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Theater im Bus

Autor:
Redaktion

Spielstätte des Alltags statt Guckkastenbühne/

Vorstellung des Kooperationsprojekts zwischen CeBus und Schlosstheater

Text: Aneka Schult
Fotos/Vdeo: Hubertus Blume

CELLE. Er stürmt auf den Bus zu, seine Hände an den Scheiben. Aufgeregt schaut Melle durch die Fenster. Suchend. Panisch reagiert auch Dede. Auf der anderen Seite der Türen. Drinnen. Mit einer kurzen Szene aus dem Stück „Über die Grenze ist es nur ein Schritt“ von Michael Müller stellte das Schlosstheater Celle auf dem Gelände der CeBus jüngst sein neues Spielmodell vor: „Theater im Bus“.

Die Story des Zwei-Personenstücks – dargestellt von dem 26-jährigen Malte Fischer (Melle) und dem 24-jährigen Lukas von der Lühe (Dede) – sei hier in Kürze erzählt: Seit fünf Jahren lebt Dede – stammend aus Ghana, Afrika – in Deutschland, besucht die Schule und steht kurz vor dem Abitur. Er hat eine neue Heimat gefunden. Doch als aufgedeckt wird, dass sich seine Familie illegal in Deutschland aufhält, wird seine Mutter verhaftet und Dede muss seine Schwester Benedicta finden, um mit ihr zu fliehen. Auf der Suche nach ihr landen Dede und sein bester Freund Melle in einem Bus und erzählen den Fahrgasten Dedes Geschichte…

„Wir versuchen, den gesamten Bus möglichst kreativ zu nutzen“, erklärt Regisseurin Agnes Oberauer. Dabei sei es zwischenzeitlich wünschenswert, den Handlungsort zu vergessen – werden doch innerhalb des Busgeschehens auch Szenen aus Dedes Leben nachgespielt. „Hierbei verwenden wir als einzige Mittel die Kraft der Phantasie und jene wenigen Dinge, die in Dedes Tasche stecken“, verrät Oberauer. „Es findet kein Kostümwechsel statt.“

Inspiriert habe Oberauer der brasilianische Theaterautor und Regisseur Augusto Boal (1931 – 2009). Er entwickelte in den siebziger Jahren die Grundlagen des „Theaters der Unterdrückten“ wie eine Reihe von Theatermethoden, die die Einbeziehung der Zuschauer zum Ziel hat.

Wichtig sei auch im Bus das Publikum, das kein typisches ist. „Die Zuschauer, die in den Bus einsteigen, werden als Teil der Handlung gebraucht.“ Meinend, mit dem Bus ein Ziel zu erreichen, finden sie sich plötzlich als Zeugen eines individuellen wie universellen Schicksals wieder, denn dieses könne, so Oberauer, sinnbildlich für viele Migranten stehen.

„Zweimal wird der Bus losfahren“, hofft die Regisseurin, um nicht zu viel von der Spannung preiszugeben, „ansonsten bleibt er stehen.“ Der Bus, der nicht abfährt, sei eine gute Metapher für das Geschehen. Viele Recherchen seien der inszenierenden Arbeit vorangegangen. „Wir haben mit Flüchtlingen gesprochen. Auffallend war, so schlimm die Geschichten sind, so ähnlich sind sie sich. Immer wieder ist da die Rede von Unsicherheit, Alpträumen und Angst.“ Und die gebürtige Wienerin zitiert Stefan Zweig: „Früher hatte der Mensch nur einen Körper und eine Seele. Heute braucht er noch einen Pass dazu, um als Mensch zu gelten.“

Was vor allem hat diese Form der Umsetzung mit den Darstellenden gemacht? „Wir wurden noch einmal mehr gezwungen, uns mit dem ohnehin brisanten Thema auseinanderzusetzen“, sagt Malte Fischer. „Wir müssen uns fragen, was für uns die Grenzen des Zeigbaren sind.“ Das beschäftigt auch Lukas von der Lühe – diese Verantwortung, die man hat, wenn man so etwas spielt. „Man überlegt, ob man dem Ganzen überhaupt gerecht werden kann.“ Es sei unglaublich schwer, sich in die Lage dieser Menschen zu versetzen, denn jedes Schicksal ist so unfassbar und vor allem unfassbar weit weg von unserer Lebensrealität.

Für die jungen Schauspieler ist zudem der Handlungsort etwas Neues. „Wir spielen zum ersten Mal in einem Bus“, sagt Melle. Allein aufgrund der wechselnden Außenbereiche und unterschiedlichen Mitfahrer wird ihnen immer aufs Neue enorme Konzentration und Improvisation abverlangt.

Aline Bosselmann, die als Theaterpädagogin die Kooperation begleitet, findet, dass dieses Stück besonders gut für Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet ist. Austausch, soziales Vermischen und Anfreunden seien in dieser Lebensphase sehr wichtig. „Das Moment des Zusammenlebens tritt stark in den Vordergrund. Was passt da besser als eine Alltagsspielstätte anstelle einer großen Guckkastenbühne.“

Auch die Kooperationspartner sehen das so. „Wir als CeBus unterstützen das Schlosstheater gern bei seinem Vorhaben, Kinder für den richtigen Umgang mit Menschen und ihrem ausländischem Hintergrund zu sensibilisieren“, versichert der Geschäftsführer Bernward Franzky. „Was liegt näher, als einen Ort dafür zu wählen, an dem man sich im Alltag ständig begegnet, den Bus. Zudem haben Kultur und ÖPNV Gemeinsamkeiten. Beide werden als selbstverständlich vorausgesetzt, benötigen aber die Unterstützung der öffentlichen Hand. Deshalb ist es wichtig für Theater und Verkehrsunternehmen, neue Zielgruppen anzusprechen. Das soll mit dem Theaterstück erfolgen.“

Informationen für die Schulen

Schulen müssen sich nur bewerben, um an dem Theatererlebnis teilzunehmen. Einige hätten dies bereits getan. Noch besteht aber die Chance Premierenklasse zu werden. Premiere ist am 5. April. „Zum Stück bieten wir begleitend theaterpraktische Workshops für die Klassen an. Nachgespräche mit dem künstlerischen Team finden auf Wunsch direkt im Anschluss statt. Auch wird es eine Materialmappe geben, die zur eigenständigen Vor- und Nachbereitung mit der Klasse dient.

Folgende Termine sind noch zu vergeben: 5., 12. und 20. April. Uhrzeit: frühestens 9.30 Uhr. Stücklänge: 50 Minuten. Doppelvorstellungen sind möglich. Preis pro Schüler: 4,50 Euro. Buchungen bitte an Aline Bosselmann: theaterpaedagogik@schlosstheater-celle.de

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Raum Celle

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