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Das Schlosstheater Celle präsentiert das Spielzeitprogramm 2016/2017

Autor:
Meggie Hönig

Anspruchsvolles und Besonderes für Menschen, die zuhören, verstehen und sich austauschen möchten

Grundwerte, Freiheit, Gleichheit, Toleranz, Klimaverantwortung, Glauben – ja das sind wahrlich „große Themen”, wuchtige Themen, die sich das Schlosstheater Celle mit seinem neuen Spielplan für die Saison 2016/2017 aufgepackt hat – und damit das weiterverfolgt, was schon in der noch laufenden Saison begonnen worden ist. Es geht um Perspektivenwechsel, um „spielerische Reform-Versuche”. Reform-Versuche des Denkens? „Theater will dem Denken darüber, was werden soll, Zeit, Raum und Gemeinschaft geben.” Und befriedigt damit die Bedürfnisse des Theaterpublikums, das „zuhören, verstehen und sich austauschen” möchte. Trotz der großen Themen auf unterhaltsame Art, wie es sich für eine „poetische Anstalt” gehört.

Groß ist – wie in der letzten Saison – auch die Anzahl der Premieren: neun im Schlosstheater, ergänzt durch das inzwischen schon legendäre Sommertheater im Schlossinnenhof. Sieben in der Halle 19, vier im Malersaal, zwei auf der so sehr besonderen Turmbühne und ein „Theater-Parcours durch Zeit- und Stadtraum”, d.h. in der Stadtkirche und anderen Orten zu gleich zwei Jubiläen: „500 Jahre Reformation” und 725 Jahre Stadt Celle. Dieses ist sicher ein spannender Höhepunkt des Spielplans: In Kooperation mit der Stadtkirchengemeinde St. Marien Celle, der Stadt Celle und weiteren Partnern werden – als Aufbruch zu den Cellen der Erneuerung – Antworten nicht nur auf Fragen des Glaubens gesucht.

Im Schlosstheater – ein Klassiker ist’s, womit die Saison – unter Andreas Dörings Regie – Anfang September an den Start geht: Schillers „Don Carlos”, zu verbuchen unter dem Stichwort „Wiederbelebung”, weil zeitunabhängig aktuell, nämlich als Plädoyer für Freiheit und Toleranz sowie Tugend und Toleranz und dafür, seine Gefühle nicht zu verstecken.

Als Roman längst so etwas wie ein Klassiker ist Garcia Márquez’ „Die Liebe in Zeiten der Cholera”, eine der schönsten Liebesgeschichten der Welt und ein Hohelied auf den Zauber einer über 50 Jahre währenden Liebe. Hier gezeigt als Bühnenfassung und Inszenierung von Andreas Döring in Kooperation mit dem Altonaer Theater, wie sie im Februar diesen Jahres eben dort als deutschsprachige Erstaufführung Premiere hatte.

Ebenfalls auf einem Roman, nämlich von Joseph Roth aus dem Jahr 1930, basiert „Hiob”. Was ist das für ein Gott, der das Unglück von Menschen zulässt? Eine zu jeder Zeit aktuelle Geschichte über Menschen, Religion, Glauben, Schicksal und die Fragen nach Gott.

Migrationskonflikte, Religionskonflikte, Identitätskonflikte: Ayad Akhtars „Geächtet” gilt als Parabel von Paranoia und Hass, als ein Stück über die prägende Kraft von Religion und ethnischer Zugehörigkeit. Das sind sie wieder die „großen Themen”.

Wie üblich steht Mitte November das Weihnachtsstück an, für kleine und große Kinder, diesmal mit einer Theaterfassung der unsterblichen Pippi Langstrumpf, d.h. der weiß-rot-bestrumpften Pippilotta Victualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter.

In die Welt der Huren und Bettler, der Diebe und Erpresser der Zwanziger Jahre führt uns die Dreigroschenoper, im Programmbuch als „eine herrliche Mischung aus Kitsch, Ernst und mitreißender Musik ” angekündigt. Da können – unter der Regie von Sebastian Sommer – Ensemble und Band des Celler Schlosstheaters – ähnlich wie bei „Der große Gatsy” – wieder einmal zeigen, was sie auch musikalisch „drauf” haben.

Als Mord(s)krimikomödie ist Dürrenmatts „Physiker” eine verrückte Geschichte von drei verrückt-genialen Physikern, die im Sanatorium eines Irrenhauses untergebracht sind. Am verrücktesten aber ist, dass die drei Verrückten klarer sehen als irgendjemand in der Welt da draußen – und ihre Klugheit doch nicht ausreicht, die Zerstörungswut der eigenen Gedanken zu erkennen. Atomkraft, Energiewirtschaft, Fukushima – ein Repertoirestück, mit vielfältigen Möglichkeiten, aktuelle Fragen nach Verantwortung der Wissenschaft – und Wirtschaft – gegenüber der Menschheit zu stellen.

Und noch eine Komödie: Shakespeare darf nicht fehlen! Diesmal mit „Ein Sommernachtstraum”, nicht aber als Sommertheater. Das wird im nächsten Jahr ­ – wieder im Schlossinnenhof – ganz sicher ein großer Theaterspaß mit Beaumarchais’ „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit”, uraufgeführt im Jahr 1784, von Napoleon als „Sturmvogel der Revolution” bezeichnet und besser bekannt als gleichnamige.

Im Jahr der Jubiläen sind 200 Jahre Cellesche Zeitung Anlass genug, sich in Kooperation mit der Jubilarin höchstpersönlich fast ein bisschen sciencefiction-artig mit der Bedeutung von Medien in unserer Demokratie heute auseinanderzusetzen. Welchen Einfluss hat das Internet nicht nur auf das Medium Zeitung, sondern wie verändert es auch Kultur, Sprache und Gesellschaft?

Die Halle 19, der Malersaal und die Turmbühne geben sich wie immer experimenteller, politischer sowie zeit- und gesellschaftskritischer als die Stücke der Hauptbühne. „Wir sind die Guten”, ein Stück des britischen Gegenwartautors Mark Ravenhill, thematisiert die Angst vor Terrorismus, vor dem Islam und allem Fremden und stellt die Frage nach der Grenze zwischen Toleranz und wehrhafter Demokratie.

Um Cybermobbing und die Macht der sozialen Medien geht’s in „Haifisch im Netz” von Raoul Biltgen. Brandaktuell! So wie das neue Buch des Anwalts für Menschenrechte, Mehmet Gürcan Daimagüler „Alles wird gut”, das in Halle 19 auf die Bühne gebracht wird: nach „Kein schönes Land” die Fortsetzung seiner Familiengeschichte.

Umweltzerstörung, Erderwärmung, Natursterben – Jostein Gaarders Buch „2084 ­– Noras Welt” wird hier zum ersten Mal in einer Adaption unter der Regie von Agnes Oberauer auf einer Theaterbühne zu sehen sein. Nicht nur für Jugendliche!

Sicher auch im Hier und Jetzt angekommen, wird Fontanes gesellschaftskritischer Roman „Effi Briest” aus den Jahren 1894/1895 auf der Bühne umgesetzt. Lachen und gute Unterhaltung sind angesagt in Ralf Westhoffs Komödie „Wir sind die Neuen”, eine Alte-WG-Geschichte mit „Pointen im Minutentakt”.

Bereits in der noch laufenden Saison mehrfach und auf unterschiedlichste Art bearbeitet, gerade eben noch im nachdenklich machenden, unbedingt sehenswerten Stück „Fluchtpunkte”, wird auch jetzt wieder das Thema Flüchtlinge aufgegriffen – in einem mehrsprachigen Theaterprojekt mit Live-Musik, das von Schauspielern und Menschen mit Fluchterfahrung gemeinsam erarbeitet wird.

Im kleinen Malersaal ist man als Zuschauer selbst immer unmittelbar beteiligt, quasi mittendrin. So darf man teilnehmen an der „Tanzstunde” von Mark St. Germain, einem berührenden und witzigen Stück über ein ungleiches Paar.

Wie aber spielt man hier im Malersaal eine Komödie, die eigentlich für das mit 17.000 Sitzplätzen riesige Dionysos-Theater in Athen gedacht war? Der Titel „Der Frieden oder wie die Mistkäfer die Welt retten helfen”, nach einer Komödie von Aristophanes, macht neugierig.

Und darüber wird man sicher reden: Der britische Erfolgsautor Julian Barnes hat eine humorvolle und charmante Dreiecksgeschichte geschrieben. „Darüber reden” – über eine Freundschaft zwischen zwei Männern, die zu Kontrahenten werden, weil sie sich – ach je – in dieselbe Frau verlieben.

Und noch einmal Mark Ravenhill: Ensemblemitglied Felix Meyer zeigt mit „Das Produkt” eine Theaterarbeit aus seinem Repertoire, die erstmals im Jahr 2009 im Theater im Bauturm in Köln zu sehen war – dort wie hier unter der Regie von Thomas Ulrich, Theaterregisseur, selbst Schauspieler und Dozent, der sich in Köln längst einen Namen gemacht hat. Eine Satire über Vor- und Pauschalurteile über den Islam.

Turmbühne – Was heißt es, mit einer Religion zu leben? „Hanna (Johanna von Gutzeit) will es wissen” und präsentiert ihre Erkenntnisse als Recherchetheater für Kinder auf der Turmbühne. Dort zu sehen ist gleich noch eine Geschichte für Kinder, ein Stück nach Rafik Schamis Kinderbuch „Fatima und der Traumdieb”. Rafik Schamis zahlreiche (nicht nur Kinder-) Bücher faszinieren durch eine blumige und bildreiche Sprache und geben Einblicke in syrische und orientalische Lebens- und Denkweisen.

Man hat sich wieder viel Besonderes vorgenommen, mit diesem thematisch breit gefächerten und weitestgehend anspruchsvollen Programm, das hoffentlich auch Menschen über die Celler Region hinaus begeistern wird.

Foto: Hubertus Blume

vordere Reihe v.l.n.r.: Christina Behre (Leiterin Theaterkasse), Andreas Döring (Intendant), Aline Bosselmann (Theaterpädagogin). hintere Reihe v.l.n.r.: Ralph Blase (Leitender Dramaturg), Jörg Grünhagen (Marketingleiter), Stephan Bruhn (Geschäftsführer), Linde Schröder (Dramaturgin)

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