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Katharina Witerzens – Clownin aus Passion

Autor:
Redaktion

Katharina Witerzens

..mehr als ein Clown

Ein Portrait von Gräfin Iha von der Schulenburg

Die Bezeichnung „Clown“ reicht nicht aus für das, was Katharina Witerzens auf der Bühne veranstaltet. Sie wird zum leichtfüssigen Zauberwesen, zu leidender Prinzessin, unschuldigem Kind oder wütendem Urviech. Kurz gesagt: zum facettenreichen Menschen. Mit ihrem Charme und ihrer Improvisationskunst erobert sie uns spielend.

Oh je, wie kann das gehen? Gleich soll „Katharinas Schaubude“ beginnen, eine Vorstellung der leisen Clownskunst. Aber im Zuschauerraum kramen Frauen aufgeregt in Handtaschen, Männer tippen in Handys, alle anderen reden laut miteinander.

Und dann kommt die Clownin. Langsam schreitet sie durch den Mittelgang. Auch sie schaut auf ihr Handy, daraus schallt fetzige Musik. Sie stellt es leiser – und schon wird es auch im Zuschauerraum ruhiger. Schließlich steht Katharina vorne auf der Bühne. Sie trägt ein Kleid mit fluffigen Volants, darüber einen strenger Frack. Das feine Gesicht ist ungeschminkt, darüber thront ein kantiger Zylinder. Zarter Kern, markante Schale.

Langsam lässt sie ihren intensiven Blick über jeden einzelnen Besucher schweifen. Da, ein widerspenstiger Handystarrer. Sie stellt sich neben ihn und schaut auf sein Display. Ertappt! Jeder kennt dieses Gefühl. Und schon hat Clownin Katharina die ersten zarten Fäden zum Publikum gesponnen.

Und nun beginnt ihr Spiel mit uns, sie bringt uns in ihrer Show zum Lachen, ängstigt uns, lässt uns nachdenklich werden. Als asiatisches Wesen faltet sie große zarte Papierbögen. Sie macht dies so liebevoll, dass man ständig fürchtet, sie könnten zerreißen. Mit hoher Stimme wird sie zur kleinwüchsigen „Prinzessin Perla“. Ist dies ein Kind oder eine Erwachsene? Gibt es diese Grenze überhaupt?

Katherina Witerzens ist eine Meisterin der kleinen Gesten und der großen Gefühle. Sie weiß, wo sie bei ihren Zuschauern Türen aufmacht, wo vorher keine waren.

Plötzlich erschreckt sie uns als gefährliches „Biest“, einer Kreatur zwischen Mensch und Tier. Mit gewaltiger Energie lässt sie ihre Wildheit hervorbrechen, stampft und brüllt, wie ei Monster. „Diese Energie schlummert in jedem von uns“, sagt Katharina „sie macht Angst. Wir müssen sie ständig bändigen. Aber sie steht auch für unsere Erdverbundenheit.“ Jede der Kunstfiguren, in die sie sich verwandelt, ist wie eine Facette ihrer eigenen Persönlichkeit.

Bis zu dieser hohen Kunst hat Katharina eine lange Reise gemacht: vom verspielten Kind über intensive Auseinandersetzungen mit sich selbst, durch viele Lehrjahre und unzählige Workshops der obersten Kategorie: Vom Cirque du Soleil und Roncalli kamen ihre Lehrmeister. Bei der ersten Begegnung mit dem berühmten Clown Pello, kurz nach ihrem Abitur, war klar: Clown muss sie werden. „Ich habe da einen Zauber gespürt, der mein Lebenselixir ist“ Während sie dies erzählt bekommt ihr Tonfall eine Bestimmtheit, die keinen Zweifel zulässt. So wie auch ihr fester Gang auffällt, ihre gute Bodenhaftung. Und damit kann man ja besonders gut tanzen…

Katharina Witerzens (40) ist leidenschaftlich unterwegs in Sachen Beobachtung, Menschenkenntnis, Selbsterforschung und mutigem Ausprobieren, Scheitern und Wiederaufstehen. Sie ist Kobold, Macho, zappeliger Waschbär, Bösewicht, Elfe, Geschichtenerzählerin – ihre Phantasie und Energie scheint unendlich. „Ich liebe was ich tue“ sagt sie.

Seit fünfzehn Jahren tritt sie auch in Altenheimen und als Klinikclown in Krankenhäusern auf und hilft mit, den Menschen dort etwas Freude ins Leben zu bringen.

Bei ihrem Bühnen-Programm „Katharinas Schaubude“ hat übrigens Clown Pello – inzwischen ihr künstlerischer Begleiter –  Regie geführt. Im Freien zeigt sie das Programm mit einem kleinen nostalgischen Zirkuswagen. Wenn sie obendrauf steht, wackelt er so stark, dass man ständig fürchtet, sie verliert das Gleichgewicht.

Zur Zeit steckt sie mit ihrem Partner Nick Lloyd in den letzten Proben für ein neues „altes Jahrmarktprogramm“. Als „Madame Juliette und Mr. Goodchap“ werden die beiden mitten im Publikum spielen. Dies ist eine erste Theaterproduktion ihrer frisch gegründeten „Celler Theatermanufaktur“, einem Ort für Poesie und Zauber.

Auf der Bühne verwandelt sich Katharina nun in die „Häßlichste Frau der Welt“. Dieses Wesen ist unsicher, sucht Anlehnung. Man fühlt seine Tragödie. Und dafür liebt man es. Wie eben Unzulänglichkeit und zarte Verletzlichkeit geliebt werden wollen. „Ich suche nicht nur nach Lachern, ich möchte die Menschen auch berühren“ sagt sie. Und das kann sie verdammt gut.

Am Ende des Programms sind die anfänglich zarten Fäden zwischen ihr und dem Publikum  zu starken liebevollen Bändern gewachsen.

Fotos: Hubertus Blume, Martin Jehnichen, (C) LANDLUFT 2018

 

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