Webhosting ohne böse Überraschungen - xt:commerce, Template, Hosting und SEO - FIETZ.MEDIEN GmbH

Miniflaschen – die größte Sammlung der Welt

Autor:
Redaktion

Die verbotenen, die seltenen, die obszönen – er hat sie alle.  Hans-Peter Perchner besitzt die größte Sammlung von Miniaturflaschen weltweit. 102.000 kleine Fläschchen stehen in seinem Reich in Winsen.

Ein Bericht von Iha von der Schulenburg

Mona Lisa ist nackt. Das ist natürlich Majestätsbeleidigung und auf jeden Fall illegal. Die entblößte Schönheit prangt auf einem kleinen Fläschchen. Es steht in der Sammlung von Hans-Peter Perchner in Winsen. Die Polizei hat sogar schon mal nachgeschaut, was bei ihm so rumsteht an Verbotenem. Da hat Perchner seine Sammlung kurzerhand zum Museum erklärt. Und nun gelten seine vielen kleinen Hochprozenter als Kulturgut, ebenso Miniflaschen mit Mundwasser, Essig oder Möbelpolitur.

Sie stehen in zwei großen Räumen, vom Boden bis zur Decke. Ein Chaos? Aber nein! Perchner weiß genau, wo jede Flasche steht. Und er kennt ihre Geschichten …

Seine teuersten Miniaturflaschen hat Salvator Dali entworfen, zum 49. Geburtstag seiner Frau: sieben Flaschen, sieben verschiedene Etiketten. Von den sieben Sätzen steht einer beim Scheich von Brunei – und einer bei Hans-Peter Perchner. Der Preis ist Geheimsache.

Auch ganz spezielle Maggi-Fläschchen hat er. Die gab es früher bei den Vertreterversammlungen. Außen Maggi – innen Schnaps.

Sehr selten ist ein Fläschchen Williams Birne, in Form einer Birne. Auf dem Etikett prangt Helmut Kohl. Sie wurde nach 48 Stunden vom Markt genommen. Selbst berüchtigte Diktatoren stehen hier in Reih und Glied. Und so manche pornografische Abbildung tarnt sich mit einem gehäkelten Überzieher.

Stolz zeigt Perchner eine kleine viereckige Flasche aus kittfarbenem Porzellan, 55 % Reisschnaps. Sie ist aus Japan, von Künstlerhand hergestellt, zum Einsatz für Fotoaufnahmen mit Staatsgästen. Danach werden diese Fläschchen wieder einkassiert. Aber ein verwegener Professor hat einmal absichtlichVerwirrung gestiftet, irgendwie gelangte dabei dieses Exemplar an Aufpassern und Zoll vorbei – bis nach Winsen.

Perchner muss seine kleinen Kostbarkeiten gut hüten: Der Inhalt kann verdunsten, deshalb versiegelt er sie. Oder ein Besucher findet sie allzu begehrlich. Deshalb stehen viele hinter Panzerglas oder im Safe. Sicher ist sicher.

Vor ein paar Jahren drohte die gesamte Perchnersche Parallelwelt abzusaufen. Damals befand sich die Sammlung noch unter seinem Hotel „Stadt Bremen“. Das Hochwasser der Aller, die gleich nebenan verläuft, stieg immer höher, bis es den Keller flutete. Die meisten Flaschen konnte er retten, aber dann schwammen doch 1.500 Etiketten neben ihren Flaschen. Also weg damit.

In seinem Museum verfolgt der passionierte Sammler auch ein pädagogisches Ansinnen. Er bietet Kurse für Jugendliche an: gegen Alkoholmissbrauch.

Hans-Peter Perchner ist ein Mann für’s Ganz-oder-gar-nicht. Als Fünfzehnjähriger pilgerte er auf dem Jakobsweg. Auf die harte Tour, sechzig Kilometer am Tag. Die letzten zweitausend Meter rutschte er auf Knien zur Kathedrale von Santiago de Compostela hinauf. Heute ist er mit Leib und Seele Koch im eigenen Restaurant. Jeden Tag außer Mittwoch. Dann sind die Miniflaschen dran. Und was meint seine Frau dazu? „Sie hat mich ja schon mit den Flaschen kennengelernt“, sagt er. Ein Mann braucht sein Hobby, so ist das eben.

Angefangen hat alles vor 45 Jahren. Auf einer Reise mit den Eltern nach Italien entdeckte der kleine Hans-Peter zwischen den großen Barolo-Flaschen eine Miniausgabe davon. Die hatte ihn sofort fasziniert. Und seitdem hat ihn das Jagdfieber nie mehr losgelassen. Auch Freunde und Bekannten bringen Miniflaschen mit aus dem Urlaub. Was doppelt ist, wird auf Sammlerbörsen getauscht. Flasche gegen Flasche, Preis egal.

Beim Sammeln geht es darum, vollständige Sätze zu haben. Zum Beispiel gab es in der DDR 928 Miniflaschen. Der zweite Vorsitzende des Sammlervereins war damals Einkäufer bei Monopol, daher ist die genaue Zahl bekannt. Perchner hat 900, hinter den fehlenden 28 ist er heiß hinterher. Mit feierlichem Blick zeigt er die Prinzessin-Diana-Serie. „Good bye Diana. We will always keep You in our hearts“, steht auf kleinen unschuldigen Wasserkrügen, die allerdings mit Whisky gefüllt sind. Nur die vierte Flasche fehlt ihm noch. Sie hat eine Buchform und würde 1.800 englische Pfund kosten. Aber sein Limit sind 50 Euro im Monat. Da ist die Diana nicht drin. Also wartet Hans-Peter Perchner geduldig auf Tauschangebote für die DDR-Fläschchen und für seine Diana. Denn er weiß auch: „Wenn alle Wünsche erfüllt sind, ist der Mensch nicht glücklich.“

Fotos: Hubertus Blume (C) Landluft – Celle, 2018

 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hauptnavigation