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Im Schlosstheater Celle ist’s „Wie im Himmel“?

Autor:
Meggie Hönig

Premiere mit Kay Pollaks bekanntem Film in einer Bühnenadaption

Mit einer Theaterfassung des gleichnamigen Films „Wie im Himmel“ des 1938 in Göteborg geborenen Kay Pollak, seinerzeit in Schweden ein Publikumsmagnet, im Jahr 2005 sogar für den Oscar nominiert und auch in unseren Landen einem breiten Publikum bekannt, wagte das Schlosstheater Celle den Versuch, Laien gemeinsam mit dem Schaupielensemble auf die Bühne zu bringen. Für den Chor des Stardirigenten Daniel Daréus, von dem das Stück handelt, wurden Celler Sängerinnen und Sänger eingeladen, die sogar in kleinen Sprechrollen mitwirkten. Viel Live-Musik also auf der Bühne, unter der musikalischen Leitung von Andreas Unsicker.

Um es gleich vorwegzunehmen: Das in der Programmvorschau als Komödie angekündigte Stück überzeugte das Premierenpublikum ganz offensichtlich; denn es applaudierte nicht nur am Schluss lang anhaltend und heftig, sondern schenkte sogar mehrfach Zwischenapplaus. „Alles ist möglich“ – das ist ja auch die Devise von Daniel Daréus.

Daréus ist ein international gefeierter Dirigent, erfolgreich auf großen Konzertbühnen zu Hause, der schließlich dem permanenten Erfolgsdruck nicht standhält und, obwohl (in der Theateraufführung) ein Arzt aus dem Publikum auf die Bühne gerufen wird, einen Herzinfarkt erleidet. So sehen wir ihn zu Beginn der Theateraufführung überlebensgroß auf der riesigen Bühnenleinwand schweißgebadet, angstvoll, überfordert und nicht in der Lage, die Aufführung zu dirigieren – eine, wie man es heute nennt, typische Burnout-Situation.

Daréus (in sich gekehrt mit seltenen Emotionsausbrüchen gespielt von Dirk Böther) sagt alle Verpflichtungen ab und kehrt in sein schwedisches Heimatdorf zurück. Statt Ruhe und Einsamkeit zu finden, wird er aufgefordert, den Gemeindechor als Kantor zu übernehmen. Nachdem er sich den Chor angehört hat, nimmt er unter der Bedingung an, dass nach seinen Vorstellungen gearbeitet wird. So hilft er den Chorsängern und -sängerinnen mit eigenwilligen Methoden, frei zu werden von gesellschaftlichen Zwängen, sich für die Musik zu öffnen und auf die eigene, individuelle Stimme zu hören. Der Chor wächst und wächst, ebenso auch der Zusammenhalt innerhalb der Chores.

Gabriella, die von ihrem eifersüchtigen Mann geschlagen und unterdrückt wird, findet in der Chorgemeinschaft liebevolle Hilfe. Sie singt sich regelrecht frei, bis sie stark genug ist, ihren gewalttätigen Mann zu verlassen. Und Inger, die Frau des Pfarres Stig, die in ihrer Ehe Liebe und Leidenschaft vermisst und die Heuchelei ihres Mannes längst durchschaut hat, singt, lacht, tanzt sich euphorisiert in Extase – einfach großartig, wie immer, von Katrin Steinke Quintana umgesetzt.

Arne, so etwas wie der heimliche Anführer (gut besetzt mit Thomas Wenzel), meldet den Chor schließlich zu einem Wettbewerb nach Salzburg an. Daniel Daréus willigt nach anfänglichem Zögern ein. In Salzburg angekommen, trifft Daniel auf seinen früheren Musikagenten und erfährt sofort die Aufmerksamkeit der Medien. Nach einem nur kurzen Glücksgefühl fühlt Daniel sich erneut, wie in seinem früheren Leben, unter Druck gesetzt und schafft es nach einem zweiten Herzinfarkt nicht mehr auf die Bühne. Es wiederholen sich die bedrückenden, zu Beginn der Aufführung gezeigten Schwarz-Weiß-Zusammenbruch-Szenen auf der Leinwand. Aber der Chor singt und summt, hat seinen Ton gefunden …

Das ist die Geschichte mit all ihren menschlichen Tragödien, mit Doppelmoral und Bigotterie, mit Enttäuschungen, Ängsten, Selbstzweifeln und – als Gegenpol – mit der Erlösung und dem Glück durch die Musik – die nachdenklich machende Geschichte, die hier in der Aneinanderreihung einzelner Szenarien emotional nur selten berührt. Wo bleibt denn der Himmel? Die Leinwand auf der Bühne zeigt in der Tat einen eher grauen, wolkenverhangenen Himmel. Nur einmal, nämlich im Lied der Gabriella, fantastisch mit ungekünstelter Stimme gesungen von Josephine Raschke, (die einmal mehr ihr schaupielerisches Können beweist) empfindet man gänsehautartig die Kraft der Musik. „… Ich will spüren, dass ich lebe / jeden neuen Tag / Will so leben wie ich will / ich will spüren, dass ich lebe / wissend dass ich wertvoll bin … Ich bin hier und mein Leben gehört nur mir / Und der Himmel, den ich nie fand, / Werd’ ich finden dort irgendwo, …”

Die im Film „engelsgleiche“ Lena, in der Aufführung exzellent gespielt von Regina Vogel, erscheint eher flippig und leicht schrill als durch enttäuschte Liebe verletzt und jetzt in Daniel verliebt. Und selbst der Moment, als Daniel endlich, erlöst durch die „himmlische“ Musik seines Chores, in dem nun jeder einzelne den „eigenen einzigartigen Grundton“ gefunden hat und alle zu einem homogenen Klangkörper verschmelzen, als Daniel endlich – und doch zu spät, weil kurz vor seinem finalen Zusammenbruch – weiß, dass er Lena liebt und in der Lage ist, die drei Worte „Ich liebe dich“ auszusprechen, rührt nicht ans Herz.

So entgeht die Aufführung möglicherweise bewusst der Nähe zum Kitsch und zu dick aufgetragenen Sentimentalitäten, die Kritiker dem Film vorwerfen. Unter der Regie von Alice Asper (die das Kunststück vollbringt, die vielen Schauspieler und Sänger auf der kleinen Bühnen ohne spürbare Enge unterzubringen) und in einem insgesamt schlichten, aber gerade dadurch stimmigen Bühnenbild entsteht ein eigenständiges Theaterstück, das diesem Genre gerecht wird. Das lächeln und lachen lässt und die Zuschauer wie erhofft „beschwingt, etwas gerührt, … keineswegs bedrückt“ in den späten Abend entlässt.

Fotos: Benjamin Westhoff.
Die Fotos zeigen v.l.n.r.:
Foto 1: Josephine Raschke, Johanna Holze, Tanja Kübler, Katrin Steinke Quintana, Regina Vogel, Dirk Böther
Foto 2: Regina Vogel, Dirk Böther
Foto 3: Dirk Böther mit Ensemble
Foto 4: Josephine Raschke und Dirk Böther mit Ensemble
Foto 5: Ensemble
Foto 6: Dirk Böther und Regina Vogel mit Ensemble
Foto 7: Thomas Wenzel, Katrin Steinke Quintana, Regina Vogel, Josephine Raschke, Johanna Holze, Jürgen Kaczmarek, Michael Weinrich, Elke Winter, Tanja Kübler, Dirk Böther
Foto 8: Josephine Raschke, Felix Meyer, Dirk Böthe

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