beendet. Arbeit gibt es aber auch jetzt noch reichlich. Die Fahrzeugkarawane setzt sich mit dem Fang in Bewegung Richtung Betriebshof. Hier angekommen versammeln sich alle zur Frühstückspause. Es wird gescherzt und gelacht. Die Arbeit verbindet und es herrscht eine angenehm ausgelassene Stimmung, besonders heute, weil es einen Geburtstag zu feiern gibt.

Nach der Pause werden die Bottiche der Reihe nach entleert und die Fische nach Art und Größe sortiert. An diesem Tag sind es rund zweieinhalb Tonnen. Die Gelegenheit, sich den Fang des Tages mal genauer anzusehen. An den Aschauteichen wird extensiv und naturintegriert Fischzucht betrieben. Das heißt zum Beispiel, dass nur wenig zugefüttert wird und stattdessen durch das natürliche Nahrungsangebot sehr vitale Fische heranwachsen. Vor allem zweijährige Karpfen und Schleien rutschen über den Sortiertisch. Diese Arten sind die Idealbesetzung für die Aschauteiche, denn sie nutzen das natürliche Nahrungsspektrum gut aus und konkurrieren nicht ums Futter. Aber auch einige Hechte tummeln sich dazwischen und unwillkürlich kommt die Frage auf, was denn der Hecht im Karpfenteich soll.

Es ist ein schlauer Gedanke, der dahintersteckt, denn die Hechte werden extra zugesetzt, damit sie die sogenannten Beifische fressen. Das sind solche, die über die Aschau zuwandern und in den Teichen nichts verloren haben, weil sie den Zuchtfischen das Futter wegfressen. Die Hechte sorgen also für die gewünschte Ordnung im Teich. Ihre Aufgabe erfüllen sie offenbar gut, denn nur wenig Beifisch findet sich dieses Mal.

Karpfen, Schleien

Die Karpfen und Schleien schlüpfen in den Aschauteichen aus dem Ei und bleiben drei Sommer lang dort. Die heute Gefangenen kommen demnach noch nicht auf den Speiseteller, sondern werden auf Hälterbecken aufgeteilt und schließlich wieder in die Teiche zurückgesetzt. Karpfen wird übrigens längst nicht mehr nur zu Weihnachten oder Sylvester gegessen. Längst haben Karpfenfilets ihren Platz in der modernen Küche gefunden. Die Spitzengastronomie im Cellerland bietet schmackhafte Karpfenleckereien und bezieht ihren Fisch auch von den Aschauteichen.

Flusskrebse

An den Aschauteichen wird täglich frisch in Erlenrauch geräuchert. Das Holz für die sechs Räucheröfen wird vor Ort geschlagen, um die gute Qualität zu sichern. Auch von Stammlieferanten bezogene Aale und Forellen werden hier auf diese Weise veredelt. Eine Besonderheit sind seit 1994 Flusskrebse, die in den Aschauteichen schlüpfen und drei bis vier Jahre heranwachsen. Saison haben diese kleinen Heidehummer im August. Sie werden dann lebend oder bereits gebrüht angeboten. Im schmucken Laden an den Teichen, verkehrgünstig direkt an der Bundesstraße gelegen, wird der Fisch verkauft oder auf Wunsch auch verschickt. Außerdem sind die Produkte der Aschauteiche bei ausgewählten Einzelhändlern im Landkreis Celle erhältlich.

Familie Heese

Das Fischerhandwerk in Aschauteiche ist eine lange Familientradition. Bereits 1906 gründete Martin Heese die Teichwirtschaft. Aus Rieselwiesen baute er die ersten Karpfenteiche. Sein Sohn und später auch dessen Sohn bauten das Familienunternehmen aus. Seit 2006 leitet Torben Heese, der Urenkel des Gründers, den Betrieb. Die ganze Familie und sein tatkräftiges Team stehen ihm dabei zur Seite.

Teichlandschaft

Die über 100-jährige Arbeit hat an den Aschauteichen eine Kulturlandschaft hervorgebracht, die einen besonderen Einfluss auf den Naturhaushalt hat. Über 80 Hektar Wasserfläche, verteilt auf rund 40 Teiche. Die Größe reicht von 30 Quadratmetern bis zu neun Hektar. Insbesondere die Vogelwelt profitiert davon. Aus diesem Grund ist der Bereich seit vielen Jahren als Wasser- und Vogelschutzgebiet verzeichnet. Der Wanderweg „Beim Hecht im Karpfenteich“ zeigt Wissenswertes. Fisch- und Seeadler, Reiher und Kormorane nutzen das reichhaltige Nahrungsangebot in den flachen Teichen ebenso wie Otter und Fuchs.

Nicht immer zur reinen Freude des Eigentümers, denn die Verluste sind schwer kalkulierbar. Dabei geht es nicht nur um die gefressenen Fische. Viele werden bei den Jagdversuchen nur verletzt und sind dann für die Vermarktung uninteressant. Doch Tierverluste sind nicht der einzige Faktor für Erfolg und Misserfolg. Das Wetter spielt dabei eine entscheidende Rolle. Warm und nass sollten die Sommer sein, damit nicht zu viel Wasser verdunstet, denn die Aschau kann nicht endlos nachliefern. Für dieses Jahr ist Torben Heese zufrieden. Rund 30 Tonnen Fisch wurden gefangen. „Vom Zuwachs her war es ein Jahr im oberen Mittelfeld.“

Bleibt nur noch die Frage an den Fischer zu klären, wie tief denn nun das Wasser ist. „Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt gerade einmal einen Meter.“

Fotos: Hubertus Blume/Thomas Steuer

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