47. Aller-Winter-Fackelschwimmen

Autor:
Redaktion

Sich treiben lassen im Fackelschein

Am 14. Februar ist es wieder soweit – das 47. Aller-Winter-Fackelschwimmen startet wie immer an der Allerbrücke bei Altencelle um 17.00 Uhr

Celler Bürger und ihre Gäste schwimmen bei winterlichen Temperaturen bis zu eineinhalb Stunden in der Aller – wir kommt man bloß auf so etwas? Hier ein Bericht mit Fotos aus vergangenen Jahren.

Wer trainiert ist, schafft die vier Kilometer in einer Dreiviertelstunde; wer sich treiben lässt, braucht doppelt so lange für die Strecke von Altencelle bis zur Pfennigbrücke. Das alljährliche Fackelschwimmen der DLRG in Celle zieht immer mehr Teilnehmer an. Doch die Gaudi im kalten Wasser hat durchaus auch einen ernsten Hintergrund.

Erst ist es ein Kälteschock, ein Beißen an den Zehen – dann steigt die Kälte langsam am Körper empor und lässt den einen oder anderen schon mal nach Luft schnappen. Etwa ein bis zwei Minuten dauert die Pein, dann erwärmt sich das Wasser im “Nassbiber”, dem mehrere Millimeter dicken Trockenanzug, und schützt den Körper vor dem drei Grad kalten Wasser der Aller. Zum 45. Aller-Winter-Fackelschwimmen der DLRG Celle waren 191 Teilnehmer im Alter zwischen 17 und 75 Jahren zum Startpunkt unterhalb der Brücke bei Altencelle gekommen.

Die Schwimmer sind zum Teil launig-bunt kostümiert und mit putzigen Accessoires ausgestattet. Hier ist am Ufer ein knall grünes aufblasbares Krokodil zu sehen, dort eine wärmende Filzmütze in Form eines Hais. Und ein Team sammelt sich um eine Schwimminsel mit dem stolzen Braunschweiger Löwen. Auch ein mit Pailletten bestückter rosafarbener Hut taucht auf. Die in Mützen und Schals dick eingemummelten Zuschauer auf der Brücke rätseln: Ob der die vier Kilometer lange Strecke wohl überstehen wird?

Nach einer kurzen Ansprache des Celler Stadtrats Stephan Kassel von einem der DLRG-Begleitboote aus erfolgt der Start. Bereits vor der ersten Kurve zieht sich das Feld der Schwimmer weit auseinander. Einige holen zu kräftigen Zügen aus, andere lassen sich bei einer Fließgeschwindigkeit von 4 Sekunden/Meter treiben.

Das älteste Winterfackelschwimmen in Deutschland ist einzigartig und zieht viele Teilnehmergruppen aus dem nördlichen Bundesgebiet an. Die Idee, zur Winterzeit in die Aller zu steigen, hatte 1966 der Ehrenvorsitzende des DLRG-Bezirks Celle, Karl Ströher, der seitdem bei jeder der 46 Veranstaltungen – zwei mussten wetterbedingt ausfallen – zum Teilnehmerfeld gehörte. “Das war damals eine reine Trainingsmaßnahme”, erinnert er sich an die Gründungszeit; “es ging darum, auch die Kälteperiode zum Training zu nutzen und außerdem Einsätze bei Dunkelheit zu üben”. DLRG Rettungsschwimmer und -Einsatztaucher müssten schließlich mit widrigen Umständen bei Wind und Wetter klar kommen. Zu diesen Winterschwimmen wurden bald DLRG-Mitglieder benachbarter Bezirke eingeladen, um im Katastrophenfall wie bei Hochwasser einander unterstützen zu können. “So lernten auch andere Schwimmer unser Revier kennen, um besser für den Ernstfall gerüstet zu sein.”  Zur Historie des Aller-Winter-Fackelschwimmen gehört auch die Unterstützung durch die örtlichen Feuerwehren und die ehemals in Celle stationierten britischen Truppen sowie deren Tauchclubs. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Ganze von einem reinen Trainig zu eienm öffentlichen Veranstaltungshighlight im Winterhalbjahr. Doch Karl Ströher betont: “Auch wenn die Leute mit viel Freude und Spaß dabei sind – für uns als DLRG steht immer noch die Ernsthaftigkeit des Trainings im Vordergrund.” Dazu gehören auch die Koordination und Betreuung des Events in Kooperation mit dem Technischen Hilfswerk, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Malteser Hilfsdienst und dem Allgemeinen Krankenhaus Celle. Ströher: “Diese Zusammenarbeit ist eine gute Schulung für den Ernstfall.”

Das rund 40-köpfige Einsatzteam der DLRG für diesen Tag sorgt von den Begleitbooten aus dafür, dass die starken Schwimmer sich nicht zu weit vorwagen und andere nicht den Anschluss verlieren – keine einfache Sache, denn unter den Teilnehmern sind ebenso trainierte Schwimmer und Taucher wie auch Leute, die das Winterschwimmen in der kalten Aller einfach nur mal ausprobieren wollen. Ströhers Sohn Achim ist stellvertretender DLRG-Bezirksleiter und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit zum Fackelschwimmen. Als Voraussetzungen für die Teilnahme nennt er geeignetes Equipment wie den Trockenanzug sowie “unbedingt einen Kälteschutz für Hände und Füße, denn die sind bei diesen Temperaturen problematisch”. Vor allem aber sei eine entsprechende Fitness wichtig.

Diese bewiesen auch die Teilnehmer des 46. Aller-Winter-Fackelschwimmens, die sich langsam dem Ziel nähern. Der Himmel färbt sich gerade in ein abendliches, kaltes Kobaltblau. Nur über dem Ziel reißen die Wolken noch einmal auf. Ein Rest von wintertrübem Tageslicht fällt auf den letzten Kilometer vor der Stadt – Zeit für die Fackelübergabe nahe der Lachte-Mündung. Die DLRG-Helfer legen die Fackeln bereit und halten Getränke warm, als schon die ersten Schwimmer eintreffen, darunter auch Ströher senior. Nach einigen Schlucken Tee ziehen sie ihre Bahn weiter, nun allerdings mit einer Fackel in der Hand. Unterwegs zünden einige Feuerwerk, in dessen Licht sich die Schwimmer vor der Uferbeleuchtung von dem schwarzen Wasser abheben.

“Ist euch nicht kalt da draußen? Hier drinnen ist es viel wärmer!”, tönt es munter vom Wasser zu den lachenden Zuschauern herüber, die auf dem Uferweg in Richtung Pfennigbrücke flanieren. Dort bietet sich dann ein stimmungsvolles Bild. Just als das samstägliche Abendgeläut der Celler Kirchen aus der Altstadt einsetzt, ziehen die ersten Fackellichter auf die Pfennigbrücke zu. Am Allerstrand hat sich bereits eine rund 2500 Zuschauer zählende Menge versammelt, um die Schwimmer mit Applaus und aufmunternden Zurufen zu begrüßen. Die steigen im Scheinwerferlicht von Kamerateams lokaler Fernsehsender und im Blitzlichtgewitter von Pressefotografen aus dem Wasser – gut gelaunt, einige aber auch müde und abgekämpft. Bei heißem Tee und einer wärmenden Suppe werden nun Erfahrungen ausgetauscht.

Auch der rosa farbene Hut erreicht unversehrt und nahezu trocken das Ufer. Seine Trägerin, Dorothea Krüger aus Wietze, macht bereits zum vierten Mal mit und das aus Überzeugung: “Dieses Fackelschwimmen ist jedes Mal eine Herausforderung für mich. Man kann sich selbst etwas beweisen.” Ein Team der Celler Heeresfliegerverbindungs- und Aufklärungsstaffel 100 ist bereits zum dritten Mal dabei. Als Flieger seien sie zwar weitaus härtere Trainings-Rettungseinsätze – etwa auf hoher See – gewohnt, aber das Aller-Winter-Fackelschwimmen, so die einhellige Meinung, sei etwas ganz Besonderes: “Die Atmosphäre und das Schwimmen mit den anderen auf die beleuchtete Stadt zu – das hat schon was.”

http://celle.dlrg.de/termine-u-veranstaltungen/allerschwimmen.html

Text: Margitta True

Fotos: Hubertus Blume

Themen:
Raum Celle

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