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Celle – neu denken

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HofKulTour – eine eiskalte, herzwärmende kulturelle Tour durch drei Celler Innenhöfe

Es war kalt, nein, klirrend kalt. Nichthandschuhgeschütze Hände klammerten sich um heiße Kaffee-, Tee oder Punschbecher, Lippen liefen trotz dicker Schals blau an, über das Nichtmehreigenleben kalter Füßen möchte man lieber nicht nachdenken. Aber: Die Augen glänzten bei denen, die dabei waren bei der ersten „HofKulTour“ am 3. März, bei der ersten Tour durch drei versteckte Celler Innenhöfe. So nennen die Initiatoren ihr kleine, extrafeine Veranstaltung, mit der sie einmal mehr auf die langjährigen Leerstände in der Celler Altstadt aufmerksam machten, aber vor allem zeigten, was mit Eigeninitiative und weder kommerziell noch politisch gesteuerten Ideen machbar ist. „Die Celler Altstadt ist schön. Wir wollen mithelfen, dass sie es auch bleibt. Unser Ziel ist es, städtische Lebensqualität und Stadtkultur zu entwickeln“, steht auf ihrer Facebook-Seite, die sie unter anderem eingerichtet haben, um weitere Mitstreiter zu gewinnen.

Mehr Menschen als erwartet füllten schon vor 16 Uhr den Innenhof des ehemaligen „Alex Antik Café“, dann genutzt als „Heaven’s Coffee“, nun seit mehreren Jahren friedlich in den Dornröschenschlaf versunken und – normalerweise hinter verschossenem Tor – in der Schuhstraße 6 versteckt liegend: ein in der Celler Altstadt seltener Hof auf ganzer Grundstücksbreite, nach hinten begrenzt durch ein Rückgebäude aus dem 18. Jahrhundert, hinter dem ein zweiter Hof liegt. Die großartige Penny Simms, die im letzten Frühherbst für schon einmal für „Altstadt Celle neu denken“ auftrat,  sorgte mit ihrem Akkordeon und einem abwechslungsreichen Programm sofort für gute Stimmung und beste Laune. Die Initiatoren konnten gar nicht schnell genug wärmenden Kaffee- und Teenachschub kochen, außerdem wurden – gegen eine freiwillige Spende –  selbstgebackener Kuchen und Gebäck angeboten. Gemütlich saß man zwischen lauter Kerzenlichtern in ausrangierten Weckgläsern auf Strohballen, eingehüllt in Decken, oder man zitterte sich stehend, im Takt der Musik wippend warm.

Weiter ging’s mit Sack und Pack, Bollerwagen, Kaffee und Kuchen durch den für viele inzwischen fast geheimnisvollen Eingang der ehemaligen „In der Goldenen Sonne“ in den schmalen Nachbarhof Schuhstraße 5. Geheimnisvoll deshalb, weil man zu gern wüsste, ob, wann und wie dieses Gebäude inklusive der Nebengebäude und des Innenhofs aus dem eher unruhigen Dauerschlaf geweckt werden wird. Von Herrn Diekmann, Städtebauförderung der Stadt Celle, erfuhr man allerdings Spannendes über Celles Ausspannwirtschaften, zu denen die „Goldenen Sonne“ gehörte. Hermann Löns machte sie in seinem „Werwolf“ als echte Bauernwirtschaft nahezu unsterblich, Franz Wrede erwähnt sie in „Allerhand Snurren un Snack“ ebenfalls. Erst 1963 wurden hier die Ställe abgebrochen. Wegen der kurzfristigen, krankheitsbedingten Absage von Bernd Rauschenbach trat schon hier Karlheinz Rehling alias Till Eulenspiegel auf, verschaffte sich in diesem weitläufigen, langgestreckten Hof auch ohne Mikrofon Gehör und erntete viel verdienten Applaus.

Inzwischen war es dunkel geworden und die, die durchgehalten hatten, wanderten einen sicher zum ersten Mal eingeschlagenen Weg vom Hof aus direkt zum Nordwall durch ein großes Scheunentor in die benachbarte ehemalige Schmiede der Familie Aufderheide aus dem 19. Jahrhundert. Inmitten von alten Kutschen, Schmiedewerkzeug, anderen historischen Relikten und diesmal mit festem Dach überm Kopf wurde es trotz mehrstelliger Minusgrade noch einmal richtig gemütlich – bei Kerzenschein, heißem Apfelpunsch oder einem Glas Rotwein zu Quiche, Zwiebelkuchen und Brezeln kein Wunder. Dima Mondello, der so symphatische wie sensible Saxophonist, und sein Keyboarder Friedhelm Keil wärmten Herz und Gemüt.

Es war bestimmt die erste, aber nicht letzte „HofKulTour“, versprachen die Initiatoren, die die Spendeneinnahmen gedanklich schon für die nächsten Altstadt-Aktionen verplant haben. Sehr gerne würden sie übrigens, so hörte man in interessanten Gesprächen, mit anderen Gruppierungen in Celle ins Gespräch kommen. Wie schön wäre es doch, wenn alle, die sich in und für die Stadt Celle ähnliche Ziele gesetzt haben, zusammenarbeiten würden.

(c) Landluft-Celle.de – Text: Celle, neu denken – Fotos: Hubertus Blume

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