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Radwandern durch den Lüßwald

Autor:
Florian Friedrich
Orientierungskarte zum Radwandern durch den Lüßwald; Länge: 25 km, ohne Gedenkstein und Schelploh 21 km; Kartengrundlage: openstreetmap.org

Orientierungskarte zum Radwandern durch den Lüßwald; Länge: 25 km, ohne Gedenkstein und Schelploh 21 km; Kartengrundlage: openstreetmap.org

Der Rundweg führt uns fast ausschließlich durch Wald. Der Lüß ist ein alter Wald und gehört heute zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten in Deutschland. Darüber hinaus weist er auch eine hohe Wilddichte auf, so dass im Verlauf der Tour so manche Wildsichtung möglich ist. Sogar die Fährte des Wolfes wurde hier wiederentdeckt, mag er doch die ruhige Abgeschiedenheit und menschenleere Einsamkeit des Lüßwaldes.

Hütten laden untergwegs zu einer Rast ein

Hütten laden untergwegs zu einer Rast ein

Wir bewegen uns fast ausschließlich auf ausgebauten Rad- bzw. befestigten Waldwegen. Da im Lüßwald Forstwirtschaft betrieben wird, müssen wir allerdings stellenweise mit Beeinträchtigungen der Wege rechnen. Entsprechende Wegeabschnitte, die zur Zeit der Rundwegplanung schwer befahrbar waren, sind in der Karte dementsprechend markiert. Einkehrmöglichkeiten sind, außer in Unterlüß, rar. Am Rundweg laden aber von Zeit zu Zeit einfache Holzhütten zu einer Rast ein, insbesondere bei schlechtem Wetter.

Synthetischer Hirsch

Röhrender, synthetischer Hirsch in Weyhausen

Röhrender, synthetischer Hirsch in Weyhausen

Unser Rundweg durch den Lüßwald beginnt in Weyhausen. Um an die Geschichte des Jagdschlosses Weyhausen zu erinnern, wurde im September
1998 im Rahmen des Projektes „Magische Orte“ das von Eugen Egner geschaffene Kunstwerk „Synthetischer Hirsch“ eingeweiht. Es steht an historischer Stelle, unmittelbar an der B191, und erinnert auf illustre Art an die hier vom Hochadel betriebene Jagd auf die kapitalen Hirsche des Lüßwaldes.
Bereits in herzoglicher Zeit war die Gegend für ihren Wildreichtum, insbesondere von Rot- und Schwarzwild, berühmt. Der Celler Herzog Christian Ludwig ließ hier ab 1653 eine große umzäunte Anlage errichten, die ihm bei seinen zahlreichen Jagdausflügen als Ziel diente und seinen adeligen Gästen als Unterkunft genügte. Der Baumeister Benedikt de Münter schuf für den Herzog ein repräsentatives Jagdschloss, mit Stuckdecken in den fürstlichen Gemächern. Das Jagdschloss wurde stetig erweitert und war zum Zeitpunkt des Todes von Herzog Christian Ludwig im Jahre 1665 immer noch nicht gänzlich fertiggestellt. Sein Bruder und Nachfolger Herzog Georg Wilhelm erweiterte das Jagdschloss und passte es seinen Bedürfnissen an. Er jagte gern Parforce, das heißt, er betrieb die Hetzjagd mit Hundemeute und Reitern auf einen einzelnen ausgewählten Hirsch. Zu diesem Zweck wurde Platz für die große Jagdhundemeute und viele Pferde geschaffen.

Hasengarten

Hsengartens bei Weyhausen/ Ldkr. Celle - Ein herzogliches Jagdgehege des 17. Jahrhunderts

Umwallung des Hsengartens bei Weyhausen/ Ldkr. Celle – Ein herzogliches Jagdgehege des 17. Jahrhunderts

Auch ein großes Hasengehege ließ Georg Wilhelm 1678 in der Nähe des Jagdschlosses anlegen. Hundert Jahre später wurde es noch
in Landkarten als königlicher Hasengarten verzeichnet. Die Umwallung der Anlage ist zum größten Teil bis heute im Wald erhalten, allerdings kein Teil des Rundweges, da sie schwer zu erreichen ist.
Nachdem Herzog Georg Wilhelm im Jahre 1705 gestorben war, nutzte sein Neffe Kurfürst Georg Ludwig das Jagdschloss in Weyhausen weiter, auch noch, als er 1714 als Georg I. König von Großbritannien wurde. Sein Sohn und Nachfolger wiederum – König Georg II. – nutzte das Jagdschloss deutlich seltener und kehrte hier auf der Rückreise aus der Göhrde hin und wieder ein, während König Georg III. die hannoversche Heimat überhaupt nicht mehr besuchte und die viel gerühmten Jagdeinrichtungen in und um Celle schließlich aufgab. So wurde auch das Jagdschloss in Weyhausen ab 1775 abgerissen. Einige Gebäude und Teile der Inneneinrichtungen wurden an anderen Orten wiederverwendet, z.B. am Amtshof in Beedenbostel und in der Oberförsterei Helmerkamp.
Heute sind in Weyhausen oberirdisch keine Spuren des Jagdschlosses erhalten. Lediglich der Gewölbekeller unter dem später gebauten Forsthaus und ein alter Sandsteinbrunnen von 1658 sind noch stumme Zeugen, aber leider nicht zugänglich.
Von Weyhausen aus radeln wir in Richtung Unterlüß. Der Rundweg führt uns den an der L280 verlaufenden Radweg entlang. Zunächst überqueren wir die Lutter, deren Quelle unweit östlich der Straßenbrücke liegt. Erst seit 1866 führt hier eine Brücke über die Lutter. Der Bachlauf ist Teil des Naturschutzgebietes Lutter.

Nach Überqueren der Brücke fahren wir durch den Wald und bekommen schnell einen Eindruck von der Größe des Lüß. Etwa 5 km weiter biegen wir rechts ab und folgen dem gut befestigten Waldwirtschaftsweg tiefer in den Forst.

Wer den Rundweg um 2,5 km verkürzen möchte, folgt dem Fahrradweg entlang der Straße weiter und stößt hinter dem ehemaligen Forsthaus Lünsholz wieder auf den Rundweg.

Abteilungsstein

Holzhütte am Wegesrand

Holzhütte am Wegesrand

An der ersten Holzhütte, die zu einer Rast einlädt, finden wir einen nummerierten Stein. Solche Steine begegnen uns im Lüß – und nicht nur hier – öfter. Es handelt sich um einen sogenannten Abteilungsstein, der deutlich macht, dass wir uns in einem Staatsforst bewegen. Zur besseren forstwirtschaftlichen Planung wurde bereits im 18. Jahrhundert begonnen, herrschaftliche Waldungen in Gehaue einzuteilen, die oft mit Erdwällen oder Gräben sichtbar abgegrenzt waren. Die Nachfolger dieser Gliederung wurden Jagen genannt und stammen aus der Zeit des 19. bzw. 20. Jahrhunderts. Auch bei ihnen handelt es sich um forstliche Flächeneinheiten, die meist mit Wegen voneinander getrennt und zusätzlich an den Eckpunkten mit nummerierten Steinen markiert sind. Sie werden heute Abteilung genannt. An der Wegekreuzung stehen wir laut Stein zwischen Abteilung 134 und 133.

Forst-Abteilungs-Stein im Lüßwald, Ldkr. Celle

Forst-Abteilungs-Stein im Lüßwald, Ldkr. Celle

Wir fahren von hier aus nicht weiter in den Wolfswinkel – ein alter Flurname, der belegt, dass der Wolf auch in alter Zeit im Lüßwald heimisch war –, sondern biegen nach Nordwesten ab, um den Lüßberg zu „erklimmen“ (vgl. Karte).

Weg durch den Lüßwald

Weg durch den Lüßwald

Längst ist uns aufgefallen, dass die Südheide – der Naturraum, in dem wir uns befinden – nicht annähernd so flach ist, wie es immer heißt. Die eiszeitliche Entstehung dieses Landstriches hinterließ eine hügelige Landschaft, mit dem 130 m hohen Lüßberg als höchstem Punkt. Der Lüß bildet die Wasserscheide zwischen Elbe und Aller.

Gedenkstein für Orkan von 1972

Gedenkstein für den Orkan von 1972

Gedenkstein für den Orkan von 1972

Dort, wo unser Rundweg abknickt, machen wir einen kleinen Abstecher nach rechts. Unser Ziel ist nach etwa 300 m der Gedenkstein für den verheerenden Orkan von 1972. Bänke laden am Gedenkstein zu einer kurzen Rast ein, bevor es zurück und weiter in Richtung Unterlüß geht. Dort, wo wir wieder die Straße erreichen, unterqueren wir mehrere Hochspannungsleitungen. Für deren Wartung und Pflege wird eine breite Schneise quer durch den Lüß freigehalten.

Text der Info-Tafel: Am 13. November 1972 richtete ein schwerer Orkan große Verwüstungen in Norddeutschland an. Innerhalb von 2 Stunden fielen 17 Millionen Festmeter Holz dem Sturm zum Opfer. Allein im Bereich des Forstamtes Lüß betrug die Sturmholzmenge 320.000 Festmeter, was dem 15-fachen normalen jährlichen Holzeinschlag entsprach. Die wieder zu bepflanzenden Flächen umfassten 1.700 Hektar. Dieser Stein wurde bei der Rekultivierung von Sturmflächen im Wendsloh (Abt. 53) aus dem Boden gepflügt. Er erinnert an diese Naturkatastrophe, aber auch an die Arbeit und den Fleiß aller, die diese Schäden beseitigten.

 

Forstamt Unterlüß

Sitz des Niedersächsischen Fortamtes Lüß

Sitz des Niedersächsischen Fortamtes Lüß

Ein Stück des Weges weiter sehen wir auf der linken Straßenseite das Forsthaus Lüß.
Nachdem es 1898/99 erbaut worden war, zog die ursprünglich in Eschede und für kurze Zeit auch in Dalle untergebrachte Oberförsterei hierher um. Das heutige Niedersächsische Forstamt Unterlüß betreut fast 20.000 ha Wald.
In der Kurve endet der Radweg und wir folgen dem Hinweisschild für Radfahrer weiter in Richtung Bahnhof. Durch die Unterführung kommen wir auf die andere Seite der Gleise.

Lüßwaldbahnhof

 

Grünes Licht im Lüßwaldbahnhof von Unterlüß

Grünes Licht im Lüßwaldbahnhof von Unterlüß

Immer wenn in Unterlüß ein Zug anhält, erstrahlt seit 2010 der Bahnhofstunnel für etwa 20 Minuten in grünem Licht. Auf künstlerischem Wege wird so die Überleitung vom Wald zum Ort geschaffen.
Der Unterlüßer Bahnhof ist die eigentliche Keimzelle des Ortes. Im Jahre 1847 wurde im Zuge des Bahnbaus an dieser Stelle mitten im Nirgendwo ein Haltepunkt eingerichtet. Zunächst tat sich hier in der Einsamkeit von Wald und Heide nicht viel. Von einem Ort konnte noch lange nicht die Rede sein. Aber eben diese Abgeschiedenheit mit Bahnanschluss war 1899 ausschlaggebend für die Anlage des Schießplatzes der Firma Rheinmetall.

Historische Postkarte vom Schießplatz in Unterlüß; Kreisarchiv Celle

Historische Postkarte vom Schießplatz in Unterlüß; Kreisarchiv Celle

Munitions- und Waffenfabrik folgten und mit Einzug der Industrie siedelten sich hier Arbeiter und Angestellte an. Die offizielle Ortsgründung von Unterlüß erfolgte schließlich 1910. Auch heute noch ist Rheinmetall der wichtigste Arbeitgeber vor Ort. Am Standort Unterlüß werden Waffensysteme entwickelt, gebaut und vor allem auch getestet. Sollte auf unserem Rundweg durch den Lüß also ein lauter Knall die Ruhe kurz unterbrechen, dann kommt er mit ziemlicher Sicherheit vom Schießplatz im Norden von Unterlüß.
Vom Bahnhof aus radeln wir Richtung Hermannsburg die Straße entlang. Am Radweg weist ein Hinweisschild den Weg zum Albert König Museum, das im ehemaligen Wohnhaus des Künstlers eingerichtet wurde.

Albert König Museum

Selbstbildnis von Albert König

Selbstbildnis von Albert König

Albert König war ein bedeutender Maler und Graphiker. Geboren wurde er 1881 im nahen Eschede, wohin es ihn später auch wieder zurück zog. 1927 baute er das Haus in Unterlüß, wo er 1944 starb. Seine Witwe vermachte seinen künstlerischen Nachlass und das Haus der Gemeinde Unterlüß. So konnte 1987 das nach ihm benannte Kunstmuseum eröffnet werden.

Albert König Museum Unterlüß: Mai–Oktober: Di.–So. 14.30 bis 17.30 Uhr, montags geschlossen; November–April: Sa./So. 14.30 bis 17.30 Uhr, Tel. 0 58 27 / 3 69

Halali-Linde als Holzschnitt von Albert König, 1923

Halali-Linde als Holzschnitt von Albert König, 1923

Gezeigt werden neben den Werken Königs auch wechselnde Ausstellungen verschiedener Künstler sowie eine interessante Dauerausstellung zur Kieselgur – einem weiteren historischen Highlight der Südheide.

Zurück auf dem Rundweg, verlassen wir Unterlüß und biegen schließlich nach links auf die Siedenholzbahn ab. Nun geht es eine weite Strecke bergab in Richtung Südwesten.

Halali-Linde

Bis sie 1945 der Säge zum Opfer fiel, stand an dieser Stelle eine riesige Linde, von der Geschichten aus alter Zeit erzählt werden. Nach Meinung der einen soll der Herzog hier ein seltenes Wild erlegt haben, nach Meinung der anderen hatte sich der Herzog bei der Jagd verirrt und an dieser Stelle zur Jagdgesellschaft zurückgefunden, als diese das Halali bliesen.

Neu ausgetriebene Halali-Linde bei Unterlüß

Neu ausgetriebene Halali-Linde bei Unterlüß

Der alte Baum ist nur auf wenigen Zeichnungen und dem hier gezeigten Holzschnitt von Albert König (1923) festgehalten.
Aus dem Stumpf ist längst wieder eine neue Linde gewachsen, die an das Besondere dieses Ortes erinnert.

Unweit hinter der Halali-Linde ist ein Stück der Siedenholzbahn mit Feldsteinen gepflastert. Der Überlieferung nach soll dies von französischen Soldaten veranlasst worden sein, damit sie mit ihren schweren Wagen besser die Steigung nehmen konnten. Im Volksmund wird diese Stelle darum auch Napoleonshügel genannt.

Franzosengrund

Alte Steinpflasterung an der Siedenholzbahn

Alte Steinpflasterung an der Siedenholzbahn

Zwischen 1806 und 1813 lagerten am Forstort Siedenholz französische Soldaten auf ihrem Weg nach Osten. Zweimal lagerten hier ganze Divisionen (jeweils um 6000 Mann) mit Artillerie und vielen Pferden. Ein wichtiger Nachschubweg der französischen Armee führte bis 1813 hier entlang. Nach Abzug der Soldaten wurde dieser Ort in Erinnerung daran Franzosengrund genannt.

Forsthaus Siedenholz

Forsthaus Siedenholz

Forsthaus Siedenholz

Das Forsthaus Siedenholz gehört zu den ältesten Häusern der Gemeinde Unterlüß und wurde bereits im Jahr 1697 erwähnt. Das heutige Gebäude stammt aber erst von 1818. Lange wurde es als Waldarbeitergehöft genutzt, bis es schließlich 1996 von den Niedersächsischen Landesforsten zum Jugendwaldheim umgebaut wurde. Jugendliche sollen im denkmalgeschützten Gebäude und der reizvollen Umgebung wieder näher an den Wald und die Natur herangeführt werden.
Dieser Aufgabe wird im Waldpädagogik-zentrum Ostheide „Haus Siedenholz“ von engagierten Mitarbeitern nachgegangen. Wenn es nicht von Jugendgruppen belegt ist, kann das Haus auch von Selbstversorgern für Veranstaltungen angemietet werden.

Schild am Jugendwaldheim Siedenholz, dem Waldpädagogikzentrum

Schild am Jugendwaldheim Siedenholz, dem Waldpädagogikzentrum

Waldpädagogikzentrum Ostheide, Haus Siedenholz, Tel. 0 58 27 / 97 08 21

Der Rundweg geht von hier aus weiter nach Osten. Wir folgen dem Weg, bis wir rechter Hand die Möglichkeit bekommen, den Bahndamm zu unterqueren.

Eisenbahnunterführung

Eisenbahnunterführung der Strecke Hannover-Hamburg

Eisenbahnunterführung der Strecke Hannover-Hamburg

Die 1847 eingerichtete Bahnstrecke von Hannover über Lehrte, Celle und Eschede nach Harburg wurde 1872 bis Hamburg verlängert. Heute ist sie eine Hochgeschwindigkeitsstrecke des ICE. Vom Erklettern des Bahndammes sei daher unbedingt abgeraten. Wir unterqueren die Gleise und folgen dem Weg weiter, bis wir wiederum die bereits vor Unterlüß gesehene Hochspannungstrasse kreuzen und danach auf einen Wegestern zufahren.

Tilemannseiche

Tilemannseiche erinnert an Oberforstmeister Carl Tiedemann

Tilemannseiche erinnert an Oberforstmeister Carl Tiedemann

Die Eiche mitten auf dem Wegestern ist eines der Naturdenkmale des Landkreises Celle. Die Tilemannseiche erinnert an den am 2. August 1872 in Eschede verstorbenen Oberforstmeister Carl Tilemann. Geboren wurde er am 3. Dezember 1796 und ab 1848 war er Oberförster im Lüßwald und der wahrscheinlich bedeutendste Forstmann in der Südheide. Er prägte vor allem die systematische Aufforstung der riesigen Heideflächen.
Der Standort des Baumes auf dem Wegestern kann im Zusammenhang mit dem Jagdschloss in Weyhausen gesehen werden. Es ist wahrscheinlich, dass es sich um einen alten Jagdstern handelt, von dem aus auf wechselndes Wild geschossen wurde. Auch das schnelle Vorankommen der die Parforcejagd begleitenden Kutschen ermöglichten die vielen Wege durch den Wald. Wirkliche Belege für diesen jagdlichen Hintergrund des Wegesterns gibt es indes leider nicht.
Von der Tilemannseiche aus fahren wir nach Südosten weiter bis zum nächsten Wegestern, um hier nach Osten abzubiegen (vgl. Karte). Ein gutes Stück weiter treffen wir auf einen weiteren Wegestern, der eine Künstlerin zu einer Installation mit Schatzkiste inspirierte.

Schatz am Schelploher Stern

Schatzkiste am Schelploher Stern

Schatzkiste am Schelploher Stern

Im Rahmen des Projektes „Magische Orte“ empfand die Künstlerin Grit Wuttke den Wegestern als einen Ort, um zur Ruhe zu kommen und sich „beschenken“ zu lassen. Viele Wege sind von hier aus möglich, vielleicht führt einer sogar zu einem Schatz. Hintergrund dieses Gedankens ist eine der Gründungslegenden des Hofes Schelploh, wonach einst ein Mann aus Dalle an einem reiterlosen Pferd einen Beutel mit Goldmünzen fand und mit diesem unerwarteten Schatz den Hof Schelploh begründet haben soll. Eine kleine Schautafel vor Ort bietet mehr Informationen.

Weg durch den "Söltergrund"

Weg durch den „Söltergrund“

Unser Rundweg führt von hier aus auf zwei möglichen Strecken zum Ausgangspunkt zurück. Der östliche Weg ist stellenweise recht schwer passierbar, führt aber durch den „Söltergrund“, der seinen Namen von den hier rastenden Salzfuhrleuten aus Sülze haben soll, die ihr Salz in die Altmark brachten. Der Weg streift das Naturschutzgebiet Lutter, ist etwa 2 km kürzer, aber nicht in der Dämmerung zu benutzen. Befestigt wurde dieser Weg übrigens auch mit Resten der Villa Schelploh.

Gedenkstein Forstmeister Baak

Gedenkstein für Forstmeister Baak

Gedenkstein für Forstmeister Baak

Nicht unmittelbar am Rundweg gelegen, aber durch Wege erschlossen (vgl. Karte) ist der Gedenkstein für Forstmeister Wilhelm Baak. Er war Forstwissenschaftler in Hamburg und plante 1952 das rund 450 ha große Wildschutzgatter, das gut 40 Jahre lang bestand hatte und den Anbau der Douglasie erst ermöglichte. Für diese Leistung wurde ihm nach seinem Tode der Gedenkstein gesetzt.
Vom „Schatz am Stern“ führt der gut befestigte Rundweg weiter nach Süden bis zur Rückseite der Gartenanlage des ehemaligen Landhauses Schelploh. Wir durchqueren ein Wildgatter, das wir bitte unbedingt wieder schließen.

Villa Schelploh

Historische Postkarte der Villa Schelploh

Historische Postkarte der Villa Schelploh

Wie alt der Bauernhof Schelploh war, um dessen Gründung sich Sagen ranken, ist unklar. Die Ursprünge könnten zurück bis in das 15. Jahrhundert reichen. Sicher ist, dass 1905 der Hamburger Geschäftsmann Bernhard Blumenfeld einen Teil des Hofes kaufte und hier ab 1906 das große Landhaus Schelploh erbauen ließ. Auf dem etwa 5 ha großen Grundstück wurde 1912 von der Hamburger Gartenbaufirma Jacob Ochs nach Plänen des Kölner Stadtgartendirektors Fritz Encke ein herrlicher Park angelegt.

Erhalten ist nur das Tor zum ehemaligen Park der Villa Schelploh

Erhalten ist nur das Tor zum ehemaligen Park der Villa Schelploh

Im selben Jahr verkaufte Blumenfeld das Anwesen und es wechselte in der Folge oft den Besitzer. Während des Zweiten Weltkrieges war die Villa Gästehaus von Rheinmetall-Borsig, nach dem Krieg nutzte es die britische und während der Luftbrücke nach Berlin die amerikanische Armee als Freizeitheim. Danach diente die Villa als Ausflugslokal, Altenheim und zeitweise als Wohnheim für türkische Gastarbeiterinnen der Firma Telefunken in Celle. Für einige Jahre wurde hier dann noch der „Privat-Club“ Landhaus Schelploh betrieben.
Die Villa stand anschließend viele Jahre leer, bevor sie im März 2005 ausbrannte. Heute zeugt nur noch der verwilderte Park von der Vergangenheit.
Wir folgen dem Radweg entlang der B191 zurück Richtung Weyhausen zu unserem Startpunkt. Unterwegs lädt ein weiterer „magischer Ort“ zu einem kleinen Abstecher über die Bundesstraße ein.

Ehemalige Schlafmittelfabrik

"Magischer Ort" an der ehemaligen Schlafmittelfabrik

„Magischer Ort“ an der ehemaligen Schlafmittelfabrik

Am ehemaligen Standort des Zweigwerkes der Chemiefirma Bayer wurden 1998 im Rahmen des Kunstprojektes „Magische Orte“ Installationen von drei Künstlern (Edel Klatt, Hildegard Mahn und Tom Reichelt) aufgestellt. Damit soll an die hier zwischen 1888 und 1904 betriebene Herstellung des Schlafmittels Sulfonal erinnert werden.
Trotz der damaligen Heideeinsamkeit kam es zu Beschwerden über den bestialischen Gestank, der bei der Produktion frei wurde. Nachdem die kleine Fabrik 1904 nach einem Kurzschluss abgebrannt war, wurde die Produktion nach Leverkusen verlagert. Lediglich einige Mauerreste zeugen noch von der kurzen Industriezeit Schelplohs. Die Lutter hat sich indes wieder prächtig erholt, dank aufwendiger Bemühungen.

 

Text und Fotos: Florian Friedrich

 

 

Cover der Radwanderbroschüren

Cover der Radwander-Broschüren

Dieser Rundweg ist auch in gedruckter Version erhältlich. Mit sechs weiteren Rundwegen wurde er 2012 unter dem Titel: „Radwandern auf kulturhistorischer Spurensuche in der Leaderregion Lachte-Lutter-Lüß“ zu einer Broschürensammlung zusammengefasst. Gegen eine Schutzgebühr von 1,50 € ist die Sammlung noch in den Rathäusern in Lachendorf und Eschede erhältlich. Zum kostenlosen Download auf das nebenstehende Cover der Broschürensammlung klicken.

 

 

 

Themen:
Radfahren

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